Regine Leutwyler geht zu einem der Bäume am Wegrand, blickt hoch in die Äste. Das Summen der Bienen ist zu hören. «Ja, da geht heute noch was», sagt Leutwyler mit einem Lächeln und meint damit: Da werden dank herrlichem Frühlingswetter noch einige Kirschblüten bestäubt.

Die diesjährige «Chriesibluescht», sie ist schon fast vorbei. Auf dem «Chriesiwäg» oberhalb von Gipf-Oberfrick liegen bereits einige weisse Blütenblätter zwischen dem Mergel, und mit jedem Windstoss fallen ein paar mehr herab. Wer dieses Jahr also noch was sehen will von der weissen Blütenpracht, der hat über Ostern die letzte Gelegenheit. Und der bekommt dann vielleicht sogar noch mehr zu sehen: «Auch die Apfel-, Birnen- und Quittenbäume stehen jetzt kurz vor der Blüte», sagt Leutwyler.

Die Kirschblüten werden bei herrlichem Frühlingswetter bestäubt.

Die Kirschblüten werden bei herrlichem Frühlingswetter bestäubt.

Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick, kennt die Gegend hier gut. Sie ist regelmässig auf dem Weg unterwegs, sowohl privat als auch mit Gruppen. Der Kirschenlehrpfad «Fricktaler Chriesiwäg» wurde vor rund 12 Jahren vom Verband Aargauer Obstproduzenten in Zusammenarbeit mit dem Jurapark Aargau sowie der Gemeinde Gipf-Oberfrick eingerichtet. Seither ist Leutwyler als Landschaftsführerin tätig. «Ich bin gerne draussen und geniesse die Ruhe in der Natur», sagt sie. Und die Kirschbäume haben es ihr angetan, seit sie als kleines Mädchen auf dem elterlichen Betrieb mithalf, die Kirschen zu ernten.

Bei Touristen immer beliebter

Es geht ihr mit ihrer Tätigkeit aber auch darum, das Bewusstsein der Besucher für die Landschaft zu schärfen, besonders für die Hochstamm-Obstgärten wie am «Chriesiwäg». «Sie bieten der einheimischen Flora und Fauna wertvolle Lebensräume», sagt Leutwyler und nennt einige Vogelarten, wie den Steinkauz, den Gartenrotschwanz oder den Wendehals als Beispiele.

Leutwyler ist an diesem Donnerstagmittag nicht alleine unterwegs. Eltern mit kleinen Kindern, Rentner und junge Paare wandern auf dem Weg, gesprochen wird neben verschiedenen Schweizer Dialekten auch Englisch oder Hochdeutsch. Genaue Besucherzahlen werden auf dem «Chriesiwäg» zwar nicht erhoben, Schätzungen aber gibt es. «An schönen Tagen dürften es jeweils über 500 Personen sein, welche die ‹Chriesibluescht› entlang des Wegs bewundern», sagt Leutwyler.

Der «Chriesiwäg» scheint bei Touristen aus dem In- und Ausland beliebt. Zuletzt seien sogar vermehrt Besucher aus Japan und anderen asiatischen Ländern festgestellt worden, sagt Leutwyler (siehe Kolumne nebenan).

Die Informationen zum «Chriesiwäg» sind auf der Jurapark-Website deshalb auch in englischer Sprache verfügbar. Die Tafeln beim Gemeindehaus und beim Start zum «Chriesiwäg» weisen ebenfalls in Deutsch und Englisch auf die Verhaltensregeln hin. Die Besucher werden unter anderem gebeten, Abfall wieder mitzunehmen und das hohe Gras neben dem Weg nicht zu betreten – «weil die Landwirte dieses mähen und den Kühen verfüttern möchten», wie es auf den Tafeln heisst. Als sie weiter oben ein Elternpaar mit den Kindern quer über die Wiese spazieren sieht, da schüttelt Leutwyler kurz den Kopf. Manchmal weist sie die Besucher auf das Betretungsverbot hin, das vom 1. April bis 31. Oktober gilt. Denn: «Das wissen die wenigsten.» Trotz Schildern.

«Freuen uns über Interesse»

Regine Leutwyler verhehlt nicht, dass die steigenden Besucherzahlen auch einige Herausforderungen mit sich bringen. Die Mitarbeiter des Bauamts etwa sind angehalten, regelmässig die Abfalleimer an den Grillplätzen zu leeren und die WC-Anlage zu reinigen. Sozialhilfeempfänger sammeln den Unrat entlang des Weges ein. Aber, das betont Leutwyler mehrmals: «Wir freuen uns in erster Linie über das grosse Interesse am ‹Chriesiwäg› und unserer Region.»

Leutwyler ist mittlerweile an der Saft-Bar des Landwirtschaftsbetriebs Arbovitis angekommen. Hier werden Kirschen- und Wildobstsaft oder Apfel- und Quittenmost ausgeschenkt sowie Trockenfrüchte angeboten. Auf den Bänkli unter den Bäumen sitzen Besucher im Schatten, lassen den Blick über die grünen Hügel und die weissen Bäume schweifen. In den Wipfeln summen die Bienen. «Es ist idyllisch», sagt Leutwyler, wieder mit einem Lächeln.