Zeihen

Ist man auf dem Weg zu einem Zwei-Gemeinden-Bezirk?

«Man darf uns kritisieren», sagt Dinkel. «Wenn es aber unter die Gürtellinie geht, habe ich dafür kein Verständnis.» twe

«Man darf uns kritisieren», sagt Dinkel. «Wenn es aber unter die Gürtellinie geht, habe ich dafür kein Verständnis.» twe

Thomas Dinkel tritt Ende Jahr als Gemeindeammann zurück. Er macht berufliche Gründe geltend, verhehlt aber nicht: «Der Aufwand wird laufend grösser.» Er fordert mehr Kooperationen unter den Gemeinden.

Thomas Dinkel, SVP, tritt per Ende Jahr als Gemeindeammann von Zeihen zurück. Dies gab er gestern bekannt. Pikant dabei: Es ist bereits der zweite Rücktritt eines Zeiher Gemeinderates innert nur zwei Monaten. Anfang Juli erklärte Pia Bürgi, parteilos, dass sie aufgrund «veränderter beruflicher Verpflichtungen» aus dem Gremium ausscheidet – ebenfalls per Ende Jahr.

Auch Dinkel macht primär die zeitliche Belastung für den Rücktritt verantwortlich. Die Aufgabe als Gemeindeammann sei mit einem 100-Prozent-Führungsjob nicht vereinbar. Zudem habe er zwei kleine Kinder – sie sind 3 und 5 Jahre alt – und die Familie komme zu kurz. «Es gibt Wochen, da bin ich jeden Abend für die Gemeinde unterwegs. Das geht mit dem Vatersein nicht auf», erklärt Dinkel das Dilemma.

Keine Leichen im Dorfkeller

Dass andere Gründe mitspielen, bestreitet Dinkel. «Es gibt im Gemeinderat kein Zerwürfnis, im Gegenteil: Wir harmonieren gut.» Auch im Dorf, so versichert Dinkel, sei nirgends eine «Leiche» im Keller versteckt. Auch mit den beiden hängigen Referenden – gegen den Kindergartenneubau sowie den Umzug der Verwaltung ins Raiffeisengebäude – habe der Rücktritt «nichts zu tun».

Dinkel ist seit knapp sechs Jahren im Gemeinderat, seit Anfang 2014 amtet er als Ammann. «In dieser Zeit hat sich meine berufliche Situation verändert», sagt er. Als er ins Gremium gewählt wurde, sei er ein «einfacher Mitarbeiter» gewesen – heute ist er Teamleiter bei Swissgrid. «Ich will eine Aufgabe gut machen und nicht zwei halbbatzig», sagt der Noch-Ammann. Die Entscheidung sei zugunsten des Jobs gefallen.

Dinkel empfindet die sechs Jahre im Gemeinderat als «Super-Zeit», die er nicht missen möchte. Er habe viele Erfahrungen sammeln können «und ich kann jedem nur raten, einmal ein öffentliches Amt zu übernehmen».

Der scheidende Ammann findet aber auch mahnende Worte: «Die Leute erwarten von den Behördenmitgliedern immer mehr und vergessen zuweilen, dass wir das Amt im Milizsystem freiwillig und neben dem Job ausüben.» Mühe hat er vor allem mit dem Ton, den einige Einwohner gegenüber Verwaltung und Behörden anschlagen. «Man darf uns kritisieren», sagt er. «Wenn es aber unter die Gürtellinie geht, habe ich dafür kein Verständnis.»

Dennoch: Ein Rücktritt nach nur zwei Jahren als Gemeindeammann wirft die Frage auf: Hat Dinkel den Aufwand unterschätzt? «Vielleicht etwas», meint er nach einigem Zögern. Zwei Erfahrungen habe er in seiner Zeit als Ammann in Sachen Arbeitsbelastung gemacht. Erstens: «Bei einer Gemeinde in der Grösse von Zeihen beträgt das Arbeitspensum als Ammann gut 20 Prozent. Das lässt sich mit einem Führungsjob nur schwer unter einen Hut bringen.» Zweitens: «Nicht nur der Aufwand, den ein Gemeindeammann zu bewältigen hat, wird laufend grösser – auch die Ansprüche der Bevölkerung an ihn wachsen stetig.»

Eine naheliegende Lösung, um die Pensen- und auch andere Kleinräumigkeits-Problematiken zu lösen, wäre ein Zusammenschluss mit umliegenden Gemeinden. Diesen Schritt haben fünf kleine Gemeinden im Mettauertal 2010 gewagt; diese Lösung streben derzeit die Gemeinden Mumpf, Obermumpf, Schupfart und Stein an.

Auch in Bözen, Hornussen, Effingen, Elfingen und Zeihen war ein Zusammengehen dereinst angedacht – der schärfste Widerstand kam aus Zeihen, das noch vor einer detaillierten Prüfung Nein sagte. Dinkel hält ein Zusammengehen dieser fünf Gemeinden nach wie vor für «wenig zielführend». Man wäre mit dannzumal 3500 Einwohnern immer noch zu klein.

Weitere Kooperationen nötig

Dann schiebt der Ammann jedoch einen Satz nach, der für einen SVP-Politiker erstaunt: «Es wird und es muss weitere Kooperationen geben. Langfristig sehe ich im Bezirk Laufenburg noch eine bis zwei Gemeinden.» Also ein Plädoyer für eine Grossfusion? «Die Gemeinden müssen nicht unbedingt fusionieren», tempiert Dinkel ab. «Es kann auch eine Art Kooperation mit gemeinsamem Verwaltungszentrum sein.»

Zukunftsmusik. Derzeit spielt die politische Musik in Zeihen das nächste Mal am 22. November auf: Dann findet die Ersatzwahl für Bürgi und Dinkel statt. Man habe die Rücktritte bewusst nicht gestaffelt, so Dinkel, damit nur ein Wahltermin nötig sei.

Dinkel hofft, «dass bereits im ersten Wahlgang zwei neue Gemeinderäte gefunden werden.» Sein Wunsch: «Mindestens eine Frau.» Denn nach dem Rücktritt von Bürgi verbleiben «nur» Herren im Gremium. Ob einer dieser drei – Vizeammann Patrik Meier, Daniel Banholzer oder Christian Probst – in die Ammann-Hosen steigen wird, «ist offen». Man habe ein erstes Mal diskutiert, «doch Entscheide sind noch keine gefallen».

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