«Ich lasse meinen Hund nicht aus einem Brunnen trinken. Die sind mit zu viel Chlor versetzt», sagte kürzlich ein Hundehalter vor einem Kaister Brunnen. «Daraus kann ich nicht trinken, das Wasser ist grün, voller Algen», tönt es von einem durstigen Radfahrer bei einem anderen Dorfbrunnen. «Unser Brunnenwasser wird nicht gechlort», so Josef Kaiser. Seit nunmehr 30 Jahren ist er für die Gemeinde als Brunnenmeister tätig. «Früher», so Kaiser «hat das Brunnenwasser tatsächlich Chor enthalten.» Damit konnte der Verschmutzung, insbesondere der Bildung von Algen entgegengewirkt werden.

Während in vergangenen Jahren das abfliessende Wasser in die Schmutzwasserkanalisation gelangte, wird es heute in die nahen Bäche geleitet. «Für Mensch ist das gechlorte Wasser nicht gefährlich, solches fliesst ja auch aus den Wasserhähnen in den Häusern. Für die Umwelt hingegen schon», erklärt der Brunnenmeister. Seit zwei Jahren wird in Kaisten kein Chlor mehr beim Brunnenwasser verwendet. Der Kanton hat bereits vor einiger Zeit die Brunnenmeister der Gemeinden aufgefordert, auf den Einsatz von Chlor zu verzichten.

Mechanische Reinigung

Die Kehrseite dieses Verzichtes ist, dass das Wasser sehr schnell voller Algen ist. Vor allem aus ästhetischen Gründen ist das Gemeindewerk gefordert, die Brunnen in regelmässigen Abständen zu reinigen. «Eine absolut mechanische Angelegenheit. Der Trog wird mit der Bürste gefegt. Manchmal muss auch der Hochdruckreiniger zur Hand genommen werden», weiss Josef Kaiser. Andreas Gertiser, Leiter der Kaister Unterhaltsbetriebe, ergänzt, dass insbesondere in den Sommermonaten die Brunnen oft, zum Teil gar wöchentlich, gereinigt werden müssen. Auch beim Reinigen wird gänzlich auf den Einsatz von chemischen Mitteln verzichtet. Ausser bei jenen Brunnen, die in einem geschlossenen System das Wasser immer wieder umwälzen, ist das frische Nass aus den Kaister Brunnen trinkbar. Die einwandfreie Qualität hat Josef Kaiser gerade eben wieder anhand von Probenentnahmen überprüft.

Brunnen sind keine Mülleimer

Bei den Putzeinsätzen geht es aber nicht nur um das Entfernen von Algen. Die Brunnen werden immer wieder mit Abfallkübeln verwechselt. Leere Getränkedosen, Papierverpackungen, Scherben und dergleichen schwimmen auf der Wasseroberfläche oder liegen auf dem Trogboden.

Die Frage, ob das Littering-Thema eine neuere Erscheinung sei, verneint Josef Kaiser teilweise. Es habe dies in seiner 30-jährigen Brunnenmeister-Tätigkeit schon immer gegeben. Aber sicher nicht in dem Ausmass wie heute. Er lobt deshalb die zurzeit laufende, vom Planungsverband Regio Fricktal lancierte Aktion «Sauberes Fricktal». Im Zuge dieser sind auch Kaister Schüler unter anderem als Abfallsammler im Einsatz und werden dabei auf das Güsel-Problem sensibilisiert.