Laufenburg
Ist die Altstadt von Laufenburg in Gefahr?

Vor Monaten brach ein Balkon eines Laufenburgers Bewohners ab und versank im Rhein. Es entbrannte eine Diskussion: Wird die Altstadt unterspült? Behörden wollen nun wissen, wer die Kosten tragen soll und wie gefährdet das Städtchen wirklich ist.

Susanne Hörth
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Diese Häuserzeile in Laufenburg ist von möglichen Felsbewegungen im Untergrund betroffen.

Diese Häuserzeile in Laufenburg ist von möglichen Felsbewegungen im Untergrund betroffen.

Susanne Hörth

Zeitnahe und faire Lösung – Kommentar von Susanne Hörth

Seit dem Abbruch der Terrasse beim Laufenburger Altstadthaus von Christian Haller Mitte 2013, den sofort erforderlichen Sicherungsmassnahmen am felsigen Rheinfundament sowie einem beschleunigten Bewilligungsverfahren für den Balkon-Neubau (Fertigstellung im November) ist einige Zeit vergangen. Offen ist noch immer, was die Ursache für den Terrassenabsturz, die Risse in den Wänden der auf dem Felsfundament gebauten Altstadthäuser ist.

Viele involvierte Personen sind nun gefordert, verbindliche Aussagen zu einem heiklen Thema zu machen. Heikel ist es immer dann, wenn klare Zuständigkeiten gefordert sind. Wer übernimmt Verantwortung? Wer kommt für die Kosten auf? Dies sind dabei die herausragenden Fragen. Die Laufenburger Stadtbehörde hat das Richtige getan, als sie zu einem ersten runden Tisch mit Kantonsvertretern und Kraftwerkbetreiberin eingeladen hat. Die Stadtverantwortlichen sind sich bewusst, dass die betroffenen Liegenschaftsbesitzer am Rheinufer ein Recht auf Informationen haben.

Dass zurzeit noch keine verbindlichen Aussagen gemacht werden, ist verständlich. Wichtig ist nun vor allem, dass zeitnah Abklärungen vorgenommen und mögliche Massnahmen aufgezeigt werden. Und ganz besonders, dass die Stadtbehörde am Ball bleibt, sich dafür einsetzt, dass auch die (finanziellen) Zuständigkeiten fair für alle geregelt werden können.

susanne.hoerth@azmedien.ch
www.twitter.com/susannehoerth

Neben Stadtammann Herbert Weiss, Baustadtrat André Maier und Bauamtsleiter Guido Zimmermann hatten sich zu dem Gespräch Vertreter vom Kanton (Abteilung Gewässer), der Denkmalpflege, der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) sowie von der Kraftwerkbetreiberin Energiedienst AG eingefunden. Für den Bau des Rheinkraftwerkes wurden in Laufenburg vor rund 100 Jahren die Laufen gesprengt. Mit dem Abbruch der Hallerschen Terrasse wurde in Laufenburg deshalb die Frage laut, ob die Sprengung Ursache für mögliche Ausschwemmungen/Bewegungen im Rhein gelegenen Felsgrund sein könnte.

Zuerst eine Auslegeordnung

Bereits nach dem Teerrassenabbruch hatte die Energiedienst einen Tauchgang am betroffenen Rheinabschnitt vornehmen lassen. «Für vertieftere Abklärungen ist es durchaus möglich, dass umfassendere Tauchgänge noch in Auftrag gegeben werden müssen», so Herbert Weiss. Erklärt aber, dass am Montag «als Erstes eine Auslegeordnung gemacht wurde». Auch, dass bei dieser Sitzung die Akteure noch sehr zurückhaltend mit Äusserungen waren.

«Es geht ja jetzt darum, die Verantwortlichkeiten herauszufinden.» Verantwortlichkeiten bedeutet insbesondere auch, wer was zahlen wird, beziehungsweise zahlen muss. Beim Gespräch wurden in Bezug in Zuständigkeiten und Kostenübernahmen keine Zugeständnisse gemacht. «Wir stellen uns natürlich schon die Frage, ob es wirklich die Stadt sein könnte, die für mögliche Kosten aufkommen müsste», gibt sich Herbert Weiss nachdenklich. Fügt als Überlegung an: «Bund und Kanton erteilen Konzessionen, nehmen Wasserzins ein.»

Unter der Federführung des Kantons soll nun in nächster Zeit ein Pflichtenheft erstellt werden. Bereits in diesem Monat wird die Energiedienst die periodisch anstehende Uferschutzabklärung vornehmen. Dazu erklärt Wolfgang Biesgen, Leiter Kraftwerk: «Das Kraftwerk Laufenburg vermisst alle zehn Jahre die Rheinsohle in der Staustrecke zwischen den Kraftwerken Laufenburg und Albbruck-Dogern, um Veränderungen bei der Flusssohle z. B. durch Auflandungen feststellen zu können. Diese Vermessung steht nun turnusmässig an.»

Die Vermessung der Flusssohle wird in diesem Jahr im gesamten Stauraum als sogenannte Fächerlotvermessung durchgeführt, ein relativ neues Messverfahren, mit dem man im Ergebnis eine dreidimensionale Darstellung der Flusssohle erhält, so Biesgen und führt dazu aus: «Mit dieser Messmethode lassen sich auch die unter Wasser liegenden Uferböschungen abbilden. Wir werden die Ergebnisse der Vermessungen wie bei den Messzyklen in den vergangenen Jahrzehnten natürlich auch den zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.»

Info an die Liegenschaftsbesitzer

Und die Direktbetroffenen, die Liegenschaftsbesitzer an besagtem Rheinuferabschnitt? «Wir werden sie informieren, dass ein erstes Gespräch mit Kanton und Kraftwerksbetreiberin stattgefunden hat. Auch was als Nächstes geplant ist», so Stadtammann Weiss.
Es ist ihm wie auch seinen Stadtratskollegen ein grosses Anliegen, das, wie er selbst sagt, «sehr komplexe Sachgeschäft» voranzutreiben. Es ist ihm klar, dass Unsicherheiten vorhanden sind, möglicherweise auch Ängste. Gerade deshalb will er aber «eine Panikmache vermeiden». Das würde der Sache nicht dienen. Deshalb hat der Laufenburger Stadtrat auch beschlossen, dass Infos über den sich möglicherweise bewegenden Felsgrund im Rhein nur über die Behörde erfolgen.