Frick

Ist der Fussgängerstreifen auf der Fricker Hauptstrasse sicher genug?

Ein 71-jähriger Automobilist fuhr am Montag auf dem Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Kunz eine 89-jährige Frau an.

Ein 71-jähriger Automobilist fuhr am Montag auf dem Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Kunz eine 89-jährige Frau an.

Beim Fussgängerstreifen vor der Bäckerei Kunz kommt es immer wieder zu gefährlichen Szenen. Das liegt an den Automobilisten ebenso wie an den Fussgängern. Markus Kunz fordert mehr Toleranz – und Massnahmen

«Es ging alles sehr schnell», erzählt ein Augenzeuge. Eine 89-jährige Frau wollte am Montag bei der Bäckerei Kunz die Strasse überqueren und betrat den Fussgängerstreifen. Ein 71-jähriger Autofahrer, der in Fahrtrichtung Hornussen unterwegs war, sah die Frau zu spät und fuhr sie an. Die Frau musste mit Kopf- und Hüftverletzungen von der Ambulanz ins Spital gebracht werden.

Markus Kunz, der von seinem Arbeitsplatz in der Konfitürenproduktion den Fussgängerstreifen genau im Blick hat, war zwar zum Unfallzeitpunkt nicht vor Ort. Dennoch hat ihn der Unfall alarmiert – auch, weil es nicht der erste Unfall auf diesem Fussgängerstreifen war. So fuhr im Dezember 2014 ein 20-jähriger Automobilist eine 34-Jährige kurz nach 18 Uhr an und verletzte sie leicht.

Markus Kunz hat deshalb gestern an seine Mitarbeiter ein Mail verschickt. Darin bittet er alle «mehr Sorgfalt» beim Überqueren des Fussgängerstreifens walten zu lassen, den Vortritt nicht zu erzwingen und hie und da einem schnell fahrenden Auto entgegen der gesetzlichen Regel den Vortritt zu lassen. «Es wäre für uns eine echte Belastung, wenn einer unserer Mitarbeiter verunfallen würde», hält er fest.

Fahrzeuge «schneller unterwegs als erlaubt»

Augenschein am Dienstagmorgen. In den rund zehn Minuten vor Ort passieren mehrere Dutzend Fahrzeuge den Fussgängerstreifen, im Tagesverlauf werden es an die 15 000 sein. 15 Leute überqueren den Fussgängerstreifen in dieser Zeit; die Strassenquerung gehört zu den am stärksten frequentierten Fussgängerstreifen in Frick. Dies bestätigt auch Gemeindeschreiber Michael Widmer. «Beim besagten Fussgängerstreifen handelt es sich um einen solchen mit sehr hohen Frequenzen, auch weil etliche Kunden des Café Kunz die nahegelegenen öffentlichen Parkplätze im Rebstock-Areal benützen.»

Beim Augenschein fällt zweierlei auf: Erstens sind die Fahrzeuge zum Teil recht rasant unterwegs. Dies bestätigt Markus Kunz. Er beobachtet den Verkehr immer wieder und hat sich am Dienstagmorgen speziell auf die Fahrzeuge geachtet. «Mehrere Autos, Lastwagen und Traktoren waren schneller unterwegs, als es die Verkehrssituation erlaubt.»

Zweitens schauen nicht alle Fussgänger auf den Verkehr, sondern betreten den Fussgängerstreifen – ohne dass sie Blickkontakt mit dem Fahrzeuglenker herstellen und sich so vergewissern, dass dieser auch wirklich bremst. Das sei gefährlich, mahnt Kunz. Umso mehr als manch ein Automobilist, das beobachtet Kunz ebenfalls immer wieder, abgelenkt ist, weil er ins Café Kunz oder zur Gartenwirtschaft beim «Rebstock» blickt statt auf die Strasse zu schauen. Dass auch kleine Kinder über die Strasse laufen, ohne nach links oder rechts zu blicken, beunruhigt Kunz zusätzlich.

Schlechte Sicht bei Dämmerung

Der Confiseur weiss, dass die Jahreszeit nun erst kommt, in der sich gefährliche Situationen an den Fussgängerstreifen noch häufen würden. «Gerade in der Dämmerung sieht man den Fussgängerstreifen nach wie vor nicht besonders gut», sagt er. Auch die Weihnachtsbeleuchtung verschlechtere die Sichtbarkeit des Fussgängerstreifens. Dies sieht Widmer anders. «Seit ein paar Jahren leuchtet die Weihnachtsbeleuchtung nicht anstelle der übrigen Strassenbeleuchtung, sondern zusätzlich. Insofern sollte die Weihnachtsbeleuchtung keinen negativen Einfluss auf die Sichtbarkeit der Fussgänger auf den Fussgängerstreifen haben.»

Die Sichtbarkeit des Fussgängerstreifens und der Fussgänger sei zwar verbessert worden, räumt auch Kunz ein. Er wünscht sich dennoch, dass Frick weitere Massnahmen prüft. Einen Lösungsansatz sieht er im «Modell Küttigen». Hier wurden 2016 bei einem Fussgängerstreifen LED-Leuchten in den Boden eingelassen. Sie blinken, wenn ein Fussgänger die Strasse betritt. Widmer weist daraufhin, dass es sich beim Fussgängerstreifen in Küttigen um einen Versuchsbetrieb handelt. «Es gilt, die entsprechenden Auswertungen abzuwarten.»

Einen anderen Ansatz verfolgt die Gemeinde. Im Zuge der Sanierung der Hauptstrasse durch das Dorf soll der Strassenraum gleichzeitig umgestaltet werden. «Wir wollen eine klare Aufwertung zugunsten der Fussgänger, der Aufenthaltsqualität sowie der Sicherheit», sagte der damalige Fricker Baudirektor, Thomas Stöckli, bei der Präsentation des Konzepts im letzten Jahr. Unter anderem sollen sämtliche Fussgängerstreifen mit einer Mittelinsel ausgestattet werden. Zudem soll der Mehrzweckstreifen bei der Migros, der sich bewährt hat, bis zur Bäckerei Kunz verlängert werden. Er kann als Einspurstrecke genutzt werden, aber auch als zusätzliche Möglichkeit, die Strasse zu queren. Das Projekt hat zudem zum Ziel, die Aufenthaltsqualität «auf der Fricker Einkaufsmeile», wie es Widmer formuliert, weiter zu steigern. «Durch die Neugestaltung des Strassenraums dürfte sich auch automatisch eine Reduktion der gefahrenen Geschwindigkeiten ergeben.»

Markus Kunz, der selber in der Arbeitsgruppe mitgewirkt hat, die das Gestaltungskonzept für die Hauptstrasse ausgearbeitet hat, glaubt daran, dass die vorgeschlagenen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung und zur Erhöhung der Sicherheit beitragen können. Zwei Wermutstropfen bleiben für ihn: Zum einen, dass das Konzept erst mittelfristig umgesetzt wird. «Nach aktuellem Wissensstand sind Sanierung und Neugestaltung im Jahr 2020 denkbar», sagt Widmer. Voraussetzung dazu seien die Kreditsprechung durch die Gemeindeversammlung und das Vorliegen eines rechtskräftigen Bauprojekts.

Gesunder Menschenverstand

Zum anderen stört Kunz, dass mit dem Projekt etliche Parkplätze entlang der Hauptstrasse verschwinden sollen. «Das ist schlecht für das Gewerbe», ist er überzeugt. Bereits jetzt merke er, dass auf dem Widenplatz weniger Parkplätze zur Verfügung stünden und dass die Verbleibenden neu auch von Denner-Kunden benutzt würden (Denner eröffnete im September seine neue Filiale in der Nähe des Widenplatzes). Kunden sagten ihm auch schon, sie müssten beim ehemaligen Hotel Engel, rund 350 Meter vom Laden entfernt, parkieren. «Allzu oft werden sie den Weg nicht auf sich nehmen», ist Kunz überzeugt. «Wenn sie keinen Parkplatz finden, fahren sie vorbei – zum Grossverteiler.»

Kunz knüpft denn auch eine klare Bedingung an seine weitere Unterstützung für das Neugestaltungsprojekt der Hauptstrasse. «Ich bin nur für das Projekt, wenn die Parkplätze vor dem ‹Rebstock› nicht geopfert werden. Diese seien für sein Geschäft zentral.

Vor allem aber wünscht sich Kunz eines: «Eine an die Situation angepasste Geschwindigkeit.» Dass dazu auf der Hauptstrasse Tempo 30 eingeführt werden soll, wie es der ehemalige Fricker Baudirektor Thomas Stöckli vorschlug, hält Kunz für den falschen Ansatz. «Es braucht schlicht gesunden Menschenverstand und gegenseitige Toleranz», sagt er.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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