Frick

Isidor Bürgi ist gestorben: Ein Macher, dem die Region viel zu verdanken hat

Isidor Bürgi.

Isidor Bürgi.

Alt Grossratspräsident und Tierarzt Isidor Bürgi ist in Frick im Alter von fast 97 Jahren gestorben.

Er hat viel für die Region und den Kanton getan: Isidor Bürgi. Kurz nach dem Jahreswechsel, am 3. Januar, ist der ehemalige Tierarzt, Grossrat, stellvertretende Dienstchef der Schweizer Armee und Chef des Aargauer Regionalen Führungsorgans im Alter von fast 97 Jahren nach kurzer Krankheit zu Hause in Frick für immer eingeschlafen.

Mit Isidor Bürgi verliert das Fricktal einen ebenso gradlinigen wie humorvollen und beherzt agierenden Macher, einen Politiker und Menschen, der «der Zeit oft voraus war», wie Maximilian Reimann im «Fricktaler Bote» am 30. März 1984 zum Rücktritt von Bürgi als Grossrat schrieb.

Isidor Bürgi, als Wirtesohn am 6. April 1923 geboren, lernte schon als Kind und Jugendlicher, was es heisst, zu krampfen. Es war für ihn klar, zu Hause mitzuhelfen, zuerst in der «Glocke» in Effingen, ab 1931 im «Rebstock» in Frick, den die Familie zu einer Top­adresse im Fricktal machte.

Ein Top-Sportler

Top war Isidor Bürgi auch als Sportler; er holte sich mehrere Nationalturnerkränze. Der Sport blieb auch später eine Leidenschaft. Bis ins hohe Alter war es ihm wichtig, in Bewegung zu sein. Geistig wie körperlich. Die Bewegung habe sicher mitgeholfen, so alt zu werden, sagte er vor knapp zwei Jahren, als ihn die AZ zu einem Porträt traf.

Dass er sich porträtieren liess, brauchte etwas Überzeugungskraft, denn auch das zeichnete Bürgi aus: Sich nicht zu wichtig nehmen. Beigetragen, so alt zu werden, habe vor allem aber seine Frau, sagte er damals. 2018 feierten die beiden die diamantene Hochzeit.

Nach einem Abstecher ins Appenzellische, wo er Doris Walser, seine spätere Frau kennen lernte, kehrte Bürgi 1954 ins Fricktal zurück und eröffnete in Frick eine Tierarztpraxis, die von Anfang an gut lief.

In dieser Zeit grassierte bei Tieren im unteren Fricktal die Fluorseuche. Verantwortlich dafür waren die Aluminiumwerke im Badischen. Bürgi war alarmiert. Er forschte, half und ärgerte sich, dass die Schäden zwar fachlich anerkannt waren, nicht jedoch rechtlich. So musste eine Kommission jeden Fall einzeln beurteilen.

Klar und deutlich in den Grossrat gewählt

Das kann es nicht sein, sagte sich Bürgi, und als ihn dann die BGB, die heutige SVP, anfragte, ob er als Grossrat kandidieren wolle, zögerte er keine Sekunde. Denn er sah darin die Chance, sich kantonal für das Richtige und das ihm Wichtige einzusetzen.

Isidor Bürgi wurde klar und deutlich in den Grossrat gewählt. Hier brachte er 1961 die Fluordiskussion aufs politische Parkett und setze sich in den 24 Jahren als Grossrat unermüdlich für die Region und den Kanton ein. Neben Beruf und Militär – er «flog die Militärtreppe hoch», wie er beim Treffen vor zwei Jahren scherzend erzählte – blieb da bisweilen nicht viel Zeit für anderes. «Zwei bis drei Stunden Schlaf mussten manchmal reichen», erzählte er.

Möglich war all das nur, da ihm seine Frau zu Hause «den Rücken freihielt», für die Kinder sorgte und in der Tierarztpraxis das Administrative übernahm.

«Das Rentnersein geniessen»

Bis 1984 wirkte Bürgi als Grossrat, stand diesem 1975 sogar als Grossratspräsident vor. 1984 übergab er die Tierarztpraxis seinem Sohn Isidor und konzentrierte sich fortan auf die Beratung von KMU-Betrieben. Neben seiner beruflichen und politischen Tätigkeit hatte er bis zu 12 Verwaltungsratsmandate. Unter anderem war er 20 Jahre lang Vizepräsident des Aar­gauischen Elektrizitätswerks und er sass elf Jahre im Verwaltungsrat der Nordwestschweizerischen Kraftwerke.

Vor 20 Jahren, mit 77, zog er sich von seinen Ämtern zurück. Er wollte nun endlich «das Rentnersein geniessen», wie er sagte. Zusammen mit seiner Frau.

Seither war es still geworden um Isidor Bürgi. Er wollte es so. Ein politischer Weggefährte habe ihm einmal gesagt, dass schweigen soll, wer politisch und beruflich nicht mehr aktiv sei. Daran hielt er sich.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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