Es war wie im Film, Liebe auf den ersten Blick, als Philipp Weiss zum ersten Mal das «Monti» in Frick sah. Weiss war 24 Jahre alt. Er arbeitete in einem Filmverleih und war im Raum Klingnau als Konzert-Veranstalter tätig. Und er hatte einen Traum: ein eigenes Kulturlokal mit Kino. Mit dem damals leer stehenden «Monti» hatte er genau das gefunden.

Wenig später, im Frühjahr 1992, war er Pächter und stellte sein Konzept auf der Gemeinde vor. «Viele dachten wohl, dass ich spinne», erzählt Weiss heute. «Aber das hat mich nicht interessiert. Ich war überzeugt von meiner Idee.» Trotz aller Risiken, die es durchaus gab.

Die Schweizer Kinobranche steckte in den 1980er-Jahren in einer Krise. Die goldenen Zeiten waren vorbei. Viele Betreiber versuchten sich mit Erotikfilmen über Wasser zu halten. Auch in Frick. «Als die katholische Kirche im Dorf renoviert wurde, fanden hier die Messen statt. Da mussten zuvor die Filmplakate abgehängt werden», erzählt Weiss lachend. Lange Zeit hatte das Kino in «Fricks Monti» auch unter seiner Leitung noch mit dem schlechten Ruf aus dieser Zeit zu kämpfen, obwohl Weiss nie solche Filme zeigte. Aber wie in einem Film liess sich Weiss von den Widrigkeiten nicht beirren – und er wurde mit einem Happy End belohnt. Mit Kinderfilmen wie «Ein Schweinchen namens Babe» kam Mitte der 1990er-Jahre langsam das Publikum zurück ins Kino.

Die weiteren Standbeine des «Fricks Monti» – Theater und Konzerte – «liefen von Tag eins an», sagt Weiss. Schon ein paar Tage nach der Eröffnung fand das erste Konzert statt. Auf der soeben mit ein paar Freunden fertiggestellten Bühne spielte die Berner Newcomer-Band Patent Ochsner. Es folgten 1995 ein Auftritt des legendären Duos Memphis Horn mit Philipp Fankhauser und Konzerte von Gotthard, Stephan Eicher oder Züri West.

Das private Glück gefunden

Auch privat lief es für Weiss in Frick mehr als gut: Kurze Zeit nach Eröffnung des «Fricks Monti» lernte er Martina Welti kennen. Seit über 20 Jahren sind die beiden nun ein Paar.

2001 dann der grosse Umbau: Seither bilden Kinosaal, Bar und Restaurant eine Einheit. «Jedes Standbein für sich ist wichtig», sagt Weiss. Der Veranstaltungsbereich für sich «liesse sich ausserdem allein kaum finanzieren.» Zu sehr hat sich der Markt für Musiker verändert. Während die Schweizer Topacts früher auch regelmässig kleine Lokale bespielten, halten sie sich heute an die grossen Hallen. «An die Selbstläufer für ein volles Haus kommen wir nicht ran.»

Weiss ist daher darauf angewiesen, Schweizer und internationale Newcomer zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Was immer wieder gelingt. Dank seinem guten Ruf hat sich das «Fricks Monti» ein Stammpublikum erarbeitet. Das Blues-Festival, das Weiss gleich zu Beginn seiner Zeit in Frick lancierte, ist heute weitherum bekannt.

Gedanken an den Abschied

Und manchmal gelingt es doch, einen ganz grossen Act nach Frick zu bringen: 2014 etwa spielte Stings Gitarrist Dominic Miller sein erstes und einziges Konzert in der Schweiz.

Philipp Weiss strahlt, als er davon erzählt. Beim Rückblick auf seine 25 Jahre im «Fricks Monti» kommen ihm Dutzende Anekdoten in den Sinn. Aber der Rückblick lässt Weiss auch nachdenken, reflektieren. Es sind diese ruhigen Momente, in denen er sich die Frage stellt, was er mit seinem Leben noch anfangen will.

«Ich werde 50 Jahre alt dieses Jahr», sagt er. Kündet er etwa seinen Abschied an? «Wir suchen nicht aktiv nach einem Nachfolger. Aber wenn ein geeigneter Kandidat auftaucht, würden wir uns das anschauen», sagt Weiss. Wenn er sein Lebenswerk an einen geeigneten Nachfolger übergeben könnte, wäre das ein Happy End für die Liebesgeschichte, die vor über 25 Jahren begann.