Die Fricktaler wollen ihr Spital behalten: 2152 Personen haben die Online-Petition «Gesundheitsversorgung sichern – Spital Laufenburg erhalten» unterschrieben. Damit haben die Initianten – ein 14-köpfiges Komitee mit Vertretern aus allen Parteien – ihr Ziel mehr als erreicht: 2000 Unterschiften hatten sie sich zum Ziel gesetzt, als sie die Online-Petition vor einem Monat gestartet haben.

«Wir sind sehr zufrieden», sagt denn auch Rolf Schmid, Komitee-Sprecher und Präsident der SP Bezirk Laufenburg. Gefreut habe ihn vor allem, dass die Petition ein Selbstläufer war. «Wir mussten wenig Aufwand betreiben. Die Unterschriftensammlung lief fast von alleine.» Dies ist für Schmid ein klares Indiz für die grosse Verbundenheit der Region mit dem Spital – und die Sorge um seine Zukunft.

Besonders grosse Sorgen bereitet dem Komitee, dem auch 4 der 7 Grossräte aus dem Bezirk Laufenburg angehören, dabei die Versorgungssicherheit im oberen Fricktal. Die Gesundheitsversorgung stehe hier vor einer «schwierigen Zukunft», sagen die Initianten. Mancherorts haben Patienten bereits heute Mühe, überhaupt einen Hausarzt zu finden. Zudem gehen viele Ärzte gegen 60 oder sind bereits darüber. Sie gehen in den nächsten Jahren also in Pension. Einen Nachfolger zu finden, der die Praxis übernimmt, fällt aber nicht leicht. Selbst in Zentrumsgemeinden wie Frick dauert die Nachfolgersuche Monate bis Jahre.

Spital entlastet Hausärzte

Heute entlastet das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF), das die Spitäler in Laufenburg und Rheinfelden betreibt, die Hausärzte, indem es in Laufenburg den Notfalldienst am Abend und an den Wochenenden für die Hausärzte sicherstellt. Nur: Den Notfalldienst stellt das GZF mit den beiden Szenarien, die es für den Standort Laufenburg bis Ende Juni vertieft prüft, infrage. Denn zumindest im radikaleren Szenario zwei ist kein 24-Stunden-Notfall mehr vorgesehen (siehe Box). Möglich sei, sagte die GZF-Leitung im April bei der Präsentation der beiden Zukunftsszenarien, hier allenfalls ein «Notfall light» tagsüber.

«Mit dem Wegfall dieser Option verliert der ohnehin ländliche Bezirk Laufenburg weiter an Attraktivität als Standort für eine Hausarztpraxis», befürchten die Petitionäre. Sie fordern in der Petition die Geschäftsleitung «im Sinne einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung» deshalb dazu auf, «von einer Schliessung oder Redimensionierung der Notfallaufnahme abzusehen und im Gegenzug ökonomisch sinnvolle Alternativen für den Erhalt des Spitals zu prüfen». Dabei dürfe der zeitliche Druck – die GZF-Leitung will bis Ende Monat wissen, wie es weitergeht – nicht massgebend sein.

Das sehen auch die 2152 Personen so, welche die Petition unterschrieben haben. Sie stammen laut Schmid vorwiegend aus dem (oberen) Fricktal. Zudem haben auch etliche Personen aus dem badischen Raum das Anliegen unterschrieben. Hier sorgte in den letzten Monaten die Schliessung des Spitals in Bad Säckingen für emotionale Diskussionen.

Mehr als die Hälfte der Unterzeichner gibt an, selber direkt betroffen zu sein (19 Prozent) oder sie befürchten, in Zukunft betroffen zu sein (32 Prozent). Auch in den Kommentaren spürt man diese Betroffenheit – und den Goodwill, den das Spital in der Region geniesst. Sie sei selber drei Monate im Spital in Laufenburg gewesen «und es war wirklich eine sehr, sehr positive Erfahrung», schreibt eine Frau aus Laufenburg. «Super Spital!!!», schreibt ein anderer Kommentator und ein dritter gibt zu bedenken: «Nicht für alle Menschen in Not ist der Weg nach Basel oder Baden kurz genug.» Mehrfach wird auch die Sorge um die Arbeitsplätze thematisiert. «Viele würden den Job verlieren», befürchtet eine Petitionsunterzeichnerin aus Laufenburg.

Fast die Hälfte kam auf Papier

Die hohe Verbundenheit mit dem Spital zeigt sich noch in einer anderen Zahl: 44 Prozent der Unterschriften wurden per Unterschriftsbogen eingereicht. Hinter jedem Bogen steht ein Unterstützter, der in seinem Umfeld Unterschriften gesammelt hat und die ausgefüllten Bögen dann ins Internet geladen oder per Post zugestellt hat. Für eine Petition, die online lanciert wurde, ist dies eine beachtenswerte «reale» Sammelquote. «Das zeigt, dass sich sehr viele Menschen im Fricktal Gedanken über die Zukunft des Spitals machen», sagt Schmid. Und es zeigt, dass viele mit dem Vorgehen des GZF nicht einverstanden sind.

Auch das Komitee beurteilt das Vorgehen wie auch die Kommunikation als wenig geglückt. «Wir hatten den Eindruck, dass die Anliegen der Bevölkerung zu wenig ernst genommen werden», sagt Schmid. Dies sei einer der Gründe, dass das Komitee gegründet wurde und es die Petition lanciert hat. «Es ist uns klar, dass es im Gesundheitswesen Veränderungen braucht und geben wird», so Schmid. Auch im Fricktal. «Aber der Prozess muss breiter und besser sein, als er vom GZF bislang angestossen wurde.»

Ein Signal nach Aarau

Dies ist auch das Signal, das die Petitionäre an die Geschäftsleitung senden wollen. Gleichzeitig soll die Petition der GZF-Leitung bei ihren Verhandlungen mit dem Kanton um Rahmenbedingungen und allfällige Ausnahmeregelungen den Rücken stärken. «Es soll ein Zeichen sein, dass die Region hinter dem Spital steht.»

Dieses Zeichen will das Komitee nun vorerst der GZF-Leitung übergeben. Wann, ist laut Schmid noch offen.