Oberhof

Informationen zum «Ausweis für die letzte Grenze»

Referentin Eva Schütz, Paul Jaeggi, Pia Schmid und Hanneli Reimann vom Vorstand «Fürenand» (v.l.) während des Infoabends. bi

Referentin Eva Schütz, Paul Jaeggi, Pia Schmid und Hanneli Reimann vom Vorstand «Fürenand» (v.l.) während des Infoabends. bi

Auf den kommenden 1. Januar tritt neu das Erwachsenenschutzrecht in Kraft. Der Vorstand von «Fürenand Wölflinswil-Oberhof» informierte unter dem Titel «Der Ausweis für die letzte Grenze» über Patientenverfügungen.

Auf einen Nenner gebracht, stand an diesem Abend vor allem die Frage im Raum: Muss immer alles noch komplizierter werden, soll nun auch der Staat in letzte persönlichste Dinge eingreifen, wie das Verhalten bei schwerer Krankheit und letztlich dem Tod?

Eva Schütz, Leiterin von Pro Senectute Bezirk Laufenburg, legte umfassend und kompetent die Gründe dar, die heute für eine Patientenverfügung sprechen, und orientierte über weitere Festlegungen für den Ernstfall.

Auf den kommenden 1. Januar tritt neu das Erwachsenenschutzrecht in Kraft. Wer eine schriftliche Vorsorge trifft, kann Angehörige und beteiligte Fachkräfte bei schwerwiegenden Entscheidungen im Falle von Krankheit, Unfall, Urteilsverlust oder Altersdemenz sowie im Todesfall enorm entlasten. Wird keinerlei Vorsorge getroffen, muss behördlich festgelegt werden, wer die Entscheidungskompetenzen hat. In der Regel dürfte dies der Ehegatte oder Partner sein. Der Aargau hat für den Vollzug Familiengerichte eingeführt.

Gespräch über die letzten Dinge

Wie sich die Praxis genau entwickeln wird, ist noch offen. Man rechnet mit einer dreijährigen Einführungsphase. Entscheidend wichtige Akteure in einem Ernstfall bleiben der Vertrauensarzt, die Angehörigen und der Seelsorger. Eine Patientenverfügung beinhaltet denn auch persönliche, medizinische und ethische Anliegen. «Man wird buchstäblich auf Grundfragen unserer Existenz geworfen, wenn man sich mit Regelungen für den Not- Grenz- oder Todesfall auseinandersetzt», wurde betont. Wichtig sei der «Mut zum Gespräch über diese letzten Dinge».

Man kann nicht einfach eine Person des Vertrauens bestimmen, ohne vorher einvernehmlich die wichtigsten Grundfragen zu klären. «Die Welt ist kompliziert geworden, nicht einmal das Sterben ist einfach», war ein markantes Votum. Dies hängt auch mit den gewaltigen medizinischen Fortschritten zusammen, mit immer mehr Machbarkeit, letztlich sogar mit Misstrauen und zum Teil extremer Individualität in einer Partnerschaft.

Neutrale Beratungsstellen

Aber wenn irreversible Gesundheitsschädigungen vorliegen? Soll das Leben um jeden Preis künstlich verlängert werden? Soll für Medikament, Infusion oder künstliche Ernährung nicht irgendwann eine klare Grenze festgelegt werden? Die Fragerunde wurde sehr intensiv genutzt. Pro Senectute hat einen sogenannten Docupass erarbeitet, welcher in einem Gesamtpaket Patientenverfügung, Anordnung im Todesfall, Vorsorgeauftrag und auch Testament umfasst. Neutrale Auskunft und Unterstützung ist bei den Beratungsstellen möglich, auch bei den Sozialdiensten sowie bei Caritas und Rotem Kreuz.

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