Verkehr
«In zehn Jahren wird Tempo 30 das neue Tempo 50 sein»

Der Fricker FDP-Politiker Thomas Stöckli fordert, dass das Tempo-Regime innerorts geändert wird. Er will Tempo 30 auf den Kantonsstrassen in Aargauern Dörfern und Städten.

Thomas Wehrli
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Wenn es nach Thomas Stöckli geht, wird künftig nicht nur in Quartieren (im Bild: Frick) mit Tempo 30 gefahren, sondern auch auf Hauptstrassen. (Archiv)

Wenn es nach Thomas Stöckli geht, wird künftig nicht nur in Quartieren (im Bild: Frick) mit Tempo 30 gefahren, sondern auch auf Hauptstrassen. (Archiv)

Thomas Wehrli

Thomas Stöckli zieht eine ernüchternde Verkehrsbilanz. «Das System Individualverkehr ist ausgereizt», sagt der langjährige Verkehrsminister von Frick, der Ende Jahr als Gemeinderat abritt. «Wir haben im Aargau für Hunderte Millionen Franken Kreisel gebaut – und sind nun wieder gleich weit wie vorher.» Inzwischen staue sich der Verkehr einfach vor den Kreiseln. Bestes Beispiel sei Frick. «Hier steht die Autokolonne in der Rushhour bisweilen mehrere hundert Meter vor dem Kreisel.»

Für Stöckli gibt es nur zwei Optionen, den Verkehr für die Zukunft fitzutrimmen: Den öffentlichen Verkehr ausbauen und im Individualverkehr für ein besseres Miteinander von Fahrzeugen, Langsamverkehr und Anwohnern sorgen. Das heisst für den FDP-Politiker: «Auf den Kantonsstrassen in den Dörfern und Städten muss Tempo 30 eingeführt werden.» Für ihn ist klar: «In zehn Jahren wird Tempo 30 das neue Tempo 50 sein.»

Kein Zeitverlust

Dass ob dieser Vorstellung nicht wenige rotsehen, ist sich Stöckli bewusst. Das Auto sei eben noch immer die Verkörperung der Freiheit. «Deshalb wird das Thema viel zu emotional diskutiert», findet er und ist überzeugt: «Inhaltlich spricht nichts gegen Tempo 30 innerorts.» Das Argument Zeitverlust lässt er ebenso wenig gelten wie die Doktrin, dass der Verkehr eine Vorrangstellung auf Kantonsstrassen haben muss. «Beides ist ein alter Zopf», sagt er.

Der langjährige Fricker Gemeinderat Thomas Stöckli.

Der langjährige Fricker Gemeinderat Thomas Stöckli.

Thomas Wehrli

Als Beispiel zieht er Frick heran. Die Hauptstrasse schlängelt sich auf rund einem Kilometer durch das Dorf. «Mit 50 kann man kaum je fahren. Man muss permanent abbremsen und anfahren.» Bei einem Tempo-30-Regime wäre, so Stöckli, der Verkehr flüssiger, was allen dienen würde: «Die Umwelt wird entlastet, der Autofahrer ist weniger gestresst und die Anwohner haben geringere Lärmemissionen.» Diese seien heute an stark befahrenen Hauptstrassen «an der Belastungsgrenze», sagt Stöckli, schüttelt den Kopf. «Es ist doch paradox: In Städten ist es deutlich ruhiger als in vielen Dörfern.» Stöckli warnt: «Wenn man die Lärmemissionen nicht senkt, drohen entleerte Häuserschluchten.» Das könne niemand wollen.

Dass der Verkehr bei einem Tempo-30-Regime in die Quartiere ausweicht, glaubt Stöckli nicht. «Das ist immer mit einem Umweg verbunden.» Zumal: «Auch in den Quartieren wird künftig Tempo 30 der Regelfall sein.» Oder sogar Tempo 20. Ihm schweben vermehrt Begegnungszonen vor, in denen die Fussgänger Vortritt haben. «Das ist der richtige Weg.»

Oder besser: die eine Richtung des richtigen Weges. Die andere, die zeitgleich erfolgen muss, ist der Ausbau des öffentlichen Verkehrs. «Der öV muss so attraktiv und bequem werden, dass man gar nicht mehr in Versuchung kommt, das Auto zu nehmen.» Das heisst für Stöckli: ein konsequenter Halbstunden-Takt in allen Regionen.

Mehr Komfort am Bahnhof

Gleichzeitig müsse, so Stöckli, in den Ausbau der Infrastruktur und in den Komfort investiert werden. Als Negativbeispiel nennt er den Busbahnhof in Frick. Dieser ist unüberdacht, die Passagiere müssen also im Regen umsteigen. «Ein absolutes No-Go», sagt Stöckli. In Frick dürfte das Problem in einigen Jahren gelöst sein; ein neuer, überdachter Busbahnhof ist angedacht.

Stöckli ist sich bewusst, dass er mit seinen Verkehrsthesen provoziert. «Um Tempo 30 tobt ein Glaubenskrieg», sagt er. Das sei schade, denn das verhindere gute Lösungen. Das Beispiel Zürich – hier wird erstmals auf einer Kantonsstrasse Tempo 30 eingeführt – zeige, dass es auch anders gehe.

Im Kanton Aargau dagegen hält man nichts von Tempo 30 auf Kantonsstrassen. «Der Kanton tut so, als wäre das des Teufels», sagt Stöckli und erinnert daran, dass das Tempo-Regime auf Kantonsstrassen schon zweimal geändert wurde: Von keiner Beschränkung auf Tempo 60 und dann auf Tempo 50.

Stöckli warb beim Kanton immer wieder, man solle doch in Frick ein Pilotprojekt durchführen. Er stiess auf taube Ohren. «Wahrscheinlich hat man in Aarau Angst davor, dass das Beispiel Schule machen könnte und dann alle Tempo 30 innerorts wollen.»

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