Grabungen

In Frick räucherten die alten Römer einst ihren Schinken

Eingefeuert wurde der Ofen rechts, der Rauch im Kanal räucherte das Fleisch.

Eingefeuert wurde der Ofen rechts, der Rauch im Kanal räucherte das Fleisch.

Im Gänsacker hat das Archäologen-Team um Jakob Baerlocher einen Räucherofen entdeckt – der erstaunlich gut erhalten ist.

Heute Freitag sind die Archäologen zum letzten Mal im Fricker Gänsacker im Einsatz. Während fünf Wochen haben sie weitere Erkenntnisse zur kleinstädtischen römischen Siedlung, dem sogenannten Vicus, gesucht.

Im Zentrum der Grabungen, einer Kooperation von Kantonsarchäologie Aargau und der Vindonissa-Professur, stand dabei das Grossgebäude, dessen Aussenmauer am Ende der letzten Grabung entdeckt wurde. Es stellte sich heraus, dass die Mauern in nachrömischer Zeit geplündert und die grossen Steine wohl für andere Bauten verwendet wurden. «Hier hatten wir uns etwas mehr erhofft», so Grabungsleiter Jakob Baerlocher.

Räucherindustrie in der Region?

Gelohnt hat sich die Grabung dennoch: «Wir haben das Fundament eines Räucherofens im Innern des Gebäudes gefunden», so Baerlocher, «hier wurde Schinken geräuchert.» Errichtet worden ist der Ofen wohl Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus – und er ist heute laut Baerlocher «erstaunlich gut erhalten».

Ähnliche Öfen habe man auch in Augusta Raurica und auf Gutshöfen in der Region gefunden. «Möglicherweise gab es damals in der Gegend eine Art Räucher-Industrie», so Baerlocher. Dies könnte allenfalls ein Hinweis auf eine veränderte Art der Landwirtschaft sein.

Vindonissa-Professor Peter-Andrew Schwarz hat eine weitere mögliche Erklärung, warum der Räucherofen gerade an dieser Stelle stand. Die Siedlung im heutigen Frick lag an der Hauptverkehrsachse zwischen Augusta Raurica und Vindonissa.

«Wahrscheinlich gab es hier eine Pferde- und Ochsenwechselstation», so Schwarz. Deren Betreiber seien verpflichtet gewesen, Ersatztiere zur Verfügung zu stellen. «Es ist also möglich, dass alte Tiere geschlachtet und das Fleisch im Räucherofen weiterverarbeitet wurde.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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