Ein Herbstwind zieht gelbes Laub über den Teer. Das kratzende Geräusch mischt sich mit dem Rauschen der Autobahn, die ein paar Schritte nebenan vorbeiführt. Der ehemalige A3-Werkhof in Frick, einen Kilometer ausserhalb des Dorfzentrums, ist einer jener Orte, die gleichzeitig trostlos wirken und doch irgendwie Charme haben. Drei langgezogene Gebäude bilden einen grossen Hof: ein Betriebsgebäude mit Büros, daneben zwei grosse Hallen. 

In der Mitte ragen zwei Streusalzsilos in die Höhe, auf ihnen eine Fahne des Kantons Aargau und eine der Gemeinde Frick – beide ausgebleicht und ausgefranst. In den beiden Hallen will der Kanton Aargau im Frühjahr 2016 ein Flüchtlingsdorf für 300 Personen eröffnen. Dafür sollen 60 mobile Mehrweghäuser, entwickelt von der UNHCR und der Ikea-Stiftung, aufgebaut werden. Die Hallen braucht es, damit nicht jedes Ikea-Häuschen einzeln beheizt werden muss.

Einer, der im Betriebsgebäude seinen Arbeitsplatz hat, ist Kreisingenieur Stefano Donatiello. Mit einem kleinen Team betreut er von hier aus für den Kanton den Strassenkreis 4. Momentan stünden die Hallen grösstenteils leer. «Sporadisch halfen wir aus, wenn einheimische Gewerbler Lagerplatz brauchten», erzählt Donatiello. Man habe aber immer betont, dass dies nur kurzzeitig möglich sei. «Wir wussten, dass die Hallen anders genutzt werden sollen, deshalb haben wir nie fix vermietet.» Ab und an komme das Militär vorbei, um einen WK durchzuführen, der nächste sei für März geplant. 

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf. (30.10.2015)

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf.

Verlassener Stützpunkt

Auf einem der grossen roten Tore hat jemand ein gelbes Klebeband angebracht und mit Signierstift festgehalten: «Bei Wind Tor halten! (Rollen springen aus Führung).» Ein Brunnen aus Sichtbeton, in dem längst kein Wasser mehr fliesst, heute dafür Blumen spriessen, verrät das Baujahr: 1986. Peter Müller, Werkmeister der Aargauer Wanderwege, lädt Material aus seinem Bus. Drinnen im Betriebsgebäude stehen Kisten mit Dutzenden gelben Wegweisern, die Organisation hat hier ihr Depot eingerichtet. «Eigentlich ist es hier immer so ruhig, seit der Werkhof ausgezogen ist», sagt Müller. 

In Frick entsteht ein Dorf mit 60 Ikea-Hütten für Asylbewerber. (Tele M1, 29.10.2015 )

Flüchtlingsdorf mit Ikea-Häusern in Frick

Das war 2012: Die Nationalstrassen Nordwestschweiz AG zog ihre Mitarbeiter in Schafisheim und Sissach zusammen. Heute haben noch ein paar wenige Fahrzeuge und Geräte hier ihren Stützpunkt. Daneben steht, sauber poliert und ohne Nummernschild, ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Wölflinswil-Oberhof.

Doch manchmal, sagt Peter Müller, gebe es auch heute noch Hochbetrieb: «Wenn die Kantonspolizei eine Grosskontrolle macht, benützen sie hier die Fahrzeugwaage und der ganze Hof ist vollgestellt mit Lastwagen.» 

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Aldi, Vögele, Metzgerei Bernet

Dann fährt plötzlich ein Konvoi des Aargauer Katastrophen-Einsatz-Elements – es soll hier dereinst einen fixen Stützpunkt einrichten – auf den Werkhof. Ein Lastwagen mit Aufschrift «Logistik» manövriert sorgfältig hinter eine der beiden Hallen. Werden etwa bereits die ersten Ikea-Häuser angeliefert? Nein, klärt der Chauffeur auf: Man bringe nur die beiden Exemplare, die man in Brugg nach der Präsentation gestern wieder abgebaut und eingepackt habe.

«Hier stellen wir sie aber noch nicht auf, wir lagern sie nur ein.» Zuerst braucht es eine Baubewilligung. Wer durch die Scheiben in die abgeschlossenen Hallen blickt, sieht Betonboden, Betonwände, Betondecke. Eine grüne Türe mit Aufschrift «WC». Neonröhren. Draussen wurde einmal ein Basketballkorb montiert, sein Netz ist zerrissen. Auf der anderen Strassenseite steht das Fricktal-Center mit Aldi, Vögele, Metzgerei Bernet. Daneben: Recycling-Center, TCS-Ausbildungszentrum, Grill-Imbiss «Fantasia». Wanderwege-Werkmeister Peter Müller hat fertig ausgeladen. Bald hat er Wochenende. «Noch ist es ruhig hier», sagt er gelassen.