Heimatkunde

In der Römerzeit ging es den Fricktalern gut – doch dann kam es zu Plünderungen

David Wälchli (l.), mit Reto Marti nach dessen Vortrag im Fricker Kornhauskeller.

David Wälchli (l.), mit Reto Marti nach dessen Vortrag im Fricker Kornhauskeller.

Die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde hat im Kornhauskeller in Frick den Auftakt zu ihrer Wintervortragsreihe gegeben.

Die Zeiten waren schon immer unruhig. Verlässlichkeit konnte sich in wenigen Jahren in Luft auflösen. Das mussten auch die Bewohner der Region Basel und des heutigen Fricktals im 3. Jahrhundert nach Christus erfahren, als das Römische Reich zu zerfallen begann.

Bis dahin hatte sich Augusta Raurica im heutigen Augst und Kaiseraugst zur grössten Stadt der Region entwickelt. Ein Plus für den Standort, so Reto Marti vor vollem Kornhauskeller am Mittwochabend, war die Wasserversorgung.

Aber eben: «Die Katastrophe fängt im 3. Jahrhundert an», so Marti, «das Römische Reich, immerhin grösser als die EU, drohte auseinanderzufallen.» Auslöser für den Zerfall waren zahlreiche Kriege sowie Angriffe auf die Grenzen.

Das Ergebnis: «Der römische Frieden war innerhalb von Jahrzehnten am Ende, die Bevölkerung war Gewalt und Plünderungen ausgesetzt.» Die Kriege hätten die Bevölkerung unvorbereitet getroffen, «es blieb ihr nur die Flucht in die Höhe, zum Beispiel auf das Wittnauer Horn».

Das Römische Reich reagierte zwar mit Grenzbefestigungen und Wachttürmen, holte auch sogenannte Barbaren, die für Geld gegen andere Barbaren kämpften. Trotzdem zerfiel es, Wohn- und Handwerkshäuser wurden verlassen. Was auch an den archäologischen Funden nachvollziehbar ist, denn manchmal blieben sogar Wertgegenstände zurück.

Zuwanderer mit neuen Bestattungsriten

Ein Beispiel: 2019 entdeckte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologie Baselland bei Pratteln einen römischen Schatz mit 293 Silbermünzen. Der Besitzer hatte seine Barschaft um 180 nach Christus vergraben. Solche Funde waren Indizien für Wohlstand, doch aus der Zeit nach 350 wurden sie weniger. «Die Bevölkerung, vor allem auf dem offenen Land, ist massiv zurückgegangen», erklärte Marti.

Augusta Raurica gab seine Bedeutung als überregionales Zentrum an Basilia, das heutige Basel, ab. Menschen fränkischer und alemannischer Herkunft besiedelten die Region neu. Auch sie hinterliessen Spuren. Reto Marti: «Im 6. Jahrhundert sind es nicht mehr Siedlungsfunde, sondern Gräber.»

Mit den Zuwanderern kamen neue Bestattungsriten ins Land, woraus geschlossen wurde, dass auch Bewohner aus dem süddeutschen Raum und dem Oberrheintal in die Region Basel-Fricktal gezogen sind. Was sich anhand von Geschirrfunden nachweisen liess: Krüge wurden anders hergestellt als im Römischen Reich.

Marti wies auf einen anderen interessanten Aspekt hin: «Die Hausschweine waren nirgends so gross wie in Reinach. Sie waren praktisch für die Landerschliessung.» Apropos: Der Jura wurde schon viel früher für seinen Boden und das günstige Klima geschätzt. Auch andere natürliche Ressourcen wie Eisenerz waren wichtige Standortfaktoren.

Reto Marti beleuchtete in seinem Vortrag «Von Romanen, Alamannen und anderen Barbaren» kompetent und sachlich die gesellschaftlichen Umbrüche zwischen dem 3. und 6./7. Jahrhundert. FBVH-Präsident David Wälchli bedankte sich mit einer Flasche Rotwein – zwar kein antiker Jahrgang, aber aus dem Fricktal, wo der Weinanbau vermutlich schon zu römischer Zeit praktiziert wurde.

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