Am Sonntagabend fand die vorläufig letzte Finissage in der Kaister Galerie Mühle statt. Mit dem Ende der Ausstellung von Bildern von Heinke Torpus und Papierskulpturen von Elena Lichtsteiner endete auch die Zeit, in der Irene Wiestner als Präsidentin der Kulturkommission Kaisten die Geschicke der Galerie geprägt hat. Zwölf Jahre lang war Wiestner für die Ausstellungen in der Galerie verantwortlich. «Eine lange Zeit, aber sie ist schnell vergangen, weil ich es immer gerne gemacht habe», sagt sie.

Vor gut zwölf Jahren habe sie im Gespräch mit einem damaligen Mitglied der Kulturkommission gesagt: «Eure Arbeit interessiert mich», erinnert sich Wiestner an die Anfänge zurück. Ein Posten in der Kulturkommission war damals vakant – und Wiestner schon wenig später Kommissionsmitglied. «Es war eine Tätigkeit zum Wohl des kulturellen Lebens in der Gemeinde», sagt Wiestner. «Ich habe grosses Interesse und grosse Freude an Kunst, habe ein gewisses Auge dafür», beschreibt sie ihren Background. «Aber ich bin nicht studierte Kunstwissenschafterin.»

Drei Ausstellungen jährlich

Bald wurde Wiestner Präsidentin der Kulturkommission. «Ich hatte damals wenig eigene Erfahrungswerte», sagt sie. Also habe sie sich an Bewährtes gehalten: drei Ausstellungen pro Jahr mit jeweils einer Vernissage und vier offenen Sonntagen. Das Konzept blieb über die zwölf Jahre bestehen – und fand regen Zuspruch. «Die Künstler sind gerne in die ‹Mühle› gekommen», so Wiestner. Und die Ausstellungen stiessen jeweils auf Interesse. «Leute aus dem Umfeld der jeweiligen Künstler ebenso wie Kaisterinnen und Kaister auf ihrem Sonntagsspaziergang.»

Der Anspruch von Wiestner und ihren Kommissionskolleginnen und -kollegen – zuletzt waren dies Judith Rehmann, Ursula Schmid und Ursula Scheidegger – war es, abwechslungsreiche Ausstellungen auf die Beine zu stellen. «Dabei haben wir versucht, Künstler zu finden, deren Arbeiten zueinander passen», so Wiestner. «Mal waren es Künstler aus der Region, mal machten wir Ausstellungen mit Künstlern von weiter weg, die uns faszinierten.»

Rücktritt in globo

Im Gespräch wird deutlich, dass die Begeisterung für Kunst bei Wiestner weiterhin gross ist. Dennoch hat sie zusammen mit ihren drei Kommissionskolleginnen auf Ende Jahr den Rücktritt erklärt. «Zwei wollten aufhören und zu zweit weiterzumachen war keine Option», sagt sie. Und so war an der Finissage am Sonntag Wehmut dabei, aber Wiestner hat auch ein lachendes Auge. «Wir hören im guten Einvernehmen mit der Gemeinde auf und vielleicht ist es gut, wenn frischer Wind neue Ideen bringt.»

Der Haken dabei ist allerdings, dass die Gemeinde bislang noch keine Nachfolger gefunden hat. Derzeit werde die Kommission wohl eine Zeit lang sistiert, sagt Gemeindeschreiber Manuel Corpataux. Aber: «Wir wollen an der Kommission festhalten. Das Ziel der Gemeinde ist es, dass die Kultur ihren Stellenwert behält.» So hat der zuständige Gemeinderat Raphael Lemblé letzte Woche an der Gemeindeversammlung nochmals einen Aufruf gestartet und versucht, Interessierte für die Mitarbeit in der Kulturkommission zu motivieren. Wiestner hofft, dass das gelingt. «Es wäre schade, wenn die Räumlichkeiten in der Mühle brachliegen.»

Wiestner unterstützt Artune

Irene Wiestner selber wird dem Kulturbetrieb in der Region erhalten bleiben. Peter Stocker von der Galerie Artune in Frick hat sie angefragt, ob sie bei ihm einsteigen wolle. Dieses Angebot habe sie «mit Begeisterung» angenommen, so Wiestner. «Mein Interesse an Kunst bleibt ja auch nach dem Rücktritt aus der Kulturkommission bestehen.»