Fricktal

In den neuen Filialen von Bäckerei Maier werden nun kleinere Brötchen gebacken – doch reicht das?

«Wir sind auf jeden Fall flexibel und unsere Mitarbeiter sind es auch»: Geschäftsführer Roman Maier.

«Wir sind auf jeden Fall flexibel und unsere Mitarbeiter sind es auch»: Geschäftsführer Roman Maier.

Die Bäckerei Maier betreibt neun Filialen. Die Läden bleiben offen, die Cafés sind zu. Das führt zu Einbussen im siebenstelligen Bereich.

Das Fricktal steht, wie die ganze Schweiz, ab heute nahezu still. Der Kinosaal in Fricks Monti bleibt dunkel, im Wellness-Center Sole uno sprudeln die Bäder nicht mehr, das Feierabendbier im «Adler» ist bis auf weiteres ausgeflogen und auch in der Rheinfelder Marktgasse, wo sonst die Touristen flanieren, herrscht gähnende Leere. Alle Läden sind Corona-bedingt dicht – bis auf Läden des täglichen Bedarfs sowie Gesundheitsversorger.

Wie gehen die Geschäfte damit um? «Es geht um die Existenz», sagt etwa Claudine Hirt von «trag-werke» in Rheinfelden, die ihren Laden ab heute ganz geschlossen lassen muss (siehe Artikel unten).

Auch für Roman Maier, Geschäftsführer der Bäckerei Maier, sind es intensive Tage und Wochen. Die Bäckerei führt neun Filialen im Aargau, vielen davon ist ein Café angegliedert. Während die integrierten Cafés und Restaurants ab heute geschlossen sind, können die Bäckereien offenbleiben. Die Cafés werden mit Stellwänden und Gestellen abgesperrt, sodass gar niemand mehr auf die Idee kommen kann, abzusitzen.

Ebenfalls unterwegs sind auch heute Dienstag die Beck-­Mobile, die bei Firmen im Fricktal halten und die Mitarbeitenden mit Znüni versorgen. Man habe hier bereits vor Wochen die Schutzvorkehrungen mit Plexiglasscheiben und weiteren Massnahmen verstärkt, sagt Maier.

Dafür ist der ganze Cateringbereich weggebrochen. «Bestellungen für Sitzungen und Meetings sowie Reservationen für Essen sind alle abgesagt und annulliert», sagt Maier. Das ganze Cateringangebot sei eingestellt. Nur Take-away-Menus werden weiterhin angeboten.

Das Herunterfahren der Angebote und die Schliessung der Cafés und Restaurants hat auch Folgen für das Personal. «Alle Servicemitarbeiterinnen und Gastronomiemitarbeiterinnen werden heute nicht zur Arbeit erscheinen müssen», sagt Maier, schiebt nach: «Wir haben gestern Nachmittag Kurzarbeit angemeldet.» Man behalte sich aber vor, die frei gewordenen Ressourcen in der Not für andere Tätigkeiten anzufragen.

Einbussen im ­siebenstelligen Bereich

Derzeit kann niemand abschätzen, was der Lockdown, wie das Herunterfahren aller nicht lebensnotwendigen Konsumbereiche auch genannt wird, für Folgen haben wird.

Nicht einmal kurzfristig. «Es ist schwierig, abzuschätzen, ob nun der Ladenverkauf auch einbricht oder ob wir heute überrannt werden», sagt Maier. «Wir sind auf jeden Fall flexibel und unsere Mitarbeiter sind es auch.» Er windet seinen Mitarbeitenden ohnehin ein Kränzchen: «Alle zeigen sich höchst tolerant und gehen mit der Situation sehr professionell um.»

Die finanziellen Einbussen werden sich, so schätzt Maier, im siebenstelligen Bereich bewegen. «Ebenso befürchten wir zusätzlich Debitorenausfälle und Personalausfälle, die in der Summe noch nicht beziffert werden können und von keiner Versicherung gedeckt werden», sagt Maier. «Es könnte sogar zum Aus einzelner Geschäftspartner führen, die eine solche Durststrecke nicht überstehen könnten.»

Die Bäckerei Maier hat zwar eine Epidemieversicherung. Da Corona jedoch per 11. März von der WHO zur Pandemie eingestuft wurde, wird diese Versicherung ab da nichts mehr übernehmen. «Da wäre dann hoffentlich mit der Unterstützung des Bundes zu rechnen», sagt Maier. Zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen im Gewerbe befürwortet er ein unkompliziertes Vorgehen der Bundeshilfe, ebenso die Stundung von Beiträgen und Steuern sei in Betracht zu ziehen.

Eine Bezahlung per Karte wird bevorzugt

Für die Bäckereien wie für die Produktionsanlage in Laufenburg gilt nicht erst seit gestern: Die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit werden rigoros eingehalten. «In unserer Produktion gelten seit längerem verschärfte Hygienemassnahmen», sagt Maier. Ebenso würden gar keine Besucher oder externe Personen mehr empfangen. «Alle Termine wurden abgesagt.»

Penibel auf den Schutz von Mitarbeitenden und Kunden geachtet wird auch in den neun Filialen. Das heisst: «Abstand unter den Kunden sowie vor der Theke sind zwingend einzuhalten», sagt Maier. Entsprechende Hinweise würden aufgehängt. Ebenso bevorzugt Maier, wie derzeit viele Geschäfte, wenn Kunden mit Kreditkarte, Twint oder kontaktlos zahlen. Für ihn ist klar: «Der Schutz unserer Mitarbeiter wie die Versorgung unserer Kunden im Detailhandel, Altersheimen, Spitälern und anderen Einrichtungen haben oberste Priorität.»

Genügend Vorräte sind vorhanden

In den letzten Tagen machten Fotos von Hamstereinkäufen auf den sozialen Medien die Runde. Übervolle Einkaufswagen, leer geräumte Gestelle. Maier kann für seine Branche beruhigen. «Unsere Lager sind mit einem stattlichen Vorrat ausgerüstet», sagt er. Und auch die wichtigsten Lieferanten – etwa von Mehl oder Hefe – hätten ebenfalls entsprechende Vorkehrungen zur Versorgungssicherheit getätigt.

Bei den Kunden erlebt Maier alle Facetten, von grosser Verunsicherung über Selbstverantwortung bis hin zu einem beispiellosen Sozialengagement. Aber eben auch Egoismus oder zumindest Unbedarftheit. «Leider gibt es auch immer noch sehr viele Ignoranten, die sich nicht an die Schmutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit halten», ärgert er sich. Für ihn selber ist selbstverständlich, Distanz einzuhalten und sich nicht die Hand zu geben. «Gerade Gespräche auf der Strasse versuche ich, tunlichst zu unterbinden.»

Die ausserordentliche Lage, die der Bundesrat gestern ausgerufen hat, wird die Schweiz noch Wochen bis Monate begleiten. Und prägen. Gewiss ist dabei nur das Ungewisse. Die Lage müssen nicht nur Bundesrat und Kantone laufend neu beurteilen, sondern auch die Unternehmen. «Heute werden wir die neue Situation weiter organisieren», sagt Maier. «Und unser Möglichstes tun für möglichst ertragbare Momente in dieser aussergewöhnlichen Notsituation.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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