Fünfte Jahreszeit
In den Fricktaler Fasnachtshochburgen herrscht Wehmut am 1. Faisse

Der Startschuss für das bunte Treiben bleibt aus. Den Narren stehen triste Wochen bevor. Fredy Böni, für den es im Amt des Gemeindeammann von Möhlin die letzte Fasnacht wäre, bedauert den Ausfall des grössten Kulturanlasses im Dorf.

Dennis Kalt
Drucken
Teilen
Roman Maier, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei, hat es sich nicht nehmen lassen, vor der Filiale in Laufenburg fasnächtliche Figuren auszustellen.

Roman Maier, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei, hat es sich nicht nehmen lassen, vor der Filiale in Laufenburg fasnächtliche Figuren auszustellen.

Dennis Kalt / Aargauer Zeitung

Ein wenig schwingt die Wehmut bei Fredy Böni mit. Eigentlich würde der Möhliner Gemeindeammann am Donnerstagabend den Meler Galgenvögel und der Fasnachtszunft Ryburg den Schlüssel zum Gemeindehaus übergeben und damit die fünfte Jahreszeit einläuten. Weil Böni nicht mehr kandidiert, würde er dies zum letzten Mal als Ammann tun. Doch aus wegen Corona kommt es nicht dazu. Böni sagt:

Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin.

Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin.

Thomas Wehrli / Aargauer Zeitung
Ich bedauere es sehr, dass die Fasnacht nicht stattfinden kann. Aus wirtschaftlichen Gründen; aber vor allem, weil es der grösste Kulturanlass bei uns im Dorf ist.

Die Schlüsselübergaben waren für Böni immer «schöne Momente». Darüber hinaus bezeichnet sich Böni selbst als passionierter Fasnächtler. Dies auch, weil er die Erfahrung gemacht habe, dass Menschen, die im politischen Diskurs Differenzen austragen, sich an Fasnacht in einem unbeschwerten Rahmen austauschen und diese allenfalls bei einem Glas Wein glätten können. «Das dies nicht möglich ist, trifft mich am meisten», sagt Böni. Gerade weil Möhlin mit der Diskussion um die Testplanung und der Mittelschule zuletzt schwierige Monate hinter sich hat, wäre die Fasnacht als kultureller Kitt gerade richtig gekommen, damit das Dorf wieder zusammenrückt.

Auch die Ästhetik der Kostüme und die Kreativität der Wagenbauer und Schnitzelbänkler, die das Weltgeschehen aber auch lokale Aktualitäten aufs Korn nehmen, wird Böni missen. Das da die Narren zuweilen dem Gemeinderat den Spiegel vorhalten - wenn oft auch kritisch -, schätzt Böni sehr. «Das darf sein, dass muss auch mal sein», so Böni und schiebt nach:

Schade, gerade zu dieser Fasnacht hätten die Narren so viele Vorlagen für Sujets für die Wägen und Themen für Schnitzelbänke gehabt.

Gross ist die Wehmut auch bei Marco Zaugg, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Chaischter Haldejoggeli. «Es ist unbeschreiblich wie weh das tut, dass wir keine Fasnacht machen können», verleiht er seiner Trauer Ausdruck. Vermissen würden die Narren etwa, dass die Tschättermusik ausbleibt. Zaugg sagt:

Marco Zaugg, Präsident Fasnachtsgesellschaft Chaischter Haldejoggeli

Marco Zaugg, Präsident Fasnachtsgesellschaft Chaischter Haldejoggeli

Nadine Böni / Aargauer Zeitung
Das soziale Miteinander und das miteinander Feier wird uns am meisten fehlen.

Traurig, so Zaugg, sei es auch für die Kinder, dass die Fasnacht in diesem Jahr ausbleibt. Einige von ihnen seien noch nicht in dem Alter, dass die begreifen, warum es dieses Jahr keine Fasnacht im Dorf gibt. So werde ihnen etwa der Kinderball oder das Narrenlaufen, bei dem sie für das Aufsagen von Versen allerlei Süsses erhalten, sicher fehlen. Damit trotzdem ein wenig fasnächtliche Atmosphäre aufkommt, «haben wir uns es nicht nehmen lassen, das Dorf zu dekorieren», sagt Zaugg.

In Kaisten haben die Narren die traditionellen Fasnachtsfiguren entlang der Dorfstrasse aufgestellt. So auch die Müllerin in diesem Jahr coronakonfrom mit Mund-Nasenschutz.

In Kaisten haben die Narren die traditionellen Fasnachtsfiguren entlang der Dorfstrasse aufgestellt. So auch die Müllerin in diesem Jahr coronakonfrom mit Mund-Nasenschutz.

Dennis Kalt / Aargauer Zeitung

Grossrätin tankt durch Fasnacht positive Energie

Eine begeisterte Fasnächtlerin ist auch Béa Bieber aus Rheinfelden. So sagt die GLP-Grossrätin:

Bea Bieber, Grossrätin GLP, Aargau

Bea Bieber, Grossrätin GLP, Aargau

Roland Schmid / Aargauer Zeitung

«Das Ambiente, die Lebensfröhlichkeit und die vielen positiven Begegnungen an Fasnacht geben mir immer viel Kraft für die folgenden Monate.»

Auch ein wichtiger Punkt für Bieber ist jener, das die Fasnacht in Rheinfelden eine grenzüberschreitende sei und damit auch die Stadt durch das kulturelle Geschehen über den Rhein hinweg verbindet. «Diese niederschwellige Plattform der Kontaktpflege fehlt dieses Jahr leider.»

Für Roman Maier von der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 in Laufenburg wird es ein ungewohntes Gefühl sein, wenn er am 1. Faisse nicht mit der Tschättermusik durch die Stadt ziehen kann. Er sagt:

Roman Maier in seiner Bäckerei Maier in Laufenburg.

Roman Maier in seiner Bäckerei Maier in Laufenburg.

Mira Günter / Aargauer Zeitung
Das ist nicht gerade schön. Das Musizieren wird mir wohl am meisten fehlen.

Trotzdem lässt es sich Maier nicht nehmen, mit seinem Gebäck am 1. Faisse wenigstens kulinarisch für Fasnacht zu sorgen. So bietet die Bäckerei etwa am Donnerstag einen Kaffee-Lutz-Gipfel an. Zudem haben die Tambouren als kleinen Trost die «Fasnachtskultour Laufenburg» auf die Beine gestellt, bei denen die Teilnehmenden via Multimedia-Guide per App durch beide Altstädte spazieren und von Punkt zu Punkt kulturelle Hintergründe erfahren und fasnächtliche Bilder und Videos bestaunen können.