Pandemie

In den Fasnachtshochburgen drohen den Narren triste Zeiten

Die grenzüberschreitende Städtlefasnacht in Laufenburg steht auf der Kippe.

Die grenzüberschreitende Städtlefasnacht in Laufenburg steht auf der Kippe.

In Laufenburg und Rheinfelden sehen die Verantwortlichen für die fünfte Jahreszeit schwarz – allenfalls gibt es eine «Fasnacht light». Ein definitiver Entscheid wurde noch nicht gefällt.

Es war kein leichter Entscheid für die Organisatoren, die Fasnacht in Möhlin abzusagen. Die mangelnde Planungssicherheit und die behördlichen Vorgaben liessen aber für die Meler Galgenvögel und die Fasnachtszunft Ryburg keinen anderen Entschluss zu. Wie ist es um die fünfte Jahreszeit in den anderen Fricktaler Fasnachtshochburgen bestellt? Die AZ hat bei den Verantwortlichen nachgefragt.

Am Dienstag trafen sich die Delegierten der Laufenburger Fasnachtsvereine, um sich zu beraten. «Einen definitiven Entscheid hat es noch nicht gegeben», so Martin Schmid vom OK Städtefasnacht. Er verhehlt jedoch nicht, dass er «eher schwarz sieht» für die Durchführung der grenzüberschreitenden Städtlefasnacht, zu deren Höhepunkt – dem Open-Air-­Guggen-Festival auf mehreren Bühnen – es mehrere Tausend Besucher in die Altstadt zieht. So hätten die Guggenvereine «für einen Plan B» denn auch schon für die Woche des 3. Faisse die Stadthalle vorreserviert, um in dieser allenfalls Konzerte im kleinen Rahmen geben zu können.

«Eine Anwesenheitskontrolle oder ein Contact-Tracing ist hier durchführbar», sagt Schmid. Dies sei auf dem freien Gelände der Altstadt etwa auch beim grenzüberschreitenden Umzug mit der Masse an Zuschauern schlichtweg nicht möglich.

«Eine halbe Städtlefasnacht wird es nicht geben»

Klar ist für Schmid: «Eine halbe Städtlefasnacht wird es nicht geben. Sie ist immer grenzüberschreitend.» Dies sagt er auch mit Verweis auf die strikter ausgelegte Coronaverordnung in Baden-Württemberg. Dort sind Grossveranstaltungen – ab 500 Personen – noch bis Ende Oktober verboten. Ob die Frist verlängert wird, ist ungewiss.

Dennoch sei man darum ­bemüht, Events wie die Tschättermusik, Schnitzelbänke, den Kinderball sowie den Auftakt am 11.11. durchzuführen. Schliesslich soll die nächste Fasnacht nicht ganz von der Bildfläche verschwinden. Ein Entscheid, in welcher Form die Fasnacht stattfindet, soll spätestens im Oktober fallen.

Roger Wendelspiess, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Rheinfelden, spricht von einem schwierigen Entscheid, einem Abwägen zwischen Risiko und dem Pflegen einer kulturellen Tradition. Er verweist auf die Besucherzahlen, die sich am grenzüberschreitenden Umzug zwischen 3000 und 5000 bewegen. «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es keine Fasnacht geben wird. Die Gesundheit geht hier einfach vor», so Wendelspiess. Der Entscheid, ob und wie allenfalls die Fasnacht in der Zähringerstadt stattfindet, wird am Wochenende gefällt.

Kurzfristige Komplettabsage nicht ausgeschlossen

Mathias Hassler, Obmann des Fasnachtscomités Kaiseraugst, blickt bei der Entscheidung, ob der Umzug durch das Dorf stattfinden wird, auch auf die umliegenden Gemeinden. «Wenn neben Möhlin auch jene in Rheinfelden und Pratteln abgesagt werden, müssen wir dies in unsere Entscheidung miteinbeziehen», sagt er. So könnten die Absagen in den drei umliegenden Gemeinden dazu führen, dass mehr Besucher zum Umzug nach Kaiseraugst pilgern. Für diesen spiele man mit dem Gedanken, verschiedene Sektoren für die Zuschauer an der Strecke einzurichten. «Kommen zu viele, wird das aber schwierig», so Hassler.

Den Cliquen hat das Fasnachts­comité mitgeteilt, dass diese ihr Budget schonen sollen, indem sie etwa das Kostüm vom letzten Jahr nochmals verwenden und Ausgaben so spät wie möglich tätigen sollen. «Die Lage kann sich ja auch noch im Januar ändern. Eine kurzfristige Komplettabsage kann daher nicht ausgeschlossen werden», sagt Hassler.

Bleibt die Situation unverändert, wird in Kaisten die Fasnacht am 11.11. eröffnet. «Wir müssen uns die Auflagen ansehen. Etwa, ob wir die Mehlsuppe am Tisch servieren müssen», sagt Narrenvater Marco Zaugg. Mit der Entscheidung, wie welche Events durchgeführt werden, könne man zuwarten, da es sich um eine Dorffasnacht handle.

Autor

Dennis Kalt

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