Das Städtchen Laufenburg wird als «Felsennest am Rhein» bezeichnet, weil ein Grossteil der Altstadt auf Felsen gebaut ist. Jetzt scheint sich an einer Stelle dieses natürlichen Fundaments am Rheinufer etwas zu tun. Darauf deutet ein Vorfall hin, der sich bereits vor einigen Monaten ereignete: Bei der Liegenschaft von Schriftsteller Christian Haller brach der Balkon ab und fiel in den Rhein. Die Abbruchstelle wurde mit Spritzbeton stabilisiert.

Die Bewegung im Untergrund könnte sich auf die ganze Zeile der mittelalterlich zusammengebauten Häuser auswirken. Die Behörden wollen nun klären, ob der Balkonabbruch die Folge von steter Unterspülung sein könnte – und wer für die Kosten von gross angelegten Sicherungsmassnahmen aufkommen müsste. An der anberaumten Krisensitzung nehmen der Kraftwerksbetreiber Energiedienst Holding, die Denkmalpflege und die Gebäudeversicherung teil.

Betroffene Häuserzeile in Laufenburg.

Betroffene Häuserzeile in Laufenburg.

Der Auslöser dafür liegt einige Monate zurück. Mitte 2013 erlebte der bekannte Laufenburger Schriftsteller Christian Haller in einem Schreckensmoment, dass das Wohnen in einem historischen Altstadthaus auch seine Schattenseiten hat. Hallers direkt über dem Rhein gelegene Terrasse brach vom Haus ab, rutsche ins Wasser und versank. Der Schriftsteller weilt zurzeit im Ausland, ist telefonisch nicht erreichbar. Er hat den Vorfall aber gegenüber der Aargauer Zeitung per Mail bestätigt.

Christian Haller informierte die Stadtbehörde umgehend. Wie der stellvertretende Stadtschreiber Marco Waser erklärt, hat nach der Benachrichtigung Hallers die Fachkommission für Stadtgestaltung einen Augenschein vorgenommen. Anschliessend bewilligten Stadt und Kanton in einem Eilverfahren Sofortmassnahmen: Die Abbruchstelle wurde mit Spritzbeton gesichert.

Rheinpegel stieg nach Kraftwerkbau

Was tut sich im Laufenburger Felsengestein? Besteht die Gefahr, dass noch mehr passiert, und wer muss für mögliche Kosten aufkommen? Fragen, auf die nicht nur Schriftsteller Christian Haller, sondern auch der Laufenburger Stadtrat Antworten will. Und weil die Behörden der Meinung sind, dass das, was sich da im Untergrund von Laufenburg eventuell bewegt und unter Umständen eine grosse Kostenfolge mit sich führt, nicht einfach Sache der Stadt sein kann, sollen mehrere Leute von verschiedener Seite her an einen runden Tisch gebracht werden.

«Ein solcher ist mit der Energiedienst Holding AG, der Abteilung Landschaft und Gewässer, der Denkmalpflege, der Aargauischen Gebäudeversicherung, der Bauverwaltung sowie des Stadtrates geplant», nennt Marco Waser die Teilnehmer.

Dass auch die Betreiber des Laufenburger Kraftwerkes, die Energiedienst Holding AG, eingeladen ist, hat seinen guten Grund. Vor etwas mehr als 100 Jahren wurde für den Kraftwerkbau an einer der engsten Stellen im Rhein der Felsen – der Laufen – gesprengt. Dadurch und durch das Kraftwerkstauwehr stieg der Pegel des Rheins. Stand Christian Hallers Haus vor der Felsensprengung zirka 14 Meter über der Wasseroberfläche, so reduzierte sich dieser Abstand mit der Aufschüttung um rund 10 Meter.

Wie Patrick Rötheli von der Abteilung Landschaft und Gewässer im kantonalen Baudepartement erklärt, gab es bei der Erteilung der ersten Konzession 1905 Auflagen für möglicherweise durch die Sprengung auftretende Schäden. Mit der Erneuerung der Konzession in den 80er-Jahren wurde dieser Passus entfernt. Am nun geplanten runden Tisch wird auch das Bestandteil der Gespräche sein.

Hauseigentümer müssen abwarten

Und die Grundeigentümer? Neben Christian Haller möchten natürlich auch die Besitzer der angebauten Liegenschaften mehr über die Beschaffenheit und mögliche lauernde Gefahren ihres Baugrundes erfahren. Die Eigentümer seien über das weitere Vorgehen beziehungsweise die geplante Startsitzung informiert worden, so Marco Waser und er weist darauf hin, dass die tangierten Grundeigentümer zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls zu einer Besprechung eingeladen werden. «Die Ausführungsmassnahmen wie zum Beispiel Tauchgänge sind noch nicht bekannt und können erst nach der Eruierung des Zustandes erfolgen», so Marco Waser.