Ein Zeckenstich: Notfall! Die Fäden ziehen nach einer Operation: Notfall! Leichte Grippesymptome: Notfall! Von einer Biene gestochen worden: Notfall! Den Fuss verstaucht: Notfall!

Das Aufsuchen der Notfallstationen der beiden Spitäler Rheinfelden und Laufenburg durch die Bevölkerung in Bagatellfällen ist ein Phänomen. Es nimmt von Jahr zu Jahr zu und ist landesweit zu beobachten. So stellte der Krankenkassenverband Santésuisse fest, dass die ambulanten Notfälle in Spitälern zwischen 2007 und 2014 um 43 Prozent zugenommen haben, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.

«Notfälle» eher bei jungen Leuten

Dass eher junge Leute zunehmend die Notfallabteilung in den Spitälern in Anspruch nehmen, ist laut Rolf Prions, Leiter Qualitätsmanagement des Gesundheitszentrums Fricktal, eine Tatsache. «Mit einem Medizincontrolling vor dem Eintritt in den Notfall liesse sich das Phänomen aus unserer Sicht besser steuern. Das heisst, es müsste den Notfallstationen quasi eine Hausarztpraxis vorgelagert werden», sagte Prions. «Nur lässt sich eine solche aus Platzgründen weder in Rheinfelden noch in Laufenburg einrichten.»

Ein Spital sei verpflichtet, Notfallpatienten aufzunehmen, erwähnte Rold Prions. «Wir weisen niemanden ab, das steht fest. Nur muss jemand, der sich im Spital als Notfall meldet, unter Umständen längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Dann nämlich, wenn sich die Verletzung der Person als Bagatelle erweist und zur selben Zeit echte Notfälle eingeliefert werden.»

Wie die Erfahrung der letzten paar Jahre gezeigt habe, lasse sich dadurch kaum jemand abhalten, den Spital-Notfall aufzusuchen. Nach Angaben von Rolf Prions finden sich die Bagatellfälle im Spital Rheinfelden meistens zwischen 17 und 22 Uhr ein, also eher am Abend. Aus der ländlichen Gegend wird hingegen das Spital Laufenburg auch tagsüber aufgesucht.

«Wir arbeiten eng mit den Hausärzten zusammen, damit wir die Patientenströme kanalisieren können. Zusätzlich beraten wir vom Gesundheitszentrum aus die Patienten», führte Prions weiter aus. Er schilderte die eingangs aufgeführten «Notfälle» – vom Insektenstich bis zum verstauchten Fuss, die an beiden Fricktaler Spitälern immer wieder vorkommen, aber nicht in jedem Fall als Notfälle eingestuft werden können. «Zur Weiterbehandlung verweisen wir diese Patienten ausnahmslos an ihren Hausarzt», so Rolf Prions.

«Bei echten Notfällen nicht zögern»

Was aber, wenn jemand wirklich in Not gerät? «Bei echten Notfällen darf nicht gezögert werden. Zum Beispiel bei Herzproblemen, plötzlich auftretenden Blutungen, die nicht zu stoppen sind sowie bei einer ganzen Reihe weiterer Indikationen. Das sind dann keine Grenzfälle, da muss jemand ab in den Notfall», stellte Rolf Prions fest. Gerechtfertigt ist der Gang in den Notfall etwa bei einer schweren Magen-Darm-Erkrankung, wenn ein grosser Flüssigkeitsverlust vorliegt: «Da besteht die Gefahr des Austrocknens.»

Angepasster Personalbedarf

Echte Notfälle oder eher Grenzfälle: Personalintensiv ist der Betrieb der Notfallstationen so oder so. Dazu der Leiter Qualitätsmanagement des Gesundheitszentrums Fricktal, Rolf Prions: «Wir können den Notfall nicht entlasten, weil wir niemanden abweisen. Das ist das eine. Deshalb haben wir an beiden Standorten eine Leistungserfassung und einen angepassten Personalbedarf.» Das heisst, durch einen Mitarbeiterpool (Angestellte auf Pikett) können Notsituationen abgedeckt werden.