Einzonung
«Im oberen Fricktal wären Zuzüger willkommen»

Der Bauer Hans Delz aus Möhlin wehrt sich mit der Gruppe Pro Kulturland gegen die geplante Einzonung von Ackerland.

Marco Wölfli
Merken
Drucken
Teilen

Hans Delz fährt mit seinen Fingern über die bunte Karte von Möhlin. Auf der Karte des Dorfes symbolisieren die Farben die verschiedenen Zonen. Das Kulturland ist weiss. Delz zeigt, wo der Gemeinderat überall Einzonungen vornehmen will. Wo überall die weissen Stellen den farbigen Bauzonen weichen sollen. Insgesamt sind es zwölf Hektaren Fruchtfolgeflächen.

Vereinte Bauern wehren sich

Gegen diese Einzonung kämpft Hans Delz mit der Gruppe Pro Kulturland. Von den 36 Bauernbetrieben in Möhlin seien fast alle dabei, sagt Delz. Der 60-jährige Bauer vom Rüchihof bewirtschaftet 40 Hektaren Land mit seinem Sohn Reto. Hans Delz will sich nicht als Sprecher oder gar Leiter von Pro Kulturland verstehen. Eigentlich will Delz überhaupt nicht im Vordergrund stehen. Dennoch tut er es. «Ich bin überzeugter Bauer mit einem Betrieb, der Zukunft hat, und ich wehre mich gegen jegliche Betonierung von Kulturland.» Delz befürchtet, dass bei einer Überbauung des Gebiets «Breiti» sein Rüchihof und der Nachbarbetrieb Mattenhof gefährdet wären: «Unsere Standorte wären gefährdet, weil unser Land als Naherholungsraum übernutzt würde, was zu Konflikten mit der Bevölkerung führte.»

Heute in einer Woche findet die Gemeindeversammlung statt, an welcher die Stimmbürger von Möhlin über die geplanten Einzonungen entscheiden. In den letzten Wochen tobte ein heftiger Abstimmungskampf. Pro Kulturland setzte auf farbige Plakate mit dem einprägsamen Slogan «Heb Sorg zum Kulturland». Die roten Schilder haben während der letzten Wochen über Möhlin hinaus Bekanntheit erlangt. «Wir müssen mit auffälligen Plakaten punkten, denn wir können nicht wie der Gemeindeammann an jedem Anlass Werbung machen», sagt Hans Delz. Die Einzonung ist das vorrangige Projekt des Gemeinderates mit Gemeindeammann Fredy Böni (SVP) an der Spitze. Wenn es um die kommende Abstimmung geht, stehen Hans Delz und Fredy Böni in verschiedenen Lagern. Doch das war nicht immer so. «Ich habe Böni gewählt, und bin heute enttäuscht von ihm», sagt SVP-Mitglied Delz.

Auch wenn die Einzonung nur einen kleinen Teil des Kulturlandes betrifft, ist für Delz der Moment gekommen Stopp zu sagen: «Wir werden von allen Seiten bedrängt. Die Gemeinde Möhlin hat bereits weitere Projekte in der Schublade.» Für den Landwirt ist es nicht zwingend, dass Möhlin wächst. Seiner Meinung nach kann man die Nachfrage über das Angebot steuern. «Im oberen Fricktal haben viele Gemeinden Bauland und Zuzüger wären willkommen», meint Delz.

Kein Optimismus bei Delz

Der anstehenden Gemeindeversammlung blickt Delz skeptisch entgegen. Obwohl er viel Zuspruch für seine Meinung erhält, will er keine Prognose wagen: «An der Gemeindeversammlung hat der Gemeinderat immer das letzte Wort und deshalb einen Vorteil.»

Doch was wäre, wenn er sein Ziel erreicht und die Einzonung verworfen wird? Hans Delz meint überzeugt: «2020 hätte Möhlin trotzdem 12000 Einwohner und zudem noch eine intakte Landwirtschaft.» Nächsten Mittwoch werden viele Gemeinden gespannt nach Möhlin blicken. Das Resultat könnte für deren Raumplanungsprojekte richtungsweisend sein. Doch wie die Abstimmung auch immer ausgeht, eines weiss Hans Delz bereits: «Ich werde mich auch in Zukunft für die Anliegen der Landwirtschaft einsetzen.»