Fricktal
Im Nebenberuf Glücksbringer: Kaminfeger haben viel zu tun

Glück können wir alle gebrauchen, da verlangt man unbescheiden schon mal ein Quäntchen mehr. Für die Kaminfeger gibt es zum Jahresende viel zu tun.

Patricia Streib
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Strahlende Glücksbringer (v.l.): Paul Herzog, Tamara Süess und Roger Winter. pst

Strahlende Glücksbringer (v.l.): Paul Herzog, Tamara Süess und Roger Winter. pst

Ob es nützt, zu diesem Zwecke die lieben, schwarz gekleideten Männer und Frauen mit dem schmucken Zylinder anzufassen oder gar kurz zu drücken, weiss Paul Herzog, Kaminfegermeister und Brandschutzbeauftragter (er betreut 9 Gemeinden) aus Frick.

Auch ein Kaminfeger hat ein Natel, das braucht er, besonders, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, hagelt es buchstäblich Anfragen und Aufträgen von allen Seiten. Da soll noch unbedingt ein Service gemacht, dort ein Kamin gerusst werden. In Bezug auf Letzteres bietet sich die Gelegenheit, ein Vorurteil aus dem Weg zu räumen, nämlich, dass der Kaminfeger oder die Kaminfegerin schmutzig sei oder eine schmutzige Arbeit verrichte, denn die schwarze Farbe ist kein Dreck, sondern Russ.

Im Nebenjob «nur»noch Glücksbringer

Früher haftete dem Kaminfeger das Symbol des strafenden bösen Mannes an, doch glücklicherweise gibt es diese Metapher nicht mehr und der fleissige Handwerker ist im Nebenjob «nur» noch Glücksbringer.

Auf die Frage, ob sich bei den zahlreichen Anrufen auch schon mal eine Anfrage eines Glückssuchenden befände, sei es für ein Foto oder für eine Hochzeit, antwortet Paul Herzog gut gelaunt: «natürlich ist Bedeutung des Glücksboten zwar nicht wie beim negativen Beispiel des angsteinflössenden schwarzen Mannes gänzlich verschwunden, jedoch stark zurückgegangen. Dennoch sind wir immer wieder gerne bereit, in voller Montur, das heisst mit Leiter, Hut und allem, was dazugehört, Spalier zu stehen und eine gute Zukunft zu verheissen. Selbstverständlich lassen sie sich auch mal anfassen oder kurz «knuddeln», wenn dies gewünscht wird.

Zur Beantwortung der Frage, woher die Verbindung seiner Berufsgattung mit Wohlstand oder Fortuna herrühre, blättert der sympathische Geschäftseigentümer gedanklich weit in den Geschichtsbüchern zurück bis zu einer Zeit, als die Kaminfeger die Menschen häufig vor Bränden und den Folgen verstopfter Schornsteine beschützten und somit vor Unglück bewahrten.

Mangel an Berufsnachwuchs

Wie seine Berufskollegen durchlief auch Paul Herzog die dreijährige Ausbildung und lernte sämtliche Sparten die da sind Reinigung inklusive «schwarze Feuerschau», das heisst, das Erkennen und Rapportieren von Mängeln, Öl-, Gas- und Holz-Feuerungskontrollen von der Pike und absolvierte mehrere Weiterbildungen. Ganz besonders fasziniert ihn die Abwechslung in seiner Tätigkeit, den Kontakt mit Menschen verschiedener Herkunft und aller Altersklassen. «Kein Tag ist wie der andere und jeder Auftrag und jede Arbeit unterscheidet sich von der vorangegangen», schwärmt er.

Einziger Wermutstropfen sei der grosse Mangel an Nachwuchs, aber vielleicht bringt ja die Zukunft hierfür etwas Glück.

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