Kurze Sätze. Einfache Wörter. Kein Genitiv. Die Stadt Zürich will künftig möglichst viele ihrer Informationen in sogenannter leichter Sprache veröffentlichen, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Diese Sprache wurde ursprünglich für Menschen mit Lernschwierigkeiten und mässigen Deutschkenntnissen entwickelt und soll in Zürich dazu beitragen, dass es keine kryptischen Verwaltungstexte mehr gibt. Welch ein Segen.

Die az hat bei fünf Fricktaler Gemeinden nachgefragt, wie sie es mit der Sprache in Publikationen und Botschaften halten. Die «leichte Sprache» ist in den Gemeinden bislang kein Thema. Die Sprache allerdings schon.

«Wir achten bei der Formulierung von Texten für die Öffentlichkeit auf eine verständliche Sprache, indem wir zum Beispiel lange Sätze mit vielen Einschüben und Nebensätzen vermeiden», sagt der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin.

«Kurze Sätze ohne Fremdwörter» ist ein Mittel, auf das Rolf Dunkel, Gemeindeschreiber in Magden, beim Erstellen von Texten setzt. Sein Mettauertaler Schreiberkollege Florian Wunderlin hat einen ganzen Rezeptschrank auf Lager: «Einheitliche Gliederung, verständliche Sprache, kurze Sätze, wenig Fremdwörter, keine Floskeln, freundlicher Umgangston, keine Beamtensprache.» Oder wie es Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick, süffisant formuliert: Er achte darauf, Formulierungen zu vermeiden, «bei denen der Amtsschimmel wiehert».

Das Verwenden von Bildern und Vergleichen gilt in der leichten Sprache ebenfalls als probates Mittel zum besseren Verständnis. Darauf setzen auch die Gemeinden. «Bei unseren Mitteilungen versuchen wir immer, eine verständliche Form der Sprache zu finden und wo möglich diese auch mit Illustrationen zu versehen», sagt der ehemalige Möhliner Gemeindeschreiber Dieter Vossen, der die Fragen für den erkrankten Marius Fricker beantwortet.

Auch Wunderlin arbeitet, wo es Sinn macht, mit Beispielen. Er warnt aber gleichzeitig: «Auch bei Beispielen kann es Missverständnisse geben.» Überzeugt ist er, dass man auch komplexe Sachverhalte – etwa juristische Darlegungen – verständlich schreiben kann.

Widmer stimmt dem zu, kennt aber Fälle, in denen es schwierig ist, den Text so zu verfassen, dass er den juristischen Anforderungen an die Begründungspflicht genügt und zugleich für einen Laien verständlich ist.

Als Beispiel nennt er das Umweltrecht. Sein Tipp: Den Sachverhalt mündlich erklären, weil hier Rückfragen direkt möglich sind.

Bei den Texten setzen die Gemeinden auf das Vier-Augen-Prinzip. Texte, die nach aussen gehen, «werden immer mindestens von einer Person gegengelesen», sagt Widmer. Zudem bieten die Gemeinden Weiterbildungen an. Mettauertal etwa führte im letzten Jahr eine interne Schulung zum Thema «Moderne Korrespondenz» durch.

Auf ein Wort

Trotz aller Bemühungen: Die Verständlichkeit «gelingt nicht immer gleich gut», räumt Erdin ein. Zu einer Gemeindeversammlungs-Botschaft bekam er die Rückmeldung, der Text zu einem bestimmten Geschäft sei zu anspruchsvoll geschrieben. Bei Widmer meldete sich auch schon ein Einwohner, weil er ein Wort nicht verstand.

Bei allem Hang zur Klarheit hat die Einfachheit für Widmer auch ihre Grenzen: «Ich würde es schade finden, wenn die Texte deswegen wie in einem Anfänger-Lesebuch daher kommen würden. Sprachliche Finesse, leise Zwischentöne und gut platzierte Botschaften zwischen den Zeilen gehören doch unbedingt zu einer guten Kommunikation.»