Möhlin
Im Kampf gegen den Schuldenberg kommt das «Pièce de Résistance» dran

In der Gemeinde stehen grosse Investitionen an. Der Gemeinderat möchte daher sparen – auch beim Personal.

Nadine Böni
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Das Areal Rüttenen soll an einen Investor verkauft werden, der eine Überbauung erstellt (hier eine Visualisierung). Das brächte der Gemeinde über sieben Millionen.

Das Areal Rüttenen soll an einen Investor verkauft werden, der eine Überbauung erstellt (hier eine Visualisierung). Das brächte der Gemeinde über sieben Millionen.

zvg

Das Traktandum 4 sei wohl das «Pièce de Résistance» an der kommenden Gemeindeversammlung, schätzt der Möhliner Gemeinderat Markus Fäs. Es geht um den Verkauf des Areals Rüttenen, dem ehemaligen Fussballplatz Riburg.

Der Gemeinderat plant, den östlichen Teil des Areals – rund 3000 Quadratmeter – in eine Erholungsanlage umzugestalten. Der Bachlauf soll renaturiert werden. Die 7000 Quadratmeter Bauland im westlichen Teil des ehemaligen Sportplatzes hingegen möchte der Gemeinderat für eine Wohnüberbauung an einen Investor verkaufen.

In einem Investorenwettbewerb hat er das Projekt «Garten-Quartierpark-Bachraum» ausgewählt. Einerseits aufgrund des «hohen gestalterischen Werts», aber «nicht zuletzt auch wegen des finanziellen Aspekts», so Fäs an der Medienkonferenz zur Gemeindeversammlung.

Das Angebot des Investors liegt bei 1050 Franken pro Quadratmeter, was einen Gesamtpreis von fast 7,5 Millionen Franken ergibt. Damit liegt das Angebot über eine Million höher als die anderen Angebote. «Wir können es uns nicht leisten, auf dieses Geld zu verzichten», betonte Fäs.

Sparen beim Personal

Schliesslich stehen der Gemeinde grosse Investitionen bevor. Im Herbst gab Möhlin bekannt, beim Schulhaus Steinli einen Neubau zu planen. Ausserdem sollen die bestehenden Schulhäuser im Fuchsrain saniert werden. Gesamtkosten: 27 Millionen Franken.

Rund die Hälfte möchte der Gemeinderat über Landverkäufe finanzieren. Das Areal Rüttenen und das Gebiet Leigrube sollen insgesamt rund 14,5 Millionen Franken in die Kassen spülen – wobei sich im Dorf gegen beide Projekte Widerstand regt. Etwa durch das Komitee «Zukunft Möhlin» oder die IG Leigrube (die az berichtete).

Die Einnahmen seien aber «wichtig, um den Schuldenberg in Grenzen zu halten», sagte Gemeinderat Lukas Fässler. Ein Blick ins Budget zeigt: Möhlin muss den Gürtel enger schnallen. Die Nettoschulden betragen Ende 2017 voraussichtlich über 32 Millionen Franken – sollen aber keinesfalls noch weiter steigen.

Sparen will der Gemeinderat unter anderem bei den Personalkosten. Geplant ist eine ebenfalls traktandierte Ergänzung im Personalreglement: So soll der bis anhin automatische jährliche Lohnstufenanstieg gestrichen werden; sicher für das Jahr 2017, danach nach Ermessen des Gemeinderats.

80 000 Franken könnten so jährlich eingespart werden, rechnete Gemeindeammann Fredy Böni vor. Mit der Anpassung des Personalreglements verbunden ist auch eine Änderung des Reglements über die Entschädigung des Gemeinderates selber: Dessen Mitglieder sollen nur eine Lohnerhöhung erhalten, wenn es für die Angestellten einen Stufenanstieg gibt.

Steuern werden indirekt erhöht

Aber nicht nur Personal und Gemeinderat könnten den Sparkurs der Gemeinde bald im Portemonnaie spüren. Fässler liess durchblicken, dass auch die Steuerzahler betroffen sein werden. Mit dem Finanz- und Lastenausgleich steigt die Kantonssteuer 2018 voraussichtlich um drei Prozentpunkte. Eine Erhöhung, die die Gemeinde nicht mit einer Steuersenkung ausgleichen werde, so Fässler.

Der Steuerfuss soll stattdessen unverändert bei 115 Prozent bleiben. «So wäre ab 2021 wieder mit einer Nettoschuld pro Einwohner zu rechnen, die unter 2500 Franken liegt und damit für eine Gemeinde als tragbar eingestuft wird», erklärte Fässler.

Gemeindeversammlung: Donnerstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Fuchsrain