Kaiseraugst
Im Kaiseraugster Wurmisweg ist doch nicht der Wurm drin

Die vom Gemeinderat Kaiseraugst beantragte Vereinbarung über Landgeschäfte mit der F. Hoffmann-La Roche AG (Roche) wurde von den Stimmberechtigten deutlich mit 139 zu 36 Stimmen gutgeheissen. Unter anderem geht es um die Abtretung des Wurmisweges.

Walter Christen
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Im Kaiseraugster Wurmisweg ist doch nicht der Wurm drin
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Vorne die Familiengärten und hinten das Betriebsarel
Nur für Land- und Forstwirtschaft gestattet ist das Befahren des Lienerthaldenweges
Den Parkplatz am Waldrand erreicht man über den Wurmisweg

Im Kaiseraugster Wurmisweg ist doch nicht der Wurm drin

Walter Christen

An der Kaiseraugster Gemeindeversammlung - es nahmen 215 der 3250 Stimmberechtigten daran teil - ging es um die Grundsatzvereinbarung, den Abtretungsvertrag Wurmisweg (der mitten durch das Areal der Roche führt) sowie um die Vorstudie für den Ausbau des Sagerwegs und die Ermächtigung an den Gemeinderat, die Grundsatzvereinbarung und den Abtretungsvertrag abzuschliessen.

Schliesslich spielen verschiedene Punkte in das komplexe Thema hinein: Umzonung des Westareals, Erschliessung Neubau eines Parkhauses am Wurmisweg, Vorstudie Sagerweg, Sportplatzkonzept, Pachtverträge Familiengärten, Bau einer neuen Brücke über die Autobahn, Waldzufahrt, Grünraumstrategie und Ökologie.

Bevor Gemeindepräsident Max Heller die Abstimmung durchführen konnte, meldeten sich zahlreiche Stimmberechtigte zu Wort: „Die ganze Sache ist kein Gewinn für die Gemeinde Kaiseraugst, aber für die Roche", lautete eine Meinung. Der Sprecher der CVP Kaiseraugst verkündete, dass der Vorlage an einer Sitzung mehrheitlich zugestimmt wurde. „Wenn der Wurmisweg zugemacht wird und zum internen Werksgelände gehört, haben wir Anwohner nichts mehr, keinen Ersatz. Immerhin ist das ein schöner Spazierweg mit schattenspendenden Bäumen", führte eine Votantin aus. Bruno Aebi, Präsident des FC Kaiseraugst, betonte: „Die Sportanlage ist jetzt schon zu klein und überbelastet. Ich finde, das Projekt ist eine gute Sache für beide Seiten."

Irma Senn, seit 17 Jahren Präsidentin des Familiengartenvereins, doppelte nach: „Es wurde fair verhandelt und wir haben eine Winwin-Situation. Wir bekommen wieder eine vollwertige Brücke und der Spazierweg dem Waldrand entlang bleibt auch erhalten. Wir sind um unsere Gartenanlage sehr froh, wo gegenwärtig 84 Familien eine Parzelle bewirtschaften."

Er höre das erste Mal davon, dass der Motorfahrzeugverkehr über die neue Brücke zugelassen werden soll, meinte ein Versammlungsteilnehmer. „Warum kommt die Roche nach 40 Jahren plötzlich auf die Idee, sie müsse den Wurmisweg haben? Ich beantrage Rückweisung dieses Geschäfts. Es muss neu verhandelt werden, aber unter Ausklammerung des Wurmisweges."

Die ehemalige Aargauer Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer wohnt seit Jahren in Kaiseraugst und nimmt rege Anteil am gemeindepolitischen Leben. Sie hielt fest: „Was wir jetzt vorliegen haben, ist die Fortsetzung der Politik der vergangenen 40 Jahre im Umgang mit der Roche. Die Vorlage ist gut. Im Sinne einer positiven Entscheidung für das Dorf sollte dem Projekt zugestimmt werden."

Auch Jean Frey, Präsident der SVP Kaiseraugst, würdigte die Vorlage, der ohne Wenn und Aber zuzustimmen sei. Dagegen zeigte sich Markus Zumbach, der Präsident der Sozialdemokratischen Partei Kaiseraugst, „ziemlich hin- und hergerissen", wie er ausführte. Die Grundidee der grünen Lunge akzeptiere die Partei. Ein Vorkaufsrecht hätte die SP gerne noch gehabt, aber die Roche sei nicht darauf eingetreten. Die SP habe Stimmfreigabe beschlossen, so der Präsident.

Gemeindepräsident Max Heller hielt fest, dass die Gemeinde mit der Roche noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Das Unternehmen sei seit rund 40 Jahren in und heute ein Teil von Kaiseraugst. In all den Jahren sei Roche immer ein verlässlicher Partner gewesen. Der Gemeindepräsident nahm schliesslich mit grosser Genugtuung vom deutlichen Abstimmungsresultat (139 Ja gegenüber 36 Nein) Kenntnis.

Der Kaiseraugster Souverän hiess an der Gemeindeversammlung nebst der Grundsatzvereinbarung mit der Roche auch sämtliche weiteren Vorlagen gut. So unter anderen die Rechnung und den Rechenschaftsbericht 2011, die Teilrevision des Kulturlandplanes und die Sanierung der Landstrasse Gstaltenrain mit den dafür erforderlichen Krediten.