382 Wildtiere wurden im Jahr 2017 bei Unfällen auf Strassen im Fricktal getötet. Knapp 2500 waren es im ganzen Kanton. Zu welcher Jahreszeit sich die meisten Wildtierunfälle ereignen, lasse sich in der Statistik nicht ablesen, sagt Reto Fischer von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. Grundsätzlich sei es aber so, dass in der Dämmerung viele Wildtiere unterwegs seien, «was auch die Unfallgefahr erhöht, wenn die Zeit der Dunkelheit länger ist und die Dämmerung zusätzlich in die Hauptverkehrszeit fällt». Dies ist – nicht zuletzt nach der Zeitumstellung am vergangenen Wochenende – derzeit der Fall. Und so sagt auch Werner Rüegg, Jagdaufseher im Revier Rheinfelden-Süd, dass der Herbst mit der frühen Dämmerung eine der Hauptunfallsaisons sei. Die zweite sei im Frühling, «wenn sich Alt- und Jungtiere trennen».

Viele Unfälle am Kaistenberg

Rüegg weiss, wovon er spricht. Das Jagdrevier Rheinfelden-Süd gehört zu den Revieren im unteren Fricktal mit den meisten Wildunfällen. Seit dem Jahr 2000 wurden dort 288 Tiere getötet. Letztes Jahr waren es 14. Am meisten Unfälle ereignen sich laut Rüegg auf der Strasse zwischen Rheinfelden und Magden. Gründe für die zahlreichen Unfälle sieht er zwei. Einerseits reiche der Wald bis fast an die Strasse heran und andererseits seien viele Automobilisten zu schnell unterwegs. «Es gibt Lenker, die nicht einmal den Fuss vom Gas nehmen, wenn wir nachts mit Warnwesten und Taschenlampen überfahrene Tiere bergen.» Früher sei auch zwischen Möhlin und Rheinfelden ein Hotspot gewesen, so Rüegg weiter. Dies habe sich aber in letzter Zeit gebessert.

Im oberen Fricktal führt das Jagdrevier Wölflinswil die Wildunfall-Statistik mit 22 getöteten Tieren im Jahr 2017 an. «Am meisten passiert zwischen Wölflinswil und Wittnau», sagt Jagdaufseher Hansjörg Treier. Auch hier führt die Strasse nahe am Wald vorbei. «Auch der Bach ist in der Nähe und es ist ein bekannter Wildwechsel», so Treier. Neben dem Herbst sei das Unfallrisiko auch kurz vor und während der Rehbrunftzeit – also von Juni bis August – erhöht.

Auch die Kaistenbergstrasse im Revier Frick gehört zu den Hotspots für Wildunfälle. «Die meisten von ihnen in der Dämmerung», wie Jagdaufseher Urs Vogt sagt. Dass «sein» Revier zu den Revieren mit den höchsten Fallwildzahlen zählt, überrascht Vogt jedoch. Tatsächlich sind die 20 toten Tiere die höchste Zahl seit dem Jahr 2000. Neben dem Verkehrsaufkommen und einem guten Wildbestand könnte auch das Futterangebot zu dieser Zahl geführt haben, so Vogt. «Mehrere Dachse wurden im Sommer überfahren, als sie auf dem Weg in die Rebberge waren.»

Wildwarnanlage funktioniert

Im Jagdrevier Eiken-Nord wurden wie in Frick 20 Tiere bei Kollisionen getötet. Hier ist die Zahl allerdings die dritttiefste in den vergangenen 17 Jahren. Gab es früher viele Wildtierunfälle im Hardwald zwischen Sisseln und Laufenburg, hat die Wildwarnanlage, die dort 2012 installiert wurde, für einen deutlichen Rückgang der Unfälle gesorgt. «Seit der Inbetriebnahme gab es auf diesem Abschnitt nur noch zwei Wildunfälle», sagt Jagdaufseher Kurt Moesch. Dass das Revier dennoch weiterhin zu den Spitzenreitern in der Fallwild-Statistik zählt, liegt an einem zweiten neuralgischen Punkt. Zwischen der Autobahnausfahrt Eiken und dem Hardwald-Kreisel gebe es viele Wildunfälle, so Moesch. «Speziell auf der Höhe des alten Fussballplatzes vor der Einfahrt in den Wald.»

Gesamtkantonal sei bezüglich der Fallwildzahlen keine Tendenz erkennbar, sagt Reto Fischer. «Seit dem Jahr 2000 gab es stets zwischen 2100 und 2700 Wildunfälle.» Auch ein Blick auf die beiden Fricktaler Bezirke zeigt schwankende Zahlen. Im Bezirk Laufenburg liegen sie seit 2010 zwischen 216 und 278 getöteten Tieren, im Bezirk Rheinfelden zwischen 107 und 165.