Der Schlagbohrer dröhnt. Die Hydraulik des Wagenhebers quietscht. Der Kompressor baut Druck im Gummischlauch auf. «Peng» – ein Knall hallt durch die Garage und kündigt den strammen Sitz des Reifens auf der Felge an.

Thomas Schweizer (54), Inhaber der Auto Pneu Schweizer AG in Oeschgen und schon 32 Jahre im Reifengeschäft tätig, kennt diese Geräuschkomposition nur zu gut: «Schwerhörig bin ich noch nicht», sagt er mit spitzbübischem Grinsen und vergleicht: «Das ist wie an einer Bahnlinie zu wohnen: Irgendwann blendet man den Krach aus.» Dennoch spitzt er unbewusst seine Ohren, sobald der Lehrling die Muttern des Rades mit einem Drehmomentschlüssel anzieht. «Weniger als 20 Mal darf es nicht klackern. Wir wollen ja nicht, dass der Kunde während der Fahrt von seinem Rad überholt wird», sagt er.

Kurz vor Ostern geht es los

Noch müssen Schweizer und sein Team keine Überstunden schieben, doch der Reifen-Experte weiss: Der Run wird kommen. Bald. «Meistens geht bei uns eine Woche vor Ostern so richtig die Post ab», sagt er. Dann werden pro Tag in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen rund 40 Autos bereift.

Verzögerungen müssen vermieden werden, um die Geduld der Kunden nicht zu strapazieren: «In der Spitzenzeit herrscht eine gewaltiger Druck, die täglichen Terminvorgaben einzuhalten», sagt Schweizer. Dazu braucht es vor allem ein eingespieltes und flinkes Team: «Mit einem Formel-1-Boxenstopp können wir zwar nicht mithalten, läuft es jedoch gut, dann wechseln wir einen Pneusatz in rund zehn Minuten», sagt er. Neben Schnelligkeit benötigt Schweizer auch zuweilen eine gehörige Portion Gelassenheit. Vor allem dann, wenn vor und nach Ostern das Telefon aufgrund von Terminanfragen glüht: «Manche Kunden reagieren am Telefon genervt, wenn sie nicht gleich am nächsten Tag einen Termin bekommen», sagt er.

Ein Opel Torpedo, Baujahr 1912

Beschweren will sich Schweizer über seine gute Auftragslage nicht. Er ist froh über seinen grossen Kundenstamm. «Dass die Fricktaler zum Pneuwechsel über die Grenze fahren, merken wir bei uns nicht», sagt Schweizer und schiebt nach: «Was wir ein wenig spüren, ist der Reifenhandel über das Internet. Dort können die Anbieter aufgrund der eingekauften Mengen mit ganz anderen Margen rechnen.»

Auch nach 32 Jahren im Reifengeschäft hat sich bei Schweizer noch keine Langeweile eingeschlichen: «Klar, jeder Reifen ist schwarz, rund und riecht nach Gummi. Doch nicht jeder Reifenwechsel ist gleich», betont Schweizer, als er zufrieden auf die vier 305 Millimeter breiten Reifen eines Porsches schaut, die gerade auf die Felgen gezogen wurden. «Ein solches Rad kostet 900 Franken», sagt er.

An seinen aussergewöhnlichsten Reifenwechsel – an einem Opel Torpedo, Baujahr 1912 – erinnert sich Thomas Schweizer noch gut: «Der Wagen hatte Holzspeichen, die in einem Metallrahmen gefasst waren. Die Reifen für den Oldtimer waren kaum zu bekommen und glichen denen eines Velos. So einer hat 1700 Franken gekostet», erzählt er.

Was Schweizer häufiger sieht, sind Autos mit verkratzten Felgen: «Wenn der Mann mit dem Auto ankommt, dann war es seine Frau, und wenn die Frau zu mir fährt, dann war es ihr Mann», erzählt er amüsiert. Niemand will es gewesen sein.