Sterbehilfe

Im Fricktal dürfen Menschen in Heimen sterben, aber nur freiwillig

Der Basler Grosse Rat fordert, dass Sterbehilfeorganisationen wie Exit freien Zugang zu öffentlich unterstützten Spitälern, Alters- und Pflegeheimen erhalten. (Symbolbild)

Der Basler Grosse Rat fordert, dass Sterbehilfeorganisationen wie Exit freien Zugang zu öffentlich unterstützten Spitälern, Alters- und Pflegeheimen erhalten. (Symbolbild)

Im Kanton Basel-Stadt will das Parlament, Heime wie Spitäler den begleiteten Suizid in ihren Räumlichkeiten tolerieren. Im Aargau gibts dazu keine Regelung. Fricktaler Institutionen stehen der Sterbehilfe skeptisch gegenüber.

Andre Rotzetter, Geschäftsleiter vom Verein für Altersbetreuung im Oberen Fricktal: «Die Durchführung vom begleiteten Suizid ist bei uns nicht erlaubt. Wir verfolgen ein Palliativkonzept, bei dem wir die Schmerzen des Bewohners lindern und den Heilungsprozess auf Wunsch zum Beispiel bei einem Infekt stoppen.» So wird es auch im Alters- und Pflegeheim Lindenstrasse in Rheinfelden gehandhabt. Heimleiterin Monika Gebhardt: «Dank palliativer Pflege und genügend Schmerzmitteln kann die Angst vor dem Sterben etwas genommen werden. Hätte jemand das Anliegen eines begleiteten Suizides, würden wir Gespräche mit den Bewohnern und Angehörigen führen und schauen, wie wir diesem Wunsch entsprechen könnten.» Raphaela Bootz, Heimleiterin im Alters- und Pflegeheim Rinau in Kaiseraugst, sagt: «Wir fassen unseren Auftrag so auf, dass wir bis zum natürlichen Tod begleiten. Dieses Konzept muss natürlich immer wieder überdacht werden.»

Im Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach in Möhlin ist es möglich, im Heim in den Suizid begleitet zu werden. Zentrumsleiterin Judith Dominguez erklärt: «Es ist jedem freigestellt, mit einer solchen Organisation zu sterben. Die Leute sind ja hier zu Hause und sollten in einer Institution die gleichen Rechte haben, wie anderswo.» Dennoch komme es nur sehr selten vor, dass ein Heimbewohner Sterbehilfe in Anspruch nimmt. «Die Leute werden sukzessive älter, das ist nicht das Gleiche wie ein akutes Leiden», so Judith Dominguez. Grundsätzlich ergibt die stichprobenartige Umfrage bei Alters- und Pflegeheimen, dass kaum nach Sterbehilfe gefragt wird. Andre Rotzetter ist der Überzeugung: «Wenn sich die Frage stellt, dann vor dem Eintritt ins Pflegeheim.»

Bei anderen Heimbewohnern könnte das freiwillige Sterben Ängste schüren. Raphaela Bootz sagt: «Das Thema Sterben ist wichtig und man muss damit umgehen. In den Vordergrund wollen wir aber auch im Heim das Leben stellen. Die Leute sollen nicht denken, dass sie zum Sterben herkommen. Es wäre ein Problem, wenn das Altersheim zum Sterbehaus würde.» Auch um das Pflegepersonal macht man sich Sorgen.

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) setzt auch auf «Palliative Care», wer eine unheilbare Krankheit hat, wird umfassend betreut, dazu gehört auch die Begleitung Sterbender. Auf Wunsch ermöglicht das GZF den Kontakt zu Sterbehilfeorganisationen. Mediensprecherin Miriam Crespo Rodrigo: «Zuoberst stehen stets die Würde und das Recht auf Selbstbestimmung unserer Patienten.» Durchgeführt wird ein Suizid jedoch nicht im GZF. «In der Regel würde das dann zu Hause stattfinden.»

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