Im Juni wurde an dieser Stelle die Idee eines Holzheizkraftwerks im Zurzibiet vorgestellt. Es soll als neuer «Ofen» dienen, wenn dereinst das AKW Beznau vom Netz geht und die dortige Fernwärmeversorgung Refuna einen neuen Wärmelieferanten braucht. Der Vorstand des Aargauischen Waldwirtschaftsverbandes (AWV) steht voll hinter dieser Idee von Geschäftsführer Theo Kern. Demnächst kommt es in dieser Sache zu einem Gespräch der Spitzen von AWV und Refuna. Als Kerns Idee bekannt wurde, stand gleichzeitig der Bau eines Holzheizkraftwerks in Kaiseraugst zur Debatte. Dieses ist inzwischen «gestorben». Die beiden Kraftwerke wären problemlos aneinander vorbeigegangen, da in Kaiseraugst nur ein kleines geplant war.

Wie diese Woche bekannt wurde, will jetzt aber das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich mit weiteren Partnern im Sisslerfeld ein bedeutend grösseres Holzheizkraftwerk errichten. Dieses benötigt umgerechnet über 100 000 Festmeter Holz. Genutzt werden soll Restholz oder allenfalls unbehandeltes Altholz. Trotzdem die Frage an Theo Kern: Gibt es im Aargauer Wald genug Holz, um zwei grosse Kraftwerke zu befeuern, ohne dass die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes leidet? Schliesslich bräuchte auch das Kraftwerk im Zurzibiet jährlich rund 100 000 Festmeter Holz. Kern ist überzeugt: «Es gibt genug Holz für zwei Kraftwerke.» Ob dasjenige in Sisseln dann wirklich gebaut werde, stehe noch nicht fest. Falls ja, peile jenes ja nebst unbehandeltem Altholz einen Bezugsraum von Restholz etwa aus Sägereien und Holz verarbeitenden Betrieben im Umkreis von 80 bis 100 Kilometern an. Das geht weit über den Aargau hinaus und auch in den süddeutschen Raum hinein. Kern ist überzeugt, dass man für jenes Projekt genug Holz bekäme.

Kerns Projekt sieht einen Teil Wald-Restholz vor. Kern will «sein» Kraftwerk aber primär mit eigens geschlagenem Brennholz befeuern. Davon gebe es genug, der Aargauer Wald sei unternutzt. Kern: «Der Holzvorrat im Aargau bewegt sich im schweizerischen Durchschnitt. Laut den letzten beiden Landesforstinventaren wachsen im Aargau jährlich gegen 600 000 m Holz nach. Letztes Jahr wurden aber nur 380 000 m Holz geerntet. Auch nach Abzug der Reservate und natürlichen Absterbeprozessen von Bäumen kann man jährlich problemlos über 100 000 m3 Holz zusätzlich nutzen. Wer nur maximal so viel Holz erntet, wie nachwächst, nutzt den Wald nachhaltig.» Kern verfolgt auch das Projekt im Sisslerfeld mit Interesse. «Wettbewerb belebt das Geschäft», so Kern. Er könnte sich vorstellen, dass Aargauer Waldbesitzer Holz auch dorthin liefern, «wenn die Konditionen stimmen». Es gäbe genug Holz für beide, «weil wir ein unterschiedliches Einzugsgebiet und ein nicht deckungsgleiches Brennholzsortiment nutzen wollen».

In Basel steht bereits seit Jahren ein grosses Holzheizkraftwerk, das sein Brennmaterial vorab aus dem Baselbiet, aber auch aus dem Fricktal bezieht. Und zwar primär aus öffentlichem Wald, so Michael Tobler, Geschäftsführer der Raurica Wald AG. Wie funktioniert das konkret? Aktionäre sind Basler Bürgergemeinden, die beiden Halbkantone, aber auch private Waldbesitzer. Die Raurica ist Mehrheitsaktionärin am Basler Holzheizkraftwerk und zahlt seit 2011 eine Dividende aus. So sind die Waldbesitzer an der Wertschöpfung beteiligt, was wiederum ihre wirtschaftliche Basis stärkt. Gemäss Tobler hat man kein Problem, aus öffentlichem Wald genug Brennholz zu beschaffen: «Wir hatten nie Engpässe. Es hat im Wald auch genug Holz.» Täglich steuern in der Heizperiode 30 Lastwagen das Kraftwerk an, etwa je hälftig mit Holzschnitzeln direkt aus dem Wald und mit Altholz.

Gibt es denn regional kein Akzeptanzproblem wegen der Altholzverbrennung? Tobler verneint. Man halte die Luftreinhaltegrenzwerte mehr als nur ein. «Zudem», so Tobler, «ist dies doch Recycling in Reinform: Das Holz wird erst für ein Gebäude oder Möbel genutzt und dient nachher auch noch der Wärmeproduktion. Damit substituieren wir erst noch fossile Brennstoffe.» Früher wurde Altholz nach Deutschland oder gar nach Italien zur Verbrennung gekarrt. Tobler: «Es in der Nähe sauber zu verbrennen, spart viele lange, unnötige Transporte.»

Das Holz stammt zu 80 Prozent aus einem Radius von 40 Kilometern. Gerade weil die Distanzen so kurz sind, kommt es meist per Lastwagen. Da rechne sich der Bahntransport einfach nicht, so Tobler, «zumal man manchmal gar erst in die Gegenrichtung fahren müsste, um Holz auf die Bahn verladen zu können».

Auch die Anlieferung eines Teils Holz aus dem Mittelland bereitet ihm kein schlechtes Gewissen. Tobler: «Lastwagen liefern ab Basel beispielsweise Altpapier in die Papierfabrik Perlen und bringen auf der Rückfahrt Holz mit. So vermeiden sie Leerfahrten, was ja politisch sehr erwünscht ist.»