Sie ist Mutter von sieben Kindern zwischen sechs Monaten und siebzehn Jahren, führt einen Mittagstisch, arbeitet als Chefredaktorin der Kundenzeitschrift der Schweizer Apotheken und schreibt einen Mama-Blog im Internet. Als ob das alles nicht reichen würde, setzt sich Chantal Schlatter (38) als Präsidentin einer Interessengemeinschaft für einen neuen Kinderspielplatz in Obermumpf ein. Durch Crowdfunding will die siebenköpfige IG die notwendigen 40 000 Franken zusammenbringen.

«Wir haben uns schon gefragt, ob die Gemeinde die Finanzierung übernehmen würde», erzählt Chantal Schlatter. Doch die IG schätze die Chancen als gering ein, nachdem die Gemeindeversammlung den Umbau des Gemeindehauses für 2 Millionen Franken beschlossen habe. «Wir hatten das Gefühl, mit unserem Anliegen nicht durchzukommen, und haben darum die Sache selbst in die Hand genommen», sagt Schlatter.

Eine Tafel für Gross-Sponsoren

12 485 Franken hat die IG inzwischen gesammelt. Schlatter: «Die Obermumpfer Bevölkerung hat schon rege gespendet.» Die IG konnte auch acht Gross-Sponsoren gewinnen, die für die Aufwertung des Spielplatzes auf dem Schulareal 500 Franken und mehr zur Verfügung stellten. Sie werden auf der Webseite www.spielplatz-obermumpf.ch und später auch auf der Sponsorentafel genannt.

Verschiedene Aktivitäten sollen der IG jetzt weitere Mittel einbringen. Der Gruppe schweben zum Beispiel ein Suppentag, ein Sponsorenlauf und eine Versteigerung von Kinderzeichnungen vor. Die Neugestaltung des Kinderspielplatzes kann nach der Einschätzung von Chantal Schlatter erst 2015 in Angriff genommen werden. «Damit unser Spielplatzbauer Urs Aschmann noch in diesem Jahr beginnen könnte, müssten wir das Geld bis zum März zusammenhaben. Das ist wohl nicht mehr zu schaffen.»

Die IG will auf dem Kinderspielplatz die veralteten Spielgeräte durch zeitgemässe, bewegungsfördernde und vielseitige Spielangebote ersetzen. Balancieren, schaukeln, klettern, hangeln, rutschen, sich verstecken – das alles soll möglich sein.

Ein Bedürfnis nach einem attraktiven Kinderspielplatz sei im Dorf vorhanden, sagt Chantal Schlatter. Die Primarschule und der Kindergarten würden von über 60 Kindern besucht. Durch Freiwilligenarbeit der Eltern könnten die Kosten für den neuen Spielplatz um rund 15 000 Franken gesenkt werden. Wenn die IG einen grossen Teil der benötigten Mittel beisammenhabe, werde die Gemeinde vielleicht doch noch einen Beitrag bewilligen, hofft Chantal Schlatter.

Abends schreibt sie ihr Tagebuch

Die gelernte Apothekerin mit Doktortitel bezeichnet sich selbst als «Vollblut-Mami». Weil sie tagsüber für ihre Kinder da sein will, geht sie ihrer Erwerbsarbeit grösstenteils abends nach. Dann schreibt sie auch ihre Tagebucheinträge, von denen sie einen Teil im eigenen Mama-Blog veröffentlicht. Die Aufzeichnungen während eines ganzen Jahres sind in einem 470 starken Buch erschienen.

In ihrem Tagebuch schildere sie den bunten Alltag in ihrer Grossfamilie, sagt Chantal Schlatter. Sie schreibe die Beiträge für ihre Kinder, die sich mit ihren Erlebnissen darin wiederfinden könnten. Diese Aufzeichnungen seien aber auch ein Spiegelbild ihrer persönlichen Stärken und Schwächen. «Das Tagebuchschreiben ist mir ans Herz gewachsen», sagt sie. «Ich habe dadurch gemerkt, wie viel Schönes ich jeden Tag erlebe.»