Es war ein Sonntagmorgen im September, kurz nach 8 Uhr, als eine Patrouille der Schweizer Grenzwacht auf den Rastplatz Mumpf fuhr und dort auf einen parkierten Geländewagen aufmerksam wurde. Im Fahrzeug entdeckten die Beamten einen schlafenden Mann. Sie weckten ihn auf, kontrollierten ihn und sein Fahrzeug – und fanden am Lenkrad und am Armaturenbrett Spuren von Kokain.

Aufgebotene Spezialisten entdeckten daraufhin im Getriebe des Fahrzeugs eine Plastiktüte. Darin: ein Paket mit rund einem Kilogramm Kokain und 40 Fingerlinge mit je zehn Gramm Kokain. Am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Rheinfelden bestreitet der Mann gar nicht erst, das Paket in die Schweiz geschmuggelt zu haben. Aber: «Ich wurde reingelegt.»

Von Rotterdam nach Zürich

Der 61-Jährige stammt aus der Dominikanischen Republik und hatte seinen letzten offiziellen Wohnsitz in Spanien. «Dort wohne ich allerdings nicht mehr», lässt er das Gericht über seinen Dolmetscher wissen, ohne weitere Angaben zu seinem derzeitigen Wohnort zu machen. Nun: Irgendwann im September des vergangenen Jahres muss er sich in Holland aufgehalten haben. Dort hatte er nämlich den Auftrag erhalten, das Paket in die Schweiz zu transportieren.

Die Auftraggeber kommunizierten nach Angaben des Beschuldigten per Telefon mit ihm. Genaue Angaben zum Paketinhalt machten sie dabei offenbar nicht. Er solle damit ins Zentrum von Zürich fahren, dort würde er dann weitere Anweisungen zur Übergabe erhalten, schildert der Mann vor Gericht seinen Auftrag. Er spricht mit leiser Stimme, bricht immer wieder in Tränen aus. Sein Dolmetscher gibt ihm ein Päckchen Nastücher. «Toma», sagt er; zu deutsch: «Nimm.»

1000 Euro versprochen

Schon in den Einvernahmen hatte der Mann gestanden, das Paket von Rotterdam via Deutschland und den Grenzübergang Weil am Rhein in die Schweiz transportiert zu haben. Für den Transport versprachen ihm die Auftraggeber 1000 Euro, die er aber erst erhalten sollte, wenn er das Paket abgeliefert hatte.

Der Beschuldigte wischt sich die Tränen aus den Augen, schüttelt den Kopf. Er habe nicht gewusst, was in dem Paket sei, es vielleicht geahnt, «weil es doch sehr viel Geld ist für einen kleinen Auftrag», sagt er. «Aber ich kenne mich mit Drogen nicht aus. Ich hatte damit nie etwas zu tun.» Wobei 1000 Euro angesichts des aktuellen Marktpreises der Droge wohl doch nicht so viel Geld sind: Je nach Reinheitsgrad wird ein Gramm Kokain in der Schweiz für 60 bis 130 Franken gehandelt. Der Mann transportierte also Drogen im Wert von wohl über 100 000 Franken.

Bei schlechter Gesundheit

Der Pflichtverteidiger geht in der Verhandlung wenig auf die eigentliche Tat ein, diese sei unbestritten. Stattdessen legt er seinen Fokus auf den Gesundheitszustand seines Mandanten. Der Mann leide unter anderem an einem Tumor an der Gallenblase, weshalb er demnächst im Spital untersucht werden müsse. «Sollte sich sein Zustand weiter verschlechtern, könnte dies einen Einfluss auf den Strafvollzug haben», so der Verteidiger.

Er sei in den über 60 Jahren seines Lebens zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, beteuert der Beschuldigte am Ende, als ihn Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab nach einem letzten Statement fragt. «Aber ich akzeptiere, dass es jetzt so ist und ich mich strafbar gemacht habe.» Er habe sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden und deswegen den Auftrag angenommen. «Ich möchte mich für meinen Fehler entschuldigen und um Verzeihung bitten.» Seine Frau und die fünf Kinder leben in der Dominikanischen Republik. «Eigentlich möchte ich einfach nur zu ihnen nach Hause», sagt der Beschuldigte und fügt an: «Ich habe Angst, meine Liebsten nie wieder zu sehen, weil es mir gesundheitlich schlecht geht.»

Das Bezirksgericht verurteilt den Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon 18 Monate bedingt bei einer Probezeit von fünf Jahren. Ausserdem wird der Mann des Landes verwiesen und muss die Verfahrenskosten zahlen.