Hornussen
«Ich bin keine, die Dinge in sich hineinfrisst» – darum demissioniert Gemeinderätin schon wieder

Kaum hat die Amtsperiode begonnen, kommt es auch schon zum ersten Rücktritt: Rosmarie Bühler demissioniert als Gemeinderätin von Hornussen. Auch, weil sie auf «taube Ohren stösst».

Dennis Kalt
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Der Gemeinderat von Hornussen verliert Rosmarie Bühler (3.v.r.)

Der Gemeinderat von Hornussen verliert Rosmarie Bühler (3.v.r.)

Laut einer Mitteilung der Gemeinde haben sie «persönliche Differenzen im Gemeinderat» zu diesem Schritt bewogen. Auf Anfrage der AZ hält sich Bühler zu den konkreten Gründen ihrer Demission bedeckt und verweist auf das Kollegialitätsprinzip des Gremiums.

Bühler ist seit Dezember 2013 Mitglied der Exekutive. Bei ihrer Wiederwahl im Mai 2017 erhielt sie die zweitmeisten Stimmen aller Kandidaten. «Mir tut es für die Bevölkerung leid, die mir an der Urne das Vertrauen ausgesprochen hat», so Bühler zu ihrem Rücktritt. Zum Zeitpunkt der Gesamterneuerungswahlen zeichnete sich der Konflikt jedoch noch nicht ab. «Die Situation im Gremium hat sich erst ab dem Frühjahr zugespitzt», sagt Bühler.

«Verhärtete Fronten»

Mit der zugespitzten Situation meint Bühler den Graben zwischen ihr und anderen Ratsmitgliedern hinsichtlich der «ethischen und moralischen Vorstellungen, wie Geschäfte behandelt und Beschlüsse gefasst werden». Bühler habe ihren Unmut über diese Differenzen gegenüber ihren Ratskollegen deutlich gemacht: «Ich bin keine Person, die Dinge in sich hineinfrisst, sondern es direkt anspricht, wenn es mir nicht passt.» So habe sie auch Forderungen nach einem Politikstil-Wandel im Gremium gestellt, sei aber damit auf «taube Ohren gestossen».

Aufgrund der «verhärteten Fronten» habe sie Konsequenzen gezogen. «Davonlaufen» wollte sie durch eine Demission per sofort jedoch nicht. «Die Verantwortung, die an meinem Amt hängt, hat mich dazu bewogen, erst das Amt niederzulegen, wenn ein Ersatz für mich gefunden wird», sagt sie. Das wird frühestens per 10. Juni, dem Tag der Ersatzwahl, der Fall sein.

Mindestens bis dahin wolle sie ihr Ressort, das die Bereiche Energie; Gesundheit; Finanzen und Steuern umfasst, «pflichtbewusst» weiterführen. Dass die Arbeit aufgrund der verhärteten Fronten für Bühler im Gremium in den nächsten Monaten nicht gerade angenehm sein wird, kann sie nicht verhehlen: «Klar, die Situation ist angespannt. Ich werde mich in den Sitzungen etwas zurückziehen, aber dennoch Dossiers studieren und Beschlüsse vorbereiten.»

Gemeindeammann George Winet bestätigt, dass es in den letzten Monaten im Gemeinderat zwischen Bühler und bestimmten Gremiumsmitgliedern zu Spannungen gekommen ist, ordnet diesen jedoch nicht das Gewicht zu, das eine Demission rechtfertigen würde. «Die Suche nach politischen Entscheidungen erfordert oftmals den Diskurs, der mitunter auch hitzig geführt werden kann. Als Politiker muss man dies aushalten können», sagt Winet. Hinsichtlich der ethischen und moralischen Differenzen bleibt Winet schwammig: «Bühler hat die Finanzen der Gemeinde kompetent, aber auch akribisch geführt. Sie hat dahingehend sehr hohe Ansprüche an sich selbst gestellt.» Man hat ihre Entscheidung akzeptiert und nicht versucht, sie umzustimmen.

«Unglücklich für das Gremium»

Das Ausscheiden von Bühler bezeichnet Winet als unglücklich, und zwar unabhängig davon, ob dieses bereits per Beginn der aktuellen Amtsperiode erfolgt wäre oder erst in einigen Monaten erfolgen wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass es in Hornussen besonders schwierig sei, kompetente Kandidaten für den Gemeinderat zu finden. «Diejenigen, die geeignet wären, sind alle selbstständige Unternehmer und würden sich im Falle eines Exekutiv-Postens dem Verdacht der Vorteilsnahme aussetzen, weil dies ein Denkmuster ist, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Dies ist falsch und verhindert die Mitwirkung hervorragender Kandidaten», erklärt Winet.

Die Suche nach einem Nachfolger habe man bereits «intensiv begonnen», um bis zum 27. April, dem Ablauf der ordentlichen Frist, einen Kandidaten zu finden, «auch wenn dies nicht ganz einfach werden wird», so Winet.