Auf die oft gestellte Frage «Wie gehts?» hört man in unseren Breitengraden häufig Antworten wie: «Es muss ja»; «Schon besser gegangen»; «Soso lala»; «Geht so» – antwortet jemand mit «Danke, es geht mir sehr gut!», wirkt das schon fast irritierend, oder?

Ich mag es nicht, dieses oberflächliche Wortgeplänkel, denn ich habe das Gefühl, dass die Fragenden in den wenigsten Fällen tatsächlich wissen möchten, wie es dem Gegenüber wirklich geht. Da haben es die Engländer bei der ersten Begegnung schon einfacher mit der Antwort «How do you do?» auf die Frage «How do you do?». Wenigstens ein eindeutiger Fall von Smalltalk.

«Ich bin glucklich», so der Kommentar von B., einem Freund aus dem Sudan, zu einem Bild von einer Weihnachtsfeier für Asylsuchende, das er mir kürzlich schickte. Ein paar Guetzli in roten Servietten, grüne Tannenzweige als Tischdeko, weisse Plastikbecher und mittendrin der glücklich lächelnde B. Schaue ich mir den ganzen Whatsapp-Verkehr mit B. an, so finde ich immer wieder Bemerkungen wie «Mir geht es sehr gut», «Heute ist ein schöner Tag» oder eben «Ich bin glucklich», ja, glucklich, denn mit Umlauten hat er es noch nicht so, der B.

Abenteuerliche, teils witzige Satzkonstruktionen und Wort-Neuschöpfungen mal ausser Acht gelassen – dem Google-Übersetzer sei Dank – sind die grundsätzlichen Messages, die ich von B. erhalte, stets positiv. Und das, obwohl er nach seiner Flucht aus dem Sudan zunächst drei Wochen in Italien auf der Strasse lebte, bis er auf Umwegen in die Schweiz kam. Und das, obwohl er hier in der Schweiz schon ein paarmal von einem Ort zu einem anderen ‹verschoben› wurde, häufig dann, wenn er grad ein paar neue Kontakte geknüpft hatte. Und das, obwohl er unterirdisch, in einer GOPS, einer ‹Geschützten Operationsstelle›, mit einem guten Dutzend anderer Asylsuchenden verschiedener Ethnien in einem Zimmer untergebracht ist. Und das, obwohl seine beiden grössten Wünsche, möglichst rasch besser Deutsch zu lernen und arbeiten zu dürfen, wohl in absehbarer Zeit kaum in Erfüllung gehen werden, denn er hat den Asylstatus N. Und das, obwohl er zu seiner Familie nur alle paar Wochen Kontakt hat, weil sie im Sudan kaum Internetzugang haben, aber…. B. lacht fast immer und er ist glucklich.

Möchten Sie nun wissen, wie es mir geht? Ich bin glücklich, sehr sogar!

Und Sie?