Fricktal
Hundeausbilder appelliert an Moral: «Der Hund gehört an die Leine»

Der Gemeinderat Wettingen hat eine flächendeckende Leinenpflicht für Hunde eingeführt. Wer sich nicht daran hält, wird mit 100 Franken gebüsst. Der Hundeausbilder René Picard ist weniger für eine gesetzliche als vielmehr eine moralische Leinenpflicht

Susanne Hörth
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Im Fricktal wird in den Polizeireglementen festgehalten, wo Leinenpflicht gilt.

Im Fricktal wird in den Polizeireglementen festgehalten, wo Leinenpflicht gilt.

Martin Toengi

«Ich bin grundsätzlich dagegen, dass man Hunde ableint. Und wenn doch, dann nur, wenn man 100-prozentig sicher ist, dass man sie abrufen kann», sagt René Picard. Und wenn das nicht garantiert werden kann? «Dann gehört der Hund an die Leine.»

Mit diesen klaren Aussagen macht der Fricker Hundetrainer klar, dass eine Leinenpflicht nicht gesetzlich, sondern moralisch für jeden Hundehalter gelten müsste.

Und das mit Rücksicht auf Mensch und Tier. Ein Hund, der auf jemanden zurennt, löst Furcht aus. Gefährlich kann es aber auch für die Hunde selber werden.

Picard nennt hier als Beispiel zwei sich bisher unbekannte Hunde, die abgeleint werden, damit sie miteinander spielen können. Was, wenn sich die Hunde nicht verstehen?

Hier sei nicht auszuschliessen, dass es neben Verletzungen auch zum Tod des einen Hundes führen könnte, so Picard. «Wir haben einfach extrem Glück, dass nicht mehr passiert.»

Gerade erst hat die Gemeinde Wettingen die Leinenpflicht für Hunde flächendeckend für das ganze Siedlungsgebiet verfügt. Eine Verfügung, die nicht nötig wäre, wenn Hundebesitzer ihre moralische Pflicht wahrnehmen würden, ist Piccard überzeugt.

Busse von 100 Franken

Einen flächendeckenden Leinenzwang gibt es im Fricktal nicht, eine gesetzliche Regelung hingegen schon. Das Polizeireglement des oberen Fricktals hält dazu fest: «Im Bereich von Schul-, Sport- und Friedhofanlagen sowie öffentlichen Spiel- und Grünflächen sind Hunde zwingend an die Leine zu nehmen.»

Wer sich nicht daran hält, zahlt eine Busse von 100 Franken. Die Gemeinderäte können zusätzlich bei Bedarf für weitere Örtlichkeiten eine Leinenpflicht verfügen. «Bisher wurden bei uns keine weiteren Orte definiert», sagt der Herznacher Gemeindeschreiber Harry Wilhelm.

Das ist auch in den meisten anderen Fricktaler Gemeinden so. «In Einzelfällen, das heisst bei Reklamationen, wird in Herznach jeweils eine ergänzende Leinenpflicht für einzelne Hunde verfügt», fügt Harry Wilhelm noch an.

Laut Polizeireglement des unteren Fricktals ist es hier verboten, Hunde unbeaufsichtigt laufen zu lassen. Nebst den öffentlichen Plätzen gilt ebenfalls auf verkehrsreichen Strassen sowie Rad- und Gehwegen Leinenpflicht. «In Rheinfelden kennen wir keine weiterreichenden Regelungen», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. «Wer sich nicht an die Vorgaben hält, wird gemäss Ordnungsbussentarif zum Polizeireglement mit 50 Franken gebüsst.»

Eine Besonderheit ist der Wald. Hier gilt nicht nur im Fricktal, sondern im ganzen Kanton Aargau während der Setzzeit Leinenpflicht. Während dieser Zeit sind die Wildtiere trächtig und ziehen ihren Nachwuchs auf.

René Picard setzt bei der Hundeausbildung stark auf die nonverbale Kommunikation. Das heisst: weg vom Befehl und hin zur Verständigung. So wie der Vierbeiner die Körperhaltung seines Zweibeiners versteht und darauf reagiert, so sollte auch der Mensch «Hündisch» lernen und begreifen.

Die Leine, an die der Hund, so Piccard, schon sehr früh gewöhnt werden sollte, ist bei der Ausbildung zum Familienhund ein wichtiges Führungsinstrument, aber kein Erziehungsmittel.