Die ersten Fricktaler Kirschen sind in diesen Tagen auf den Markt gekommen. Es handelt sich um frühe Sorten, die dank modernen Kulturen weitgehend witterungsgeschützt sind: Regendächer, Hagelschutz und Netze an den Seiten sind wichtig, um das heranreifende Steinobst nicht nur vor Wettereinflüssen zu schützen, sondern auch vor gierigen Vögeln. Denn dieses Jahr wurde da und dort eine Vogelplage festgestellt.

Doch die Hauptsorge der Kirschenproduzenten und der Obstbauern allgemein gilt der mangelnden Bestäubung der Blüten durch Bienen. «Zu rund 80 Prozent erfolgt die Bestäubung durch Honigbienen. Es werden während der Blütezeit nun aber immer mehr Hummeln zum Bestäuben eingesetzt», erfuhr die az Aargauer Zeitung von Othmar Eicher, Abteilung Obst und Obstverwertung im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg bei Gränichen.

Grund: Das Bienensterben

Grund für den vermehrten Hummelflug: Bienenvölker sind in grosser Zahl eingegangen, denn die gefürchtete Varroa-Milbe und die Faulbrut setzten den fleissigen Tieren arg zu. Folglich waren viele Bienenvölker zu schwach, um den Winter zu überstehen. Die Obstproduzenten sind aber auf die Bestäubungsarbeit der Bienen angewiesen. Deshalb stieg die Nachfrage nach Hummelvölkern. Diese grösseren und robusteren Insekten arbeiten bereits bei 8 Grad Celsius. Bienen brauchen hingegen ungefähr 12 Grad. Eine Hummel fliegt täglich während bis zu 18 Stunden rund 1000 Blüten an, um Nahrung zu suchen. Dabei erfolgt die Bestäubung der Pflanzen.

Obstproduzenten können Hummeln zum Beispiel in einer Tribox kaufen. Darin befinden sich 3 Völker mit je etwa 400 Hummeln. Kostenpunkt für eine solche Box: 300 Franken. Eine Investition, die sich letztlich lohnt, ist doch die Bestäubung durch die Hummeln gut und dementsprechend der Behang der Bäume gross.

«Es ist eine gute Ernte zu erwarten»
Trotz der ungünstigen Witterung mit zwei kalten Wochen im Februar und Nächten mit Bodenfrost sind die Aussichten nicht schlecht: «Es ist eine gute Ernte zu erwarten», hielt Othmar Eicher fest. An die 3200 Tonnen Tafelkirschen, die im Rekordjahr 2011 in der Schweiz gepflückt wurden, reicht aber die kommende Ernte nicht heran: 2100 Tonnen werden dieses Jahr immerhin erwartet.