Frick
Hotel-Restaurant «Platanenhof» wird schliessen – und einer Wohn-Überbauung weichen

Lars Laier kündigt das Ende des Hotel-Restaurants "Platanenhof" an. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Klar ist dagegen: Er will auf dem Areal eine Wohnüberbauung realisieren. Die Umsetzung erfolge «in den nächsten 48 Monaten».

Thomas Wehrli
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Lars Laier: «Sobald die Planung abgeschlossen ist, werde ich festlegen, wie lange der ‹Platanenhof› als Hotel-Restaurant in Betrieb bleibt – und dann informieren.» twe

Lars Laier: «Sobald die Planung abgeschlossen ist, werde ich festlegen, wie lange der ‹Platanenhof› als Hotel-Restaurant in Betrieb bleibt – und dann informieren.» twe

Thomas Wehrli

Der kommende Sonntag ist für Lars Laier ein ganz besonderer Tag. Just 20 Jahre wird es dann her sein, dass er auf dem «Platanenhof» in Frick wirtet. Im Juni 1997 kaufte er den Betrieb, baute das Restaurant um, baute das Hotel fertig und eröffnete seinen «Platanenhof» am 1. Oktober 1997.

«Ich wollte mich selbstständig machen», blickt der Gastronom, der zuvor auf Schloss Böttstein gearbeitet hat, auf die Anfänge zurück. Der «Platanenhof» sei eine von vier Optionen gewesen, sagt er. Für Frick habe er sich «wegen der Nähe zur Familie» entschieden, sagt der ausgeprägte Familienmensch. Laier ist in Tiengen (DE) aufgewachsen – «und im Herzen immer ein Tienger geblieben». Seine Heimat allerdings wurde schnell Frick. «Ich fühle mich hier zu Hause und wurde gut aufgenommen.»

Das lag auch daran, dass es Laier verstand, das Hotel zu einem Vier-Sterne-Haus und das Restaurant zu einer erstklassigen Speiseadresse im Fricktal auszubauen. Dabei fuhr Laier im Gastronomiebereich von Anfang an zwei Schienen: Rustikal im einen Teil, Gourmet im anderen. Der «Platanenhof» ist heute eine von nur noch einer Handvoll Gaststätten im Fricktal, die über die Region hinausstrahlt.

Zeitpunkt ist noch offen

Lars Laier blieb dabei stets am Boden der Realität, nahm Feinjustierungen am Konzept vor – und alle fünf Jahre eine grössere Standortbestimmung. So auch vor einigen Monaten wieder. Dabei kam er zum Schluss: «Ich werde das Hotel und Restaurant aufgeben.» Stattdessen will er auf dem Areal eine Wohnüberbauung realisieren, vorab mit kleineren Wohnungen, wonach der Markt derzeit ruft.

Wann genau der Schnitt erfolgen wird, wann der «Platanenhof» seine Türen schliessen wird, steht noch nicht fest. «In den nächsten 48 Monaten», sagt Laier nur. Das hänge vom Fortschritt der Planung ab, die er nun in Angriff genommen hat. Auch das ist typisch Laier: Er überstürzt nicht, plant gründlich – und entscheidet dann. «Sobald die Planung abgeschlossen ist, werde ich festlegen, wie lange der ‹Platanenhof› als Hotel-Restaurant in Betrieb bleibt – und dann informieren.»

Für Lars Laier wird es «ein positiver Abschluss» sein, wie er betont. Den Schritt nach Frick habe er nie bereut, mit den letzten 20 Jahren sei er in der Gesamtbilanz «sehr zufrieden», sagt er, lacht. «Und damit dies so bleibt, braucht es jetzt eine Veränderung.»

Zum Schritt, den «Platanenhof» zu schliessen, haben ihn vorweg fünf Gründe bewogen. Erstens fehlt ein Nachfolger. «Ich habe keine Kinder», sagt Laier. Mit 49 Jahren ist er selber zwar noch jung, «voll im Saft», aber eben: Die Nachfolge muss man heute frühzeitig bedenken. Zumal der Job als Gastronom «knochenhart» ist und «ich nicht jünger werde».

Gastrobranche ist unter Druck

Zweitens hat sich das Wirtschaftsumfeld in den letzten 20 Jahren stark verändert. Die Gastrobranche ist gehörig unter Druck – in Grenznähe noch mehr. Der starke Franken lockt nicht nur viele Leute zum Shoppen nach Deutschland, sondern auch zum Essen. Der Franken habe sich zwar in den letzten Monaten etwas abgeschwächt, sagt Laier, doch das reiche noch nicht. Natürlich werde sich der Kurs irgendwann wieder einpendeln. «Ob das meine Generation erlebt, kann mir niemand sagen.»

Chamäelon-Gastronomie gefragt

Drittens hat sich die Kundschaft verändert. Ein zweigliedriges Konzept, wie es Laier anbietet, habe heute immer weniger Berechtigung, weiss er. Gefragt sei «eine Chamäleon-Gastronomie». Darunter versteht der Gastronom ein einteiliges Konzept, das sich leicht den sich verändernden Kundenbedürfnissen anpassen lässt. «Ein solches Konzept ist in meinem Betrieb von der Bausubstanz her nur schwer oder mit grossen Investitionen umsetzbar.» Die Verschachtelung der Räume führt, viertens, zu hohen Fixkosten.

Fünftens haben sich, besonders in der Hotellerie, die Kundenanforderungen grundlegend geändert. Früher buchten Gruppen zum einen auch Doppelzimmer, zum anderen nahmen sie es in Kauf, dass die Leute auf mehrere Hotels in Frick verteilt waren. «Ich betrieb einen Shuttle-Service», sagt Laier. Diese Zeiten sind passé. Jeder will ein Einzelzimmer – und alle wollen unter demselben Dach nächtigen. Mit seinen 30 Betten kann Laier dies nicht gewährleisten. «Die Betriebsgrösse, wie ich sie habe, hat für die Zukunft keine Berechtigung», sagt Laier. Ein Hotel müsse heute mindestens 50 Betten haben.

Entscheid nicht leicht gemacht

Laier verstummt kurz, sein Blick wandert über die Gartenwirtschaft, die zu den schönsten in der Region zählt. «Wir sind zu klein für einen Grossen und zu gross für einen Kleinen», sagt er dann. Auf das Erreichte ist er stolz – besonders auch, dass es ihm gelang, das Hotel als Vier-Sterne-Haus zu etablieren. 2013 hat er einen Stern abgegeben. «Ich musste mich entscheiden, ob wir ein mittleres Vier-Sterne-Hotel bleiben wollen oder ein sehr gutes Drei-Sterne-Haus.» Er entschied sich für Letzteres – auch, um die Preise nach unten korrigieren zu können. «Dies war wegen des starken Frankens und der nahen Grenze nötig.»

Den Entscheid, das Hotel-Restaurant aufzugeben, hat sich Laier nicht einfach gemacht. «Ich habe alle möglichen Alternativen geprüft und bin zum Schluss gekommen, dass die Option ‹Wohnüberbauung› die beste ist.» Er freut sich auf das neue Projekt. Was er nach der «Platanenhof»-Zeit beruflich machen wird, sei noch offen. «Sicher bleibe ich im Gastronomiebereich», sagt er. Denn dafür schlägt sein Herz.