Rheinfelden
Horror-Unfall: Wie gehen die Feuerwehrleute mit dem Erlebten um?

Eine Woche ist vergangen seit dem schrecklichen Unfall in Rheinfelden, bei dem fünf Männer starben. Die Betroffenheit ist nach wie vor gross, besonders bei den Einsatzkräften, die vor Ort waren. Doch wie gehen sie mit einem solchen Horror-Erlebnis um?

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Als die Rettungskräfte nach dem Horror-Crash in Rheinfelden am Unfallort eintrafen, stand der Unfallwagen bereits in Vollbrand. Zwei Frauen lagen neben dem VW Golf. Kurz nach der Frontalkollision mit dem Baum hatte er Feuer gefangen. Die fünf Männer konnten nur noch tot geborgen werden. Die beiden Frauen trugen schwere Verletzungen davon.

Gefordert waren dabei auch die Feuerwehrleute. Für sie ist ein solcher Einsatz alles andere als einfach. Als René Wiederkehr, ein langjähriges Mitglied der Feuerwehr Rheinfelden, am Unfallort eintraf, war bereits ein Einsatzwagen vor Ort. Unmittelbar bekam er den Auftrag, sich um die verletzten Personen zu kümmern, erzählt er im «Fokus» auf Tele M1.

Von Anfang an sei klar gewesen, dass sich noch vermisste Personen am Einsatzort befinden könnten. Als man nach den Löscharbeiten festgestellt habe, dass sich fünf Personen im Unfallfahrzeug befanden, sei, so René Wiederkehr, «gelinde gesagt Betroffenheit eingekehrt». Die Erinnerungen an die Unfallnacht lösen beim erfahrenen Feuerwehrmann sichtlich Emotionen aus.

Wie verarbeiten Feuerwehrleute solch einen Einsatz? Die Einsatzleute werden deshalb schon während der Rettungsarbeiten vom sogenannten «Peer»-Team betreut, erläutert René Wiederkehr. Dabei handelt es sich um ein internes Care-Team der Feuerwehr. Bei der Feuerwehr Rheinfelden gehören fünf Personen zu diesem Team. Sie sind ausgebildet in psychologischer Notfallhilfe.

Der ausgebrannte VW Golf am Unglücksort in Rheinfelden. In jener Freitagnacht starben fünf Männer beim Horror-Unfall.
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Fünf Todesopfer beim Horror-Unfall von Rheinfelden
Als die ersten Polizisten am Unglücksort eintrafen, lagen zwei schwer verletzte Frauen neben dem brennenden Auto. Die eine Frau zog nach dem Unfall die andere aus dem Auto.
Die fünf Tote im Auto fanden die Einsatzkräfte nach dem Löschen - für sie kam jede Hilfe zu spät.
Der Unfall geschah auf einer Strasse durch ein Waldstück. Die Gruppe wollte nach einem Barbesuch in Rheinfelden noch für einen Schlummertrunk in die Wohnung eines der Opfer. Diese befindet sich nur 200 Meter vom Unglücksort entfernt.
Bei den Todesopfern handelt es sich um fünf Männer im Alter zwischen 23 und 39 Jahren.
Vier der Todesopfer stammen aus der Region, die fünfte Person war als Tourist aus Serbien in der Schweiz. Der Tourist sass am Steuer. Er hatte 1,32 Promille im Blut.
Eine Kollegin der Verunfallten hatte bei der Bar ein Taxi genommen. Sie fuhr am Unglücksort vorbei.
Auch der Besitzer des Unglücksautos lief zu Fuss zur Wohnung.
Die Strasse war auch am Samstagmorgen noch gesperrt.
Die zuständige Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg leitete eine Untersuchung ein.
Am Unfallort trauern am Sonntag, zwei Tage nach dem Unfall, Angehörige und Bekannte um die Todesopfer.
An der Stelle, wo VW Golf gegen einen Baum prallte, brennen zahlreiche Kerzen.
Neben den Kerzen liegen Blumen und Abschiedskarten.
«Sehr viele Menschen kannten eines der Opfer, die Verstorbenen hatten einen grossen Bekanntenkreis», sagt der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi.

Der ausgebrannte VW Golf am Unglücksort in Rheinfelden. In jener Freitagnacht starben fünf Männer beim Horror-Unfall.

Keystone

«Direkt nach dem Unfall gibt es ein Briefing, bei dem alle Beteiligten auf den gleichen Stand gebracht werden», erzählt er. Etwa auch Personen vom Verkehrsdienst, die weiter weg vom Geschehen aufgehalten hatten.

Bei solch belastenden Fällen finde bei der Feuerwehr ein bis zwei Wochen später eine Nachbearbeitung statt. Dort werden noch einmal die Fakten auf den Tisch gelegt. Ausserdem können die Einsatzkräfte Fragen an den Einsatzleiter stellen. «Man schaut auch, ob einige Leute besonders betroffen sind und führt mit ihnen Einzel- oder Gruppengespräche.» Schlussendlich sei es aber so, dass jeder einzelne die Situation für sich verarbeiten müsse.

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