Hornussen
Den drei Güggeln aus der Kadaverstelle geht es gut – die Polizei geht ersten Hinweisen nach

Ihr Schicksal berührte am Wochenende viele Fricktalerinnen und Fricktaler: In der Tierkadaversammelstelle in Hornussen wurden drei lebende Hähne entdeckt. Sie sind inzwischen in Sicherheit und die Polizei hat die Ermittlungen zur Täterschaft aufgenommen. Mit ihrem Schicksal sind die Güggel derweil nicht allein.

Nadine Böni
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Eine Fussgängerin hörte die Güggel in der Sammelstelle krähen.

Tele M1

King Louie, Forrest Gump und Pavarotti haben eine wahre Odyssee hinter sich. Die drei Hähne wurden am Samstag lebend in der Tierkadaversammelstelle in Hornussen entdeckt, neben ihnen lagen unter anderem zwei tote Artgenossen. Das berichtet der Regionalsender Tele M1.

Inzwischen sind die drei Hähne beim Aargauischen Tierschutzverein untergekommen, der ihnen ihre Namen gegeben hat. «Es geht ihnen gut», sagt dessen Präsidentin Astrid Becker am Montag gegenüber der AZ und fügt mit einem Lachen an:

«Sie fressen, sind zusammen im Gehege unterwegs – und wecken den Nachtdienstmitarbeiter am Morgen mit Krähen.»

Es sei allerdings nicht ganz auszuschliessen, dass sich die Tiere in der Sammelstelle mit Krankheiten angesteckt haben. «Die drei Hähne werden deshalb auch separat gehalten und ihr Gesundheitszustand wird in den nächsten Tagen beobachtet und bei Bedarf zusätzlich untersucht», sagt Maria Gares, Sprecherin des zuständigen Departements Gesundheit und Soziales beim Kanton.

Ermittlungen zur Täterschaft laufen

Wer die Vögel in den Container geworfen hat, ist dabei unklar. «Die Ermittlungen laufen», sagt Werner Bertschi, Chef der zuständigen Regionalpolizei Oberes Fricktal.

«Es gibt erste Hinweise. Diese müssen aber noch verifiziert werden.»

Es käme immer wieder vor, dass Tiere ausgesetzt würden, sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser. Für Schlagzeilen sorgte erst vor wenigen Wochen etwa der Fall von sechs Wüstenrennmäusen, die in Kaiseraugst lebend in einem Grüncontainer entsorgt wurden. Graser: «Solche Fälle zeigen eine fragwürdige ethische Haltung gegenüber Tieren.»

Nicht bemerkt, dass sie noch leben?

Der Halterin oder dem Halter droht in solchen Fällen ein Strafverfahren. «Eine Person macht sich strafbar, wenn sie lebende Tiere in einer Kadaversammelstelle entsorgt oder aussetzt. Dies ist laut Tierschutzgesetz verboten», sagt Maria Gares. Entsprechend ernst nimmt die Polizei solche Vorfälle. Graser sagt allerdings auch:

«Die Ermittlungen gestalten sich in den meisten Fällen sehr schwierig.»

Die in Hornussen gefundenen Hähne weisen allesamt Verletzungen am Kopf auf. Eine These der Polizei ist deshalb, dass ihr Besitzer versucht hatte, sie zu erschlagen und womöglich nicht bemerkte, dass sie noch leben, als er sie in der Kadaverstelle deponierte. Ob das stimmt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Dass versehentlich lebendige Tiere deponiert werden, ist zwar selten, kommt aber auch andernorts vor. Das zeigt eine Umfrage der AZ bei anderen regionalen Sammelstellen. Sowohl in Frick (hier war es ein Huhn) als auch in Möhlin (hier ein Fisch) wurden schon lebendige Tiere in der Sammelstelle entdeckt.

Es handelt sich um Einzelfälle

Bei der Abgabe – beide Sammelstellen sind in der Regel von Werkhofmitarbeitenden betreut – habe niemand bemerkt, dass die Tiere noch lebten, sagen die Verantwortlichen und betonen gleichzeitig: «Es handelt sich um absolute Einzelfälle.» Das bestätigt der Kanton: «Das kommt zum Glück selten vor, das heisst alle drei bis vier Jahre», sagt Maria Gares. Auch in Hornussen hofft man, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholt. Verwaltungsleiter Markus Schlatter sagt:

«Wir hoffen, das ist das erste und letzte Mal gewesen.»

King Louie, Forrest Gump und Pavarotti bleiben derweil vorerst in ihrem provisorischen Daheim beim Aargauischen Tierschutzverein. Sie haben dort das Notfallgehege bezogen und sind gut versorgt. Ihr Schicksal bewegt die Menschen: «Ich habe übers Wochenende viele Whatsapp-Nachrichten erhalten von Menschen, die ihre Geschichte mitbekommen haben. Viele reagieren schockiert, wie so etwas passieren kann», sagt Astrid Becker. «Wir hoffen nun, dass die drei sich schnell erholen und wir dann ein schönes Zuhause für sie finden.»

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