Vorgestern ist die Baubewilligung für das geplante Holzheizkraftwerk in Kaiseraugst abgelaufen. Die Industriellen Werke Basel und die Axpo haben das Projekt letzte Woche beerdigt. Gestern wurde nun bereits ein neues Holzheizkraftwerk-Projekt im Fricktal bekannt. Wird es realisiert, erhält Sisseln eines der grössten Holzheizkraftwerke in der Schweiz. 

Cofely Schweiz und das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) wollen in Sisseln auf dem Gelände der DSM Nutritional Products nämlich rund 60 Millionen Franken in ein Holzheizkraftwerk investieren. Dieses soll jährlich 221 Gigawattstunden Dampf und 48 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien (Biomasse) produzieren. Als Biomasse genutzt werden Restholz aus den Wäldern der Region oder allenfalls unbehandeltes Altholz. Der Dampf wird in das bestehende Netz der DSM eingeleitet. Der Strom, mit welchem rund 17 500 durchschnittliche Haushalte versorgt werden können, soll in das öffentliche Netz eingespeist werden.

DSM muss Heizkraftwerk ersetzen

Zufall sei der Bekanntgabetermin, betonen Philip Wernli, Leiter Kommunikation von Cofely, und ewz-Mediensprecher Harry Graf unisono. Graf erklärt: «Die Projektidee besteht schon seit längerem. Es wurde bei uns intern schon von verschiedenen Instanzen geprüft. Am Mittwoch hat nun der Stadtrat Zürich der Beteiligung an der Projektgesellschaft zugestimmt.» Das Holzheizkraftwerk soll das mit Erdgas und zu einem geringen Teil mit Heizöl betriebene Heizkraftwerk der DSM Nutritional Products ersetzen. «Wir haben verschiedene Optionen geprüft und sind der Meinung, dass wir optimale Partner gefunden haben», betont DSM-Sprecher Alexander Filz.

Ähnlich klingt es auch bei Cofely und ewz. «Die ewz-Energiestrategie sieht vor, im Bereich der erneuerbaren Energien zu diversifizieren», erklärt Harry Graf das Engagement im Fricktal. Für das Holzheizkraftwerk in Sisseln wird eine Projektgesellschaft gegründet, an der Cofely zu 60 Prozent und ewz zu 40 Prozent beteiligt sind. Die DSM stellt das Grundstück zur Verfügung und ist Abnehmerin für den erzeugten Dampf.

Ein weiter Weg bis zum Bau

Das eigentliche Holzheizkraftwerk wird gemäss dem Projekt im bestehenden Kraftwerk errichtet. «Daneben muss aber ein Lager für die Holzschnitzel gebaut werden», so Philip Wernli. Auch dieses Lager kommt auf dem Grundstück zu stehen, das bereits im Besitz der DSM ist. Dennoch ist allen Beteiligten bewusst, dass das Sissler Holzheizkraftwerk noch einen langen Weg vor sich hat. «Wir gehen den Weg Schritt für Schritt», sind sich die drei Mediensprecher einig. Nach jedem Schritt erfolge wieder eine Prüfung des Projekts. Es ist also nicht in Stein gemeisselt, dass das Holzheizkraftwerk auch wirklich gebaut wird. Als Nächstes wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Dann folgt das eigentliche Baubewilligungsverfahren. «Früheste Inbetriebnahme ist im Jahr 2017», betonte Philip Wernli.

Unterstützung durch die Gemeinde

Keine Steine in den Weg legen will dem Holzheizkraftwerk die Gemeinde Sisseln. Man sei über das Projekt informiert worden, sagt Gemeindeammann Rainer Schaub. «Wenn ein Konzern in dieser Grösse in einen Standort investiert, ist das eine gute Perspektive.» Die «bestmögliche Unterstützung» verspricht Schaub der Cofely und dem ewz. «Ein Auge werden wir auf die Umweltverträglichkeit und die Emissionen haben. Gerade, was Lärm und Geruch betrifft, da die Wohngebiete sehr nahe sind», sagt Schaub. Er vertraue aber auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit der DSM: «Man ist sich bewusst, dass der Betrieb nicht irgendwo in der Pampa steht.»