Grossratswahlen
Holt sich die CVP im Bezirk Rheinfelden ihren zweiten Sitz zurück?

Im Bezirk Rheinfelden zeigen sich CVP und SVP hungrig: Sie wollen einen zusätzlichen Sitz.

Thomas Wehrli
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CVP-Politiker Patrick Burgherr will zurück nach Aarau.

CVP-Politiker Patrick Burgherr will zurück nach Aarau.

az/zg

Die SP erlebt bei den Grossratswahlen im Bezirk Rheinfelden ein Flashback: Vor vier Jahren musste sie ihren zweiten Sitz zurückerobern, weil Grossrat Roland Agustoni der SP während der Legislatur den Rücken kehrte und mitsamt seinem (SP-)Sitz zur GLP wechselte. Am 23. Oktober wiederholt sich dieses Spiel, weil Sukhwant Singh, der vor vier Jahren ebendiesen zweiten Sitz für die SP zurückgeholt hatte, Anfang Jahr ebenfalls zur GLP ging.

Die SP will den zweiten Sitz auch diesmal unbedingt zurück. Helfen kann ihr, dass Sukhwant Singh nicht mehr antritt und dass die GLP somit erst recht ein Wunder bräuchte, um den geerbten zweiten Sitz zu halten. Daran mag nicht einmal Bezirksparteipräsident Roland Agustoni so recht glauben, auch wenn er einen zweiten Sitz als «Wunschziel» ausgibt.

Seinen eigenen Sitz zu sichern, ist das primäre Ziel, und dazu will die GLP ihren Wähleranteil von 8,65 (Grossratswahlen 2012) auf 10 Prozent steigern. Denn nur wenn die Grünliberalen im unteren Fricktal zulegen, können sie die Gefahr ganz bannen, dass ihr der Sitz aufgrund der komplexen Sitz-Zuteilungsmethode «Doppelter Pukelsheim», die eine Erstzuteilung der Sitze auf Kantonsebene vornimmt, doch noch abhanden kommt.

Die gleiche Losung – «Wäheranteil erhöhen» – gibt auch Peter Koller, Grossrat und Co-Bezirksparteipräsident der SP, aus. Denn ihren zweiten Sitz holten sich die Sozialdemokraten vor vier Jahren eher knapp zurück, und es soll diesmal nicht wieder eine Zitterpartie werden. Die SP will wählermässig dahin zurück, wo sie vor acht Jahren war: auf gut 19 Prozent. Das bedeutet: Sie muss die 3 Prozent, die sie 2012 eingebüsst hat, zurückholen. «Es wird nicht einfach sein, aber es kann gelingen», ist Koller überzeugt. Die besten Wahlchancen hat neben ihm Claudia Rohrer, die Nummer 2 auf der Liste.

FDP will auf 20 Prozent kommen

Kaum in Gefahr sind die beiden FDP-Sitze, denn die Freisinnigen erleben derzeit auf kantonaler wie auf nationaler Ebene ihren zweiten oder dritten Frühling. Entsprechend forsch formuliert Bezirksparteipräsident Christoph von Büren auch die Zielsetzung: «Wir wollen einen Wähleranteil von 20 Prozent erreichen.» Das entspricht einem Plus von 4 Prozent gegenüber 2012. Trotz (erhofftem) Aufwind bleibt von Büren Realist genug, um zu wissen: Ein dritter Sitz liegt nicht drin. «Dafür müsste es ein wahlpolitisches Erdbeben geben», sagt von Büren – und das zeichnet sich, acht Wochen vor den Wahlen, nicht ab.

Allerdings dürfte diesmal auch das innerparteiliche Beben, das die FDP vor vier Jahren erlebte, ausbleiben: Damals kandidierten die beiden bisherigen Grossräte Hansueli Bühler und Bernhard Scholl für eine weitere Amtsperiode. Bühler wurde gewählt; Scholl allerdings wurde vom Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi, der von Listenplatz 7 aus startete, überflügelt und abgewählt. Da Bühler im Januar 2014 zurücktrat, konnte Scholl als Drittplatzierter nachrücken. Beide, Scholl wie Mazzi, treten wieder an und von Büren ist sich sicher, dass diesmal beide Bisherigen reüssieren werden.

Zugpferd Böni tritt ab

Auf ihr «Schlachtross» verzichten muss die SVP: Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin, tritt nach 20 Jahren von der Grossratsbühne ab. Die Demission wiege schwer, räumt Grossrat und Bezirksparteipräsident Daniel Vulliamy ein. Dennoch geht er davon aus, dass die SVP, die bei den letzten Grossratswahlen im Bezirk 3 Prozent Wähleranteile verloren hat, zulegen und die 30-Prozent-Marke wieder knacken kann. Erklärtes Ziel der SVP ist es, den vierten Sitz, den die Partei 2012 «knapp verpasst hat» (Vulliamy), zu holen.

Auf wessen Kosten dieser Sitzgewinn gehen würde, vermag Vulliamy nicht abzuschätzen. Auf Kosten der CVP wird es sicher nicht sein, denn die Christdemokraten verloren bereits 2012 einen ihrer beiden Sitze. Patrick Burgherr musste damals seinen Grossratssessel räumen – und kehrt nun aller Wahrscheinlichkeit nach Aarau zurück: Er kandidiert erneut und ist nach dem Rücktritt von Regula Bachmann der Spitzenkandidat. Mit dem einen Sitz mag sich Burgherr, der gleichzeitig Bezirksparteipräsident ist, nicht begnügen. «Erklärtes Ziel ist ein zweiter Sitz.» Den Einwand, die CVP sei seit Jahren auf dem absteigenden Ast, kontert er damit, dass mit Gerhard Pfister auf nationaler und Marianne Binder auf kantonaler Ebene ein neuer Wind durch die Partei wehe. Zudem: «Vor vier Jahren verpassten wir den zweiten Sitz um gerade einmal rund 100 Stimmen.»

Geht der Sitz auf Kosten der Grünen? «Sicher nicht», sagt Grossrat und Neo-Bezirksparteipräsident Andreas Fischer. Zwar fehlt den Grünen diesmal ihr regierungsrätliches Zugpferd Susanne Hochuli, und zwar sackten die Grünen bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst im Bezirk auf 5,2 Prozent ab. Doch: «National- und Grossratswahlen lassen sich nicht vergleichen. Die Grünen schneiden bei den Grossratswahlen traditionell besser ab», kontert Fischer. Auch den Hochuli-Effekt sieht er nicht. «Wer die Grünen wählt, tut dies wegen der Themen, die sie vertreten.» Klar ist aber auch ihm: «Im Schlafwagen kommt niemand nach Aarau.»

10 Grossräte

Der Bezirk Rheinfelden stellt 10 Grossräte. Mit drei Vertretern ist die SVP die stärkste Partei. Je zwei Grossräte stellen GLP und FDP, je einen CVP, Grüne und SP. Die SP hatte nach den Wahlen 2012 zwei Sitze, verlor aber einen, weil Sukhwant Singh Anfang Jahr von der SP zur GLP übertrat. Von den amtierenden Grossräten kandidieren für eine weitere Amtszeit: Roland Agustoni (GLP), Andreas Fischer (Grüne), Kathrin Hasler (SVP), Peter Koller (SP), Franco Mazzi (FDP), Bernhard Scholl (FDP) und Daniel Vulliamy (SVP).