Grossratswahlen
Holt die FDP im Bezirk Laufenburg einen zweiten Sitz?

Nur einer der sieben Sitze wird bei den diesjährigen Wahlen neu besetzt: Im Bezirk muss die FDP Adrian Ackermann ersetzen – und hat Lust auf mehr

Thomas Wehrli
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7 Grossräte stellt der Bezirk Laufenburg. CVP und SVP halten je zwei Sitze, FDP, SP und Grüne je einen. Von den sieben amtierenden Grossräten kandidieren Elisabeth Burgener (SP), Gertrud Häseli (Grüne), Werner Müller (CVP), Christoph Riner (SVP), Martin Steinacher (CVP) und Tanja Suter (SVP) für eine weitere Amtszeit.

7 Grossräte stellt der Bezirk Laufenburg. CVP und SVP halten je zwei Sitze, FDP, SP und Grüne je einen. Von den sieben amtierenden Grossräten kandidieren Elisabeth Burgener (SP), Gertrud Häseli (Grüne), Werner Müller (CVP), Christoph Riner (SVP), Martin Steinacher (CVP) und Tanja Suter (SVP) für eine weitere Amtszeit.

Die Ausgangslage für die Grossratswahlen im Bezirk Laufenburg ist klar: Sechs der sieben Bisherigen treten am 23. Oktober wieder an. Nur Adrian Ackermann (FDP) räumt nach 13 Jahren seinen Sessel in Aarau. Der Sitzanspruch der FDP ist unbestritten – zumal die Freisinnigen mit einer starken Liste punkten. Aussichtsreichste Kandidaten sind die beiden Gemeindeammänner Daniel Suter aus Frick und Peter Weber aus Mettauertal. Gewisse Chancen kann sich auch Bruno Tüscher, Gemeinderat in Münchwilen, ausrechnen.

Der FDP, die aus ihrem Dauer-Dornröschenschlaf erwacht zu sein scheint, ist sowohl auf Kantons- wie auf Bezirksebene eine Steigerung gegenüber den letzten Grossratswahlen zuzutrauen. Ersteres ist wichtig, weil bei der Berechnung der Grossratsmandate der sogenannte «Doppelte Pukelsheim» zum Zug kommt, eine komplexe Sitz-Zuteilungsmethode, bei der die Sitzzahl nicht nur vom Bezirks-, sondern auch vom Kantonsergebnis einer Partei abhängt. Der abtretende Ackermann sieht durchaus Chancen auf einen zweiten Sitz – «am ehesten auf Kosten der Grünen».

Diese haben in der Tat bei den Nationalratswahlen 2015 sowohl auf kantonaler wie auf Bezirksebene gegenüber 2011 Wähleranteile eingebüsst. «Die Grossratswahlen lassen sich nicht 1:1 mit den Nationalratswahlen gleichsetzen», entgegnet Gertrud Häseli, deren Grossratssitz Ackermann im Visier hat. Sie glaubt nicht, dass die Grünen geschwächt aus den Wahlen hervorgehen – auch wenn ihr Zugpferd, Regierungsrätin Susanne Hochuli, nicht mehr antritt. Häseli weiss aber auch: Sollten die Grünen wider ihr Erwarten schwächeln und einen Sitz verlieren, muss wohl sie ihr Pult in Aarau räumen. Dies deshalb, weil der Bezirk Laufenburg bevölkerungsmässig der kleinste ist und der Häseli-Sitz damit vom Stimmenpotenzial her der erste ist, der gefährdet ist.

Nervös macht dies Häseli nicht. «Ich rechne nicht mit einer Abwahl.» Sie sieht im Gegenteil ein anderes Duell am Wahlhorizont auftauchen: Jenes zwischen FDP und CVP. Aktuell hält die FDP einen, die CVP zwei Sitze. Die FDP habe mit den beiden Gemeindeammännern zwei starke Zugpferde, die die CVP Stimmen kosten könnten, so Häseli. Zumal es der CVP bislang weder kantonal noch national gelungen ist, den seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen.

Hoffen auf den frischen Wind

Im Bezirk Laufenburg, traditionell eine CVP-Hochburg, kam die Partei bei den Grossratswahlen 2012 zwar noch auf satte 21,91 Prozent der Stimmen. Aber: Das bedeutete ein Minus von knapp 4 Prozent gegenüber den Wahlen 2009. Martin Steinacher, Grossrat und CVP-Bezirksparteipräsident, kontert, dass die CVP ihr Profil seither schärfen konnte – nicht zuletzt dank neuen Leadern. Auf nationaler Ebene übernahm Gerhard Pfister das Zepter und verordnete seiner Partei eine klare Kurskorrektur in Richtung Mitte-Rechts. Auf kantonaler Ebene ist mit Marianne Binder nun eine Präsidentin im Amt, die nach aussen stark präsent ist.

Die klare Ansage von Steinacher lautet denn auch: «Wir wollen die beiden Sitze unbedingt halten.» Entsprechend forciert wird der Wahlkampf; die CVP wird rund doppelt so viele Wahlplakate aufstellen und aufhängen wie vor vier Jahren. Für eine Sitzverschiebung von CVP zu FDP müssten zwei Bedingungen zeitgleich erfüllt sein: Die FDP müsste über sich hinauswachsen und die CVP regelrecht einbrechen. Dieses Szenario scheint, acht Wochen vor der Wahl, wenig realistisch.

Zulegen dürfte neben der FDP auch die SVP. Sie kam bei den Grossratswahlen 2012 im Bezirk Laufenburg auf 33,73 Prozent der Stimmen und gehörte damit erstmals seit langem nicht zu den Gewinnern: 2009 wählten noch 35,2 Prozent die SVP. Christoph Riner, Grossrat und Bezirksparteipräsident, geht zwar ebenfalls von einem Plus aus, er ist aber Realist genug, um zu wissen, dass ein dritter Sitz in weiter Ferne liegt. «Jeder Dritte wählt uns bereits. Da dürfen wir keine grossen Sprünge erwarten.» Wobei: Bei den Nationalratswahlen 2015 kam die SVP im Bezirk Laufenburg auf 40,74 Prozent.

«Sitz halten und Wähleranteil ausbauen», lautet auch die Losung von Rolf Schmid, SP-Bezirksparteipräsident. Beides ist realistisch; für einen zweiten Sitz dürfte es aber nicht reichen.