Laufenburg
Historisch wertvolle Weganlage kam in Laufenburg zum Vorschein

Unerwartete Entdeckung bei der Sanierung der Kirchenmauer und der Abdichtung der Kasematten: Unter dem Mergelbelag, kam eine gepflästerte Weganlage zum Vorschein, die zwischen dem Spätmittelalter und dem 18. Jahrhundert entstanden ist.

Marc Fischer
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Rolf Keel, Roland Schnetzler, Ralph Huber, Cecilie Gut und Philipp Schneider (v.l.) auf der Weganlage mit erhaltenswerter Pflästerung, die bei der römisch-katholischen Kirche in Laufenburg entdeckt wurde.mf

Rolf Keel, Roland Schnetzler, Ralph Huber, Cecilie Gut und Philipp Schneider (v.l.) auf der Weganlage mit erhaltenswerter Pflästerung, die bei der römisch-katholischen Kirche in Laufenburg entdeckt wurde.mf

Marc Fischer

Die Geschichte der Laufenburger Kasematten, einem unterirdischen Gewölbe, das Teil der Stadtbefestigung war, beginnt früh. So früh, dass eine genaue Datierung nicht mehr möglich ist.

«Der Chor der Kirche, dessen Fundament als Gewölbemauern dient, wurde zirka im Jahre 1440 erbaut», führten Philipp Schneider von der kantonalen Denkmalpflege und Cecilie Gut, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie vor Ort aus. Die Kasematten seien deshalb wohl im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden.

«Wer auf dem Rhein Richtung Laufenburg fuhr, hatte sofort die Befestigungsanlage im Blick», erklärte Gut die mittelalterliche Drohkulisse, die von den Schlüsselscharten in der Kasemattenmauer noch verstärkt wurde.

«Einmalig», seien die Laufenburger Kasematten aargauweit. Vor allem sei es auch selten, dass militärische und geistliche Aufgaben so direkt beieinander liegen. Im Zuge der Arbeiten werden die Kasematten eine «Notbeleuchtung» erhalten, damit sie inskünftig besser genutzt und besser in Stadtführungen integriert werden können.

Die Geschichte der Sanierung ist dagegen jünger. «Vor rund drei Jahren stürzte ein Teil der Kirchenmauer ein», erklärte Roland Schnetzler, der Präsident der Kirchenpflege. Den Grund dafür erklärte Philipp Schneider: «Wasser ist zwischen Mauerkern und Mauerschale eingedrungen und hat die Mauer schliesslich unter Frosteinwirkung ‹gesprengt›.»

Den Weg in die Mauer habe das Wasser gefunden, weil die Kasematten zu einem nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkt von innen mit einem Zementputz versehen wurden. Seither lief das Wasser dem Gewölbe entlang in die Mauer.

Neben der Sanierung der Mauer sollten deshalb die Kasematten von oben mittels einer Folie abgedichtet werden. Beim Abtragen des Mergelbelages auf dem Weg, der über das Gewölbe verläuft, machten die Archäologen eine in diesem Umfang unerwartete Entdeckung: Teile einer gepflästerten Weganlage konnten freigelegt werden.

Die hohe technische Qualität und der gute Zustand der Pflästerung seien aussergewöhnlich, erklärte Philipp Schneider. Eine genaue Datierung sei allerdings nicht möglich, führte Cecilie Gut aus.

«Der spezielle Typus der Pflästerung wurde aber nur zwischen Spätmittelalter und dem 18. Jahrhundert angewandt.» Die Pflästerung verlaufe um den Chor der römisch-katholischen Kirche, sei aber so angelegt, dass das Wasser in die sogenannten Speier abfliessen konnte.

Und wie wird die Geschichte nun weitergeschrieben? «Die Weganlage bleibt als historisches Zeugnis erhalten», betont Philipp Schneider. Allerdings nicht sichtbar. Die Abdeckfolie wird nun über der Pflästerung verlegt und anschliessend mit einem Mergelbelag zugedeckt.

«Dadurch verläuft der Weg nach der Sanierung etwa 20 bis 30 Zentimeter höher als vorher», weiss Bauleiter Rolf Keel von der Fischer und Schild AG. Folge davon: Die bestehende Mauerbrüstung ist zu niedrig.

«Es muss auf der Mauer ein Geländer angebracht werden», erklärte Philipp Schneider, in Anbetracht der erhaltenswerten Weganlage sei dies aber gut hinzunehmen.

Die Kosten für die Abdichtung der Kasematten und die Sanierung der Kirchenmauer werden sich am Ende auf rund 460 000 Franken belaufen. Rund 30 Prozent werden dabei durch kantonale Subventionen gedeckt. Für die übrigen Kosten muss die römisch-katholische Kirchgemeinde aufkommen.