Das Fuhrwerk mit den stämmigen Brauereipferden von Feldschlösschen und hoch oben auf dem Bock Viktor Stocker gehören zum Altstadtbild wie Rathaus- oder Storchennestturm. Doch nach 37 Jahren ist Schluss für den «Vik»: Gestern feierte er seinen 65. Geburtstag, lieferte auf der Abschiedstour wie gewohnt Bier und andere Getränke an diverse Beizen. Heute beginnt für den Obermumpfer, der einst Bierbrauer lernte, der wohlverdiente Ruhestand.

An diesem tristen, nebelverhangenen November-Vormittag musste er nochmals Fässer und Kisten schleppen; danach durfte er viele Hände schütteln und freudestrahlend zahlreiche Geschenke entgegennehmen. Auf dem Bierwagen lag seine geliebte Handorgel griffbereit. Beim Halt vor dem Gambrinus in der Marktgasse hatten sich rasch Menschentrauben gebildet, um ein «historisches Ereignis» hautnah mitzuerleben. Gaby Gerber, neue Leiterin Unternehmenskommunikation bei Feldschlösschen, und ihr Vorgänger Markus Werner waren ebenso zugegen wie Kutscherkollegen, die extra Freibier für die Schaulustigen mitgebracht hatten. Viktor Stocker fand keine Zeit für Sentimentalität oder gar Traurigkeit. Wie gewohnt hatte er lockere Sprüche auf Lager, lachte und scherzte.

Stadtammann Franco Mazzi hatte es sich nicht nehmen lassen, «dem hervorragenden Botschafter von Rheinfelden» zu gratulieren. Stocker und sein Team tourten bekanntlich mit dem Sechsspänner durch die ganze Schweiz, zeigten Präsenz an grossen Anlässen, sind bis heute die meistfotografierten Bierkutscher. «Wir werden dich hier im Städtli extrem vermissen», gestand Mazzi erkennbar wehmütig und überreichte eine Geschenkpackung mit dem edlen Stadtwein.

Einen offiziellen Akt gabs dann doch noch: Stocker überreichte seinem Chef Peter Nussbaumer einen dicken Bund mit Schlüsseln, die unter anderem Zugänge zu Getränkelagern oder Bierkellern ermöglichen. Er wünschte sich, dass die Beizentouren durchs Städtli auch künftig erfolgreich verlaufen. Freiweg räumte Nussbaumer ein: «Der letzte Tag darf ruhig etwas anders sein; für uns jedenfalls ist das Ausscheiden von Vik ein grosser Verlust.»

Der Pferdepfleger genoss den Abschied, spielte nochmals auf der Handorgel und trompetete in der Marktgasse. Bescheidenen meinte Stocker: «Ich war ein normaler Stallbursche und Bierkutscher.»