Eiken
Hier schlagen die Feuerwehrherzen höher

Rund die Hälfte der 1306 aargauischen Feuerwehroffiziere absolvieren ihren Weiterbildungskurs im Zivilschutzausbildungszentrum. In eindrücklichen Lektionen wurde praxisnahes Wissen vermittelt.

Paul Roppel
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Die Aargauer Feuerwehroffiziere beobachten in Eiken das Verhalten von Bränden und diskutieren über die richtigen Löschmethoden.

Die Aargauer Feuerwehroffiziere beobachten in Eiken das Verhalten von Bränden und diskutieren über die richtigen Löschmethoden.

Paul Roppel

Walter Bräutigam ist seit 41 Jahren bei der Feuerwehr Rheinfelden an vorderster Front dabei. Als Offizier muss er jährlich den eintägigen Weiterbildungskurs besuchen. Was er diesmal vermittelt bekam, lässt sein Feuerwehrherz höherschlagen.

«Die Lektionen sind sehr interessant und die Experimente äusserst lehrreich», kommt er ins Schwärmen. «Ich habe in den Versuchen Details gesehen, die mir gar nicht bewusst waren und nun für die Praxis eine Hilfe sind», meint der Oberleutnant und Materialwart.

Ein grosses Kompliment macht Andreas Brodbeck, Kommandant der Feuerwehr Augst-Kaiseraugst, den Ausbildungsverantwortlichen der Aargauischen Gebäudeversicherung: «Der Kurs berücksichtigt Wünsche der Feuerwehrpraktiker. Wir haben uns Wissen erarbeitet, das in keinem Reglement zu finden ist».

Wünsche der Basis

Diese Aussagen werden von Kreisexperte André Baur bestätigt. Er ist zuständig für das Fricktal und den Bezirk Brugg mit 320 Offizieren, verteilt auf 27 Feuerwehrorganisationen und 8 Betriebsfeuerwehren.

«Der Kurs ist entstanden aufgrund einer Umfrage, Rückmeldungen und Erkenntnissen an der Einsatzfront», erklärt er auf dem Rundgang auf dem Übungsgelände des Zivilschutzzentrums in Eiken. Dort vermittelt er als Kurskommandant zur Zeit in fünf Kursen zusammen mit seinen acht kantonalen Instruktoren die anregende Wissensvermittlung. Die über 1300 Aargauer Offiziere werden diesmal nur in Eiken und Zofingen instruiert.

Fassadenbrände simuliert

In einem interessanten Experiment werden Fassadenbrände simuliert. Mit dem Brenner werden verschiedenste Isolationsmaterialien befeuert und auf das Brandverhalten beobachtet. Anhand des Beispiels wird ersichtlich, wie aus einem Fettbrand in der Küche über den Dampfabzug und die Aussenisolation ein Fassadenbrand entstehen kann.

Mit der Wärmebildkamera wird das Dämmverhalten der Materialien aufgezeigt und daraus Temperaturtabellen erarbeitet. Es wird auf die Konstruktionsarten und Baumaterialien eingegangen. Faszination lösen auch die Experimente zum Thema Brände in Holzschnitzelsilos aus.

In Glasröhren wird das Abbrennverhalten, die Verkohlung und die Bildung von giftigem und entflammbarem Kohlenmonoxid und Pyrolysegase von Holzsplitter, Schnitzel und Pellets analysiert. Dann wird das Quellverhalten beim Löschen mit Wasser und sogar dessen Sprengwirkung veranschaulicht.

An einer anderen Stelle wird auf die Wirkung von Netzmitteln eingegangen und die Grenzen der Bekämpfung von Elektrobränden erarbeitet. Auch wird die beste Wirkungsweise von den aus unterschiedlichen Gerätschaften aufgebauten Wasserwänden zum Schutz von Nachbargebäuden ausgemessen. Die gut gefüllte Tagesagenda schliessen spannende Experimentalvorführungen zum Thema neue Löschmittel ab.