Stein/Münchwilen
Hier finden Amphibien ein Zuhause

Durch die Renaturierung des Bustelbachs wurde ein neuer Lebensraum für Gelbbauchunken, Geburtshelfer- und Kreuzkröten geschaffen.

Viktor Oeschger
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Der Bustelbach bietet den idealen Lebensraum für Amphibien. ZVG

Der Bustelbach bietet den idealen Lebensraum für Amphibien. ZVG

Der Bustelbach hat seine Quelle im Gebiet Brochmet auf dem Gemeindebann Eiken. Nördlich von Münchwilen unterquert der Bach die Autobahn A3, bevor er auf einer Länge von zwei Kilometern schnurgerade durch das industriell und landwirtschaftlich intensiv genutzte Sisslerfeld in Richtung Rhein fliesst.

Bis zirka Mitte des letzten Jahrhunderts verästelte sich der Bach in der Ebene und versickerte dort in der Regel noch vor dem Erreichen des Rheins. Zur Gewinnung von produktivem Landwirtschaftsland wurde der Bustelbach in den 1940er-Jahren begradigt, kanalisiert und mit einer durchgehenden Betonschale als Sohlensicherung versehen. Die natürliche, weiträumige Bachlandschaft wurde damit zu einem monotonen, gradlinigen Abflusskanal degradiert.

Mit zunehmender Erkenntnis, dass ein derartiger Kanal seine natürlichen Funktionen wie der Lebensraumvernetzung, der Landschaftsgliederung, der Naherholung oder dem Hochwasserschutz nur noch beschränkt wahrnehmen kann, hat der Kanton in den letzten Jahrzehnten viele Bäche revitalisiert. Diese Einsicht ist in den 1990er-Jahren auch in die Nutzungsplanungen der Gemeinden Stein und Münchwilen eingeflossen, indem für den Bustelbach eine durchgehende, durchschnittlich 20 Meter breite Renaturierungszone verankert wurde.

Vor rund sechs Jahren begann der Kanton als Bacheigentümer diese Vorgaben auch für den Bustelbach in die Tat umzusetzen. Er beauftragte das Ingenieurbüro Koch und Partner, Laufenburg, mit der Ausarbeitung eines Renaturierungskonzepts und eines Vorprojektes. Dieses sah vor, den Bustelbach aus seiner Betonschale zu befreien und ihm in Anlehnung an seine ursprüngliche Ausprägung wieder ausreichend Platz einzuräumen. Zwecks Lebensraumaufwertung wurden entlang dem neuen Gerinne mehrere seichte Tümpel sowie Stein- und Asthaufen konzipiert.

Bei den örtlichen Naturschutzfachleuten stiessen diese Ideen vorerst auf Skepsis. Insbesondere kam die Befürchtung auf, dass der Bach ausserhalb der Betonschalen sofort versickern würde. Nach reichlich Überzeugungsarbeit wurde dann im Jahr 2014 das Bauprojekt ausgearbeitet und nach erteilter Baubewilligung im Mai 2016 mit dem Bau begonnen.

Naturnahes Gerinne angelegt

Vorerst wurde ein naturnahes, mäandrierendes Gerinne angelegt. Mit unterschiedlichen Gerinnebreite, Böschungsneigungen und Wassertiefen. Mit Störsteinen wurde dem neuen Bachlauf Strukturvielfalt im und am Wasser verliehen. Nach der Umleitung in das neue Gerinne wurde die Betonschale entfernt. Auf zwei Abschnitten wurde das Bachareal ausgeweitet, und mit dem flächigen Humusabtrag wurden magere, pflegeextensive Rohbodenverhältnisse geschaffen. Auf diesen Flächen wurden drei grosse, seichte, sich rasch erwärmende Tümpel erstellt und dazwischen eine Magerwiesenmischung eingesät. In Ergänzung mit den ebenfalls neu angelegten Kleinstrukturen bieten diese Areale heute den idealen Lebensraum für Amphibien wie Gelbbauchunken, Geburtshelfer- oder Kreuzkröten.

Artenreiche Flora und Fauna

Diese Naturoase mit ihrer artenreichen Flora und Fauna sowie der Dynamik des Wassers soll auch für die Menschen erlebbar sein, das heisst: der Naherholung dienen. Zu diesem Zweck wurde am Rand eine kleine hölzerne Aussichtsplattform geschaffen. Der bereits früher bestandene Naturlehrpfad des Naturschutzvereins Stein wurde durch diesen aufgefrischt und mit neuen Informationstafeln versehen. Drei bestehende Bachübergänge wurden abgebrochen und durch hochwassersichere ersetzt.

Rund drei Viertel der Gesamtkosten tragen Bund und Kanton, den Rest decken die beiden Gemeinden Stein und Münchwilen sowie die angrenzende Firma Kies und Beton Münchwilen AG. Mit dem allseits ökologischen Werk im dicht genutzten Sisslerfeld kann der Natur ein Mosaikstein ihrer Ursprünglichkeit zurückgegeben werden – auch zum Wohl der erholungssuchenden Menschen.

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