Es waren andere Zeiten. Damals, im Sommer 1989, hatten drei junge Mütter aus Laufenburg die Vision, eine Einrichtung zu gründen, in der sich 3- bis 5-jährige Kinder unter Betreuung einer ausgebildeten Leiterin regelmässig treffen, zusammen spielen, basteln, malen, musizieren und toben. Sarah Laneri sitzt am Tisch ihres Wohnzimmers und hält den fast 30-jährigen Zeitungsbericht in der Hand. Die schwarzen Lettern auf dem vergilbten Hintergrund erzählen die Geschichte jener Frauen, die dafür sorgten, dass der Verein Heugümper Laufenburg, den Laneri präsidiert, heuer sein 25-Jahres-Jubiläum feiert.

«Den drei Frauen war bewusst, dass ausserhäusliche Kontakte mit Gleichaltrigen wichtig für die Entwicklung des Kindes sind», sagt Laneri. Die Frauen hatten es jedoch schwer, geeignete Räumlichkeiten, Spielmaterial und die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben. So waren Spielgruppen Ende der 1980er-Jahre umstritten. Auch, weil man damals noch zu wenig über den pädagogischen Wert dieser Kinderbetreuung wusste. Vielmehr jedoch, weil die Abgabe des eigenen Kleinkindes für zwei oder drei Stunden das klassische Rollenbild einer Mutter, das so manch einer vertrat, konterkarierte – «Was? Du gibst dein Kind in fremde Hände? Rabenmutter.» Laneri zuckt mit den Schultern. «Es waren andere Zeiten. Damals.»

Zeiten ändern sich

Doch die Zeit Schritt voran und mit ihr die Spielgruppenbewegung. Die Spielgruppe in Laufenburg war Anfang der 90er Jahre, damals untergebracht im reformierten Kirchgemeindehaus, die einzige in der Region. Dies führte dazu, dass nach und nach Kinder aus den umliegenden Gemeinden in die Laufenburger «Spigru» kamen. Damit einher ging, dass man immer mehr auf die Anerkennung und Unterstützung der Gemeinde und der Institutionen zählen durfte. Mit der Vereinsgründung am 8. April 1993 bekam die Laufenburger Spielgruppe ihren heutigen Namen: Heugümper.

Zeitsprung. Heute sei es so, dass die eine oder andere Kindergärtnerin dem Verein für seine Arbeit ein Kränzchen winde, sagt Laneri. «Man bekommt manchmal von den Kindergärtnerinnen zu hören, dass man es einem Kind anmerke, ob es in einer Spielgruppe war.» Denn so entdecke das Kind in der Spielgruppe seine eigenen Ressourcen, seinen Selbstwert, entwickle spielerisch die Sprache, lerne zuzuhören, eigene Ansichten zu vertreten und andere zu akzeptieren. «Beim Eintritt in den Kindergarten macht sich dies daran bemerkbar, dass die Kinder eher in der Lage sind, ruhig im Erzählkreis zu sitzen oder geduldig zu sein, wenn das favorisierte Spielzeug durch ein anderes Kind belegt ist», erklärt Laneri. Die Chance, dem Kind diesen Schritt zu ermöglichen, um in einer Gruppe von Gleichaltrigen auf eigenen Beinen zu stehen und dabei soziale Kompetenzen zu entwickeln, sei denn auch das Motiv, weshalb Eltern ihre Kinder für die Spielgruppe anmeldeten.

28 Kinder sind es derzeit. Drei Mal pro Woche treffen sie sich, um in der Innenspielgruppe zu singen, basteln, kneten oder zu malen. Einmal pro Woche findet die Naturspielgruppe statt. Hier geht es darum, die Natur mit allen Sinnen zu erleben. «Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft den Bezug und den Kontakt zur Natur verliert, schätzen die Eltern, dass ihre Kinder in der Naturspielgruppe Käfer beobachten, Vögeln zuhören und ihren Drang nach Bewegung ausleben können», sagt Laneri.

Vorarbeit für den Kindergarten

Obwohl der Verein «frühkindliche Erziehungsarbeit» leiste und damit die Arbeit der Kindergärtnerinnen ein wenig erleichtere, erhalte man keine staatlichen Zuschüsse und müsse «die Finanzen beisammen» halten. «Unsere Gruppenleiterinnen und Auslagen finanzieren wir über Beiträge und Spenden», sagt Laneri. Klagen will sie jedoch nicht – im Gegenteil. «Wir sind der Gemeinde dankbar, dass wir in diesem Monat die Räumlichkeiten im neuen Kindergarten Vogtsmatte beziehen konnten. Vorteilhaft am neuen Kindergarten sei nicht nur die moderne Aufmachung, sondern auch, dass es dort ruhiger sei als am alten Standort, dem Kindergarten Dürrenbächli. Die leise Geräuschkulisse wirke sich positiv auf das Gemüt der Kinder aus. Insgesamt seien diese und auch der Verein «schon sehr glücklich» mit den neuen Räumlichkeiten. So wünscht sich denn auch Laneri für die Zukunft nicht viel – nur: «Es soll so bleiben, wie es ist.»