150 Schildkröten in Kisten und Terrarien hat der 82-jährige Hansruedi Thommen in seinem Gewächshaus in Möhlin stehen. Seit dem Tod des Schildkrötenbesitzers enerviert sich Thommen über die «nicht tragbare» Tierhaltung in seinem Gewächshaus.

«Die Tiere haben so wenig Platz, dass sie sich in den Kisten kaum drehen können», sagt er. Auch, dass die zuständigen Behörden sowie Angehörigen des Verstorbenen «nicht in die Gänge kommen», um einen besseren Platz für die Schildkröten zu finden, stösst ihm sauer auf. Er habe zudem die Erbberechtigten zur Zahlung der Miete von 2000 Franken aufgefordert.

«Sie sagten zu mir, dass das nicht ihr Problem sei», so Thommen. Die Frage, die ihn jedoch am meisten beschäftigt, ist diejenige, wo die Tiere zukünftig untergebracht werden sollen.

Die Antwort gibt Cäcilia Hersche, die Schwester des verstorbenen Schildkrötenliebhabers. «Wir haben Anfang Januar viele Telefonate geführt, um ein neues Zuhause für die Tiere zu finden. Schliesslich ist es uns gelungen, die meisten der Schildkröten an Bekannte meines Bruders aus dem Verein der Schildkrötenfreunde Basilienses in Liestal zu vermitteln», so Hersche.

Alleine mit 150 Schildkröten

27. Januar 2017: Alleine mit 150 Schildkröten

Der Fricktaler Hansruedi Thommen weiss nicht mehr weiter. Weil sein Mieter verstorben ist, sitzt er nun auf 150 verwahrlosten Schildkröten.

Warten auf das Erbschaftsamt

Den Vorwurf von Thommen, dass die Angehörigen nicht in die Gänge gekommen seien, kann Hersche nicht verstehen. So hätten sie und andere Angehörige bereits vier Tage nach dem Tod des Schildkrötenbesitzers eine Inventarliste der Tiere für das Erbschaftsamt angefertigt.

Zudem habe man ein Team aus zehn Leuten zusammengestellt, die sich um die Tiere kümmern. «Die Tiere sind bereits in grössere Kisten gesetzt worden und alle zwei Tage kommt jemand in das Gewächshaus, um die Schildkröten zu füttern», so Thommen. Dem Vorwurf der «nicht tragbaren» Haltung entgegnet Thommen damit, dass sich die meisten Tiere derzeit im Winterschlaf befänden und dadurch genügend Platz in den Kisten hätten.

Mit bis zu mehreren hundert Kilogramm Beisskraft pro Quadratzentimeter zermalmt eine Schnappschildkröte selbst die Panzer ihrer Artgenossen.

Mit bis zu mehreren hundert Kilogramm Beisskraft pro Quadratzentimeter zermalmt eine Schnappschildkröte selbst die Panzer ihrer Artgenossen.

«Nun warten wir nur noch auf die Freigabe des Erbschaftsamtes, damit die Tiere ihren Besitzer wechseln können», sagt Hersche. Falls nach dem Verkauf der Schildkröten noch Geld übrig bleiben sollte, werde man die ausstehende Miete bei Thommen selbstverständlich bezahlen.

Letztendlich geht es Hersche genau wie ihren Bruder darum, dass es den Tieren gut geht. «Mein Bruder hat mit 13 Jahren angefangen, Schildkröten zu halten, weil er es nicht ertragen konnte, dass andere Rotwangen-Schildkröten in einem Joghurt-Becher gehalten haben», erzählt Hersche. Im Laufe der Zeit seien immer mehr Schildkröte in den Besitz ihres Bruders gekommen. «Ich will nicht verhehlen, dass er zum Schluss aufgrund seiner Krankheit etwas überfordert war, er wollte jedoch immer nur das Beste», sagt Hersche.

Tierhaltung wurde inspiziert

Mitarbeitende des kantonalen Veterinärdienstes haben vor einigen Tagen die Tierhaltung in Möhlin inspiziert. «Die fachkundige Betreuung der Tiere ist sichergestellt», so Erika Wunderlin, Kantonstierärztin des Departements Gesundheit und Soziales.

Doch was wäre eigentlich passiert, wenn sich die Erben nicht um neue Plätze für die Schildkröten gekümmert hätten? «In diesem Fall hätte das Konkursamt einspringen müssen. Dieses wäre letztendlich auch dazu befugt gewesen, die Tiere einzuschläfern», sagt Rechtsanwalt Lukas Berger vom Rechtsdienst des Schweizer Tierschutzes.

Dass es jedoch so weit gekommen wäre, ist unwahrscheinlich. So hat auch die Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz (Sigs) vom Schicksal der 150 Schildkröten aus dem Möhliner Gewächshaus erfahren und in einem E-Mail ihre Vereins-Mitglieder um Unterstützung gebeten. «Ich denke, dass wir schnell einige Plätze für die Schildkröten bei unseren Mitgliedern gefunden hätten. Einige haben ja schon bereits zugesagt, Tiere aufnehmen zu wollen», sagt Ruth Huber, Präsidentin der Sigs-Sektion Aargau.