Herbstmesse
Endlich wieder Stress: Der Rheinfelder Marktfahrer Claudio Meier geniesst die Basler Mäss in vollen Zügen

Nach der coronabedingten Absage im vergangenen Jahr findet die Basler Herbstmesse dieses Jahr wieder statt. Mittendrin: der Rheinfelder Marktfahrer Claudio Meier mit seinen Duftkerzen. Er ist zufrieden mit der ersten Messe-Woche – nur etwas nervt ihn: «Dufttester».

Thomas Wehrli
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Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr ist Claudio Meier dieses Jahr wieder an der Basler Herbstmesse auf dem Petersplatz.

Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr ist Claudio Meier dieses Jahr wieder an der Basler Herbstmesse auf dem Petersplatz.

Zvg (7. November 2018)

Ihn zu erreichen, ist derzeit äusserst schwierig: Das Telefon zu Hause läutet permanent ins Leere, das Handy ist ausgeschaltet. «Ich bin total im Stress», ist denn auch das Erste, was Claudio Meier am Freitagmorgen am Telefon sagt.

Es scheint allerdings ein guter Stress zu sein, denn Meier tönt am Telefon ausgesprochen aufgestellt. Ist er auch, wie er sagt, denn es ist Messezeit in Basel – und Meier ist damit in seinem Element. Wie seit einigen Jahren hat Meier, der in Rheinfelden eine Geschenkboutique betreibt, auch in diesem Jahr auf dem Petersplatz einen Stand und verkauft dort Duftkerzen und anderes.

Ist er nicht gerade an der Herbstmesse, verkauft Claudio Meier in der Rheinfelder Marktgasse Duftkerzen, Geschenkartikel und Dekoratives.

Ist er nicht gerade an der Herbstmesse, verkauft Claudio Meier in der Rheinfelder Marktgasse Duftkerzen, Geschenkartikel und Dekoratives.

Nadine Böni (1. März 2021)

«Die Messe ist gut gestartet», freut sich Meier, der wegen Corona diesmal sogar noch etwas mehr Duftkerzen als sonst eingekauft hat. Er ist überzeugt:

«Die Menschen haben wegen Corona ein stärkeres Bedürfnis, sich zu Hause etwas zu gönnen.»

Die ersten Tage geben ihm da recht. «Das Wochenende war spitze», blickt er zurück. Am Montag und Dienstag habe die Frequenz dann spürbar nachgelassen. «Seit Mittwoch zieht es aber wieder an.» Und eben: Jetzt steht wieder ein Wochenende vor der Tür, die hohe Zeit der Messe. Etwas Sorgen machen ihm allerdings die Wetterprognosen. Sie verheissen für das Wochenende wenig Gutes. «Wenn es wirklich regnet, kommen weniger Leute», weiss er aus Erfahrung.

Keine Zertifikatspflicht auf dem Petersplatz

Auch wegen Corona? Es habe vielleicht etwas weniger Besucherinnen und Besucher als in anderen Jahren, sagt Meier. Gross sei der Unterschied aber nicht. Und von Einschränkungen wegen Corona bleibe man auf dem Petersplatz zum Glück weitgehend verschont. Denn der Petersplatz ist ein Markt und für ihn gilt als einzigen Standort der Herbstmesse keine Zertifikats- und auch keine Maskenpflicht.

«Darüber bin ich sehr froh, denn so kommen noch einige Menschen mehr, als wenn sie ein Zertifikat benötigen würden.»

Meier selber zieht sich eine Maske an, wenn Kundschaft an den Stand kommt. So will es die Regel. «Wir Marktfahrenden sind angehalten, eine Maske zu tragen, wenn wir den Abstand von 1,5 Meter nicht einhalten können», sagt er. Dies sei bei seinem kleinen Stand nicht immer möglich. «Und eine Busse will ich nicht riskieren.»

Seiner guten Stimmung tut dies keinen Abbruch: «Es ist einfach wunderbar, dass die Messe in diesem Jahr wieder stattfindet.» Im letzten Jahr fiel sie coronabedingt aus. Und Meier hat beobachtet:

«Man merkt den Besucherinnen und Besuchern an, dass sie sich freuen. Die Leute sind gut drauf. Das passt so.»

Was ihm weniger passt, sind Leute, die seinen Stand als «Duftberatungsstelle» nutzen. «Gestern kam jemand an den Stand, der sagte mir glatt ins Gesicht: Ich möchte nur an den Kerzen riechen, bestellen werde ich sie dann online in einen Shop, weil es dort etwas billiger ist.» Dass sich Leute so verhalten, weiss Meier natürlich – «aber das man mir das dann auch noch direkt ins Gesicht sagt, das hat mich dann schon geärgert».

Positive Rückmeldungen geben Kraft

Der Ärger verflog allerdings schnell wieder. Ein gutes Ventil dafür sind neben vielen positiven Erlebnissen und Rückmeldungen von der Kundschaft auch die Gespräche mit den Standnachbarn. «Wir haben es gut untereinander», sagt Meier.

Ein Ritual ist dabei, dass sie zusammen am Morgen vor dem Start einen Kaffee trinken. Und sich unterhalten. Über was? «Corona und die Impfung sind natürlich oft Thema», sagt Meier. Und dass man nicht mehr in die nahe Mensa gehen und sich etwas zu essen oder zu trinken kaufen kann, weil der Zutritt wegen Corona auf Mitarbeitende und Studierende beschränkt ist.

Am Abend sinkt Meier erschöpft ins Bett

Aber eben. Meier will nicht klagen. Und ist im Stress. Und muss nun los. Er pendelt in diesem Jahr mit dem Auto zwischen Rheinfelden und Basel. Corona spiele sicher mit, sei aber nicht der Hauptgrund, dass er das Auto nehme, sagt Meier.

«Ich muss jeden Tag Nachschub mit nach Basel bringen und die Duftkerzen haben doch ein ordentliches Gewicht.»

Da ist er froh, sie nicht durch die Stadt schleppen zu müssen. Ihn stört es auch nicht, dass er im Morgenverkehr oft etwas länger braucht, als wenn er mit Zug und Tram anreisen würde. «Dafür bin ich am Abend dann deutlich schneller zu Hause.» Um acht Uhr schliesst er jeweils den Stand und fährt ostwärts Richtung Fricktal.

Und zu Hause? Meier schmunzelt. «Da sinke ich jeweils erschöpft ins Bett.» Zufrieden auch – und voller Erwartung, was der nächste Tag bringt. Das Handy bleibt derweil ausgeschalten.

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