Herbstmesse
«Die Handbremse ist gelöst» – wie Fricktaler Keramikerinnen die Basler Herbstmesse erobern wollen

Am 23. Oktober startet in Basel die 550. Herbstmesse. Mit dabei sind auch wieder viele Fricktaler Künstlerinnen und Schausteller. Wie geht es ihnen so kurz vor der Messe? Sie freuen sich riesig und sind gestresst. Und auch das freut sie, denn es ist ein Produktionsstress.

Thomas Wehrli
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Maya Skillman aus Magden nahm 2017 erstmals an der Herbstmesse in Basel teil.

Maya Skillman aus Magden nahm 2017 erstmals an der Herbstmesse in Basel teil.

zvg/FRI

Zwei Worte fallen bei den Telefonaten mit drei Fricktaler Keramikerinnen, die ab dem 23. Oktober an der Basler Herbstmesse ihre Produkte feilbieten, immer wieder: Stress und Riesenfreude. Die Riesenfreude ist da, weil nach dem Ausfall im letzten Jahr nun endlich wieder eine Messe stattfindet. Der Stress, weil «ich noch voll am Produzieren bin», sagt Maya Skillman aus Magden und Stefana de Francesco aus Rheinfelden ergänzt:

«Es ist aber ein angenehmer Stress, denn es geht darum, genügend Waren für Basel zu haben.»

Solange nicht klar war, ob die Herbstmesse wirklich stattfindet, habe sie mit angezogener Handbremse produziert und den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Kurse gesetzt, so de Francesco. Das hat sich geändert, seit definitiv klar ist, dass die 550. Herbstmesse stattfindet. Seither gilt bei ihr wie den anderen Keramikkünstlerinnen:

«Die Handbremse ist gelöst und nun wird auf Hochtouren produziert.»

Die Vorfreude ist auch bei Carolyn Metzger aus Möhlin gross. «Ohne die Herbstmesse fehlt einfach etwas im Jahresrhythmus», sagt sie. Sie selber ist gut durch die Coronazeit gekommen – und hat eine grosse Solidarität von den Menschen gespürt. «Ich hatte sehr viele Bestellungen und konnte so meine Produkte doch verkaufen.»

Lokale Märkte organisiert

Stefana de Francesco hat die Zeit als «Wechselbad der Gefühle» erlebt. Wenn die Coronazahlen runtergingen, keimte Hoffnung, dass wieder mehr Normalität möglich ist – wenn sie stiegen, verflog die Hoffnung wieder. Das machte auch das Planen und Produzieren schwierig. Denn:

«Man weiss ja nicht, ob es Sinn macht, das Lager zu füllen – und ob man dann, wenn man wieder verkaufen kann, auch aktuell nachgefragte Produkte hat.»

Absatzkanäle waren in den letzten Monaten neben Bestellungen auch lokale Märkte, welche die Töpfer organisiert hatten. «Wir haben versucht, jede Möglichkeit auszunutzen», sagt Stefana de Francesco. Sie verhehlt aber auch nicht: «Die Einnahmen waren niedriger als vor Corona.» Zumal an diese lokalen Märkte nicht alle kamen. «Bei vielen Kunden spürte man eine Zurückhaltung, auf Märkte zu gehen.»

Keine Zertifikatspflicht auf dem Petersplatz

Während an den übrigen Standorten der Herbstmesse Zertifikatspflicht gilt, ist der Petersplatz, wo auch der «Häfelimärt» zu Hause ist, davon ausgenommen – dies, weil er unter die Kategorie Markt fällt. Auch eine Maske muss nicht getragen werden. Maya Skillman ist froh, dass für den Markt keine Zertifikatspflicht gilt. Denn:

«Das vereinfacht vieles.»

Diese Einschätzung teilt Stefana de Francesco. Sie rechnet aber nicht damit, dass mehr Leute kommen, nur weil keine Zertifikatspflicht herrscht. «Es hält aber Menschen nicht von einem Besuch ab, die ein Problem mit dem Zertifikat haben.»

Für Carolyn Metzger aus Möhlin ist die Herbstmesse ein wichtiger Kanal, um an Leute heranzukommen.

Für Carolyn Metzger aus Möhlin ist die Herbstmesse ein wichtiger Kanal, um an Leute heranzukommen.

Rael Probst (3. November 2016)

Insgesamt rechnet sie mit weniger Besuchern als in anderen Jahren. «Es wird ein paar Jahre dauern, bis es wieder so ist wie vorher.» Allerdings weiss sie auch: Es ist die Messe der Basler – und die lassen sie sich nicht nehmen, schon gar nicht nach einem Jahr Zwangspause.

Die coronakonforme Maus

Carolyn Metzger hofft ebenfalls, dass die Messe ein Erfolg wird. Zumal gerade die Basler Messe ein ganz wichtiger Kanal sei, um an die Leute heranzukommen. Sie wartet an der Messe mit einem speziellen Tier auf: einer Apéro-Maus. Metzger lacht:

«Die Maus ist coronakonform.»

Denn dank der Maus kommt jeder an Erdnüsse heran, ohne sie anfassen zu müssen. Und das geht so: Man befüllt die Maus mit Erdnüssen und bekommt sie, wohldosiert, aus dem Maul serviert. Metzger sah die Maus vor einiger Zeit einmal bei einem anderen Künstler, erinnerte sich in der Coronazeit an sie und begann mit der Produktion. Ihr Fazit:

«Die Apéro-Maus hat bei den Kunden eingeschlagen wie eine Bombe.»

Dass das Geschäft läuft, das wünschen sich alle drei Fricktalerinnen. «Ich hoffe, dass die Menschen einen Nachholbedarf haben und wieder einmal einen Markt erleben wollen», formuliert es Stefana de Francesco und Maya Skillman sagt:

«Ich freue mich riesig auf ein Stück Normalität und darauf, den Menschen am Stand zu begegnen.»

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