Zeiningen
Herbert Lützelschwab kritisiert den Hochwasserschutz

Er hält die Rückhaltebecken am Möhlinbach für «völlig überdimensioniert». Den beiden Rückhaltebecken, die rund 5.5 Millionen Franken kosten, hätten die Bürger allzu locker zugestimmt.

Dennis Kalt
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«Vor einem Tsunami müssen wir uns nicht schützen.» (Archivbild)

«Vor einem Tsunami müssen wir uns nicht schützen.» (Archivbild)

Thomas Wehrli

«Die Hochwasserschutzmassnahmen des Kantons sind völlig überdimensioniert», kritisiert der Zeininger Einwohner Herbert Lützelschwab. Konkret bezieht er sich auf die beiden Rückhaltebecken zwischen Zeiningen und Möhlin sowie Zuzgen und Hellikon, die mit rund 5,5 Millionen Franken ins Gewicht fallen und bis zum Spätsommer fertiggestellt sein sollen. «Unsummen an Geldern werden ausgegeben und die Bürger stimmen den Krediten allzu locker zu», sagt Lützelschwab und argumentiert dabei, dass die Grösse des Rückhaltebeckens oberhalb von Möhlin «nicht auf vernünftigen Annahmen», sondern auf einem «utopischen Schadenszenario» basiere.

Der Damm des Rückhaltebeckens in Zeiningen ist inzwischen fertig.

Der Damm des Rückhaltebeckens in Zeiningen ist inzwischen fertig.

Zur Verfügung gestellt

So diente als Planungsgrundlage für den Bau des Rückhaltebeckens oberhalb von Möhlin ein Hochwasser-Spitzenabfluss von 28,5 Kubikmetern pro Sekunde. Das Fassungsvermögen beträgt 155 000 Kubikmeter Wasser. Gleichzeitig lässt es eine maximale Abflussmenge von 15 Kubikmetern pro Sekunde in den Möhlinbach zu, was einem 30-jährlichen Hochwasser entspricht. Dies bedeutet, dass das leere Becken bei einem Zustrom von 30 Kubikmetern pro Sekunde innerhalb von sechs Stunden bis zum Rand voll ist.

Becken gegen «Tsunami»?

«Das Berechnungsmodell hat den Bogen eindeutig überspannt, weil es im schlimmsten Fall von einem Tsunami ausgeht. Und vor einem Tsunami müssen wir uns nicht schützen», führt Lützelschwab aus. Thomas Gebert von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer hält dagegen: «Die Dimensionierung für die Rückhaltebecken wurde anhand der Gefahrenkarte Hochwasser, statistischen Werten von Abflussdiagrammen sowie der Topografie vorgenommen.» Zudem habe man sich bei der Planung an die Vorgabe des Bundes gehalten, die vorschreibt, dass ein Rückhaltebecken für ein 100-jährliches Hochwasser ausgelegt werden muss. Hingegen hätte Lützelschwab es für sinnvoll erachtet, als Planungsgrundlage für das Becken, einen Zustrom von 15 Kubikmetern – also die Hälfte – heranzuziehen.

Massnahmen am Fluss zu teuer

Für noch besser hätte es der Zeininger erachtet, wenn die unmittelbaren Anwohner des Möhlinbachs durch Massnahmen am Fluss selbst geschützt worden wären: «Dies hätte die Rückhaltebecken überflüssig gemacht», sagt Lützelschwab.

Gebert entgegnet: «Wir haben diese Möglichkeit kurz geprüft. Diese wäre jedoch nicht nur erheblich teurer geworden, sondern hätte auch einen immensen Aufwand produziert.» So hätte man Quartierstrassen verlegen, Brücken neu anpassen, einen Bach-Tunnel vergrössern, die Bachsohle vertiefen und einige Vorgärten von Anwohnern für den Ausbau des Bachlaufs verwenden müssen.

Projekt Hochwasserschutz Möhlintal

Gesamtkosten: 11,5 Millionen Franken

Die Bauarbeiten an den beiden Hochwasserrückhaltebecken sollen bis im Spätsommer abgeschlossen sein. Die Kosten für die Rückhaltebecken betragen zusammen rund 5,5 Millionen Franken. Die Gesamtkosten für den Hochwasserschutz Möhlintal belaufen sich auf 11,5 Millionen Franken. Den Löwenanteil übernehmen Bund und Kanton, die Gemeinden müssen sich mit 3,8 Millionen Franken beteiligen. Für das Rückhaltebecken in Zeiningen wird ein 240 Meter langer Damm mit einer Maximalhöhe von vier Metern erstellt. Ein Durchlass erlaubt bei Hochwasser einen Abfluss von höchstens 15 Kubikmeter pro Sekunde. Das Becken fasst 155 000 Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: Das sind über
60 olympische Schwimmbecken.
Beim Becken zwischen Zuzgen und Hellikon ist der Damm 90 Meter lang, der maximale Durchfluss beträgt neun Kubikmeter pro Sekunde und
das Becken fasst rund 42 000 Kubikmeter. (DKA)

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