Frick
Herausforderungen in der Digitalisierung: Mitarbeiter sind Ich-Unternehmer

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Professor Heinz Schüpbach brachte Gewerbevertretern das Thema aus arbeitspsychologischer Perspektive näher.

Horatio Gollin
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Moderator Christoph Grenacher leitete die Podiumsdiskussion mit Heinz Schüpbach, Daniel Suter, Kurt Schmid und Markus Dieth (v.l.).

Moderator Christoph Grenacher leitete die Podiumsdiskussion mit Heinz Schüpbach, Daniel Suter, Kurt Schmid und Markus Dieth (v.l.).

Horatio Gollin

Den Netzwerkanlass «Treffpunkt Gewerbe» stellte der Verein Gewerbe Region Frick-Laufenburg unter das Thema «Meine Mitarbeiter und ich – das Unternehmen». Der Kinosaal in Fricks Monti füllte sich mit zahlreichen Unternehmensvertretern, die gespannt dem Referat von Professor Heinz Schüpbach, Direktor der Hochschule für angewandte Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, und der anschliessenden Podiumsdiskussion folgten. Von der Fragestellung, wie Mitarbeiter motiviert werden können, ist praktisch jedes Unternehmen betroffen, sodass kaum ein Sitzplatz frei blieb. Durch den Abend führte Moderator Christoph Grenacher.

Schüpbach beschäftigt sich seit Jahren mit Fragestellungen der Arbeits- und Organisationspsychologie. Er führte aus, dass Unternehmen im 21. Jahrhundert nicht hierarchisch, sondern wie Netzwerke zu betrachten seien. In Netzwerkunternehmen gelte es, die Mitarbeiter zu Mitunternehmern zu machen, ihnen Flexibilität, Entscheidungs- und Handlungsspielräume zu ermöglichen. Essentiell in der Wertschätzung der Mitarbeiter ist für Schüpbach, dass sie nicht durch Vorgaben, sondern durch Zielvereinbarungen geführt werden. Diese sollten genau definiert und realistisch sein, dürften dabei durchaus anspruchsvoll sein. «Die Aufgabe der Führung besteht darin, die Mitarbeitenden beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen», so Schüpbach.

Im Rahmen der Digitalisierung habe sich die Arbeitswelt zu einer VUCA-Welt entwickelt. Unter der englischen Abkürzung VUCA werden die Herausforderungen Volatilität (Flüchtigkeit von Trends und Chancen), Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Vieldeutigkeit) zusammengefasst, denen sich Unternehmen im 21. Jahrhundert stellen müssen. «Die Mitarbeiter sind gewissermassen Selbstunternehmer, Unternehmer in eigener Sache», so Schüpbach, der ausführte, dass in der VUCA-Welt ein neuer psychologischer Vertrag gelte: Für viele Mitarbeiter sei die Steigerung ihres Unternehmenswertes durch Weiterbildungen wichtiger als eine lebenslange Stelle. «Zufriedenheit spielt nicht mehr die oberste Rolle, die Leute wollen weiterkommen», so Schüpbach.

Was motiviert für Fortbildungen?

An der Podiumsdiskussion im Anschluss beteiligten sich neben Schüpbach auch Regierungsrat Markus Dieth, Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands, und Gemeindeammann Daniel Suter, der auch Geschäftsführer der Suter Champignons AG ist. Schmid erachtete es als ein Problem, dass sich nicht alle Mitarbeiter motivieren liessen oder Interesse an Fortbildungen hätten. Als Chef müsse man sich etwas einfallen lassen und bei den Mitarbeitern ein Feuer entfachen, meinte Dieth. Suter setzt sowohl in der Gemeindeverwaltung als auch im Betrieb auf eine hohe Wertschätzung der Mitarbeiter.

Vor Ende des offiziellen Teils folgte noch eine Fragerunde mit dem Publikum, bei der es auch Kritik von den Zuhörern gab. Ein Teilnehmer bemängelte, dass an der Podiumsdiskussion inklusive des Moderators nur Unternehmensvertreter teilnahmen und die Mitarbeiterseite gar nicht vertreten war. Ein anderer fragte nach, was man machen könne, wenn Mitarbeiter sich nur finanziell motivieren liessen, worauf Schmid antwortet, dass dann grundsätzlich schon etwas nicht stimme. Auch Schüpbach war sich sicher, dass für die Arbeitnehmer eine interessante Tätigkeit wichtiger sei als die Entlöhnung.

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